Ägypten: „Das Eis ist gebrochen“

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Das Treffen von Papst und Großimam wird in Ägypten sehr positiv aufgenommen

Von Oliver Maksan

Rafic Greiche, Sprecher der katholischen Kirche

Rafic Greiche, Sprecher
der katholischen Kirche

Königstein, 31.05.2016. Nach dem Treffen von Papst Franziskus und dem Großimam der sunnitischen Azhar-Universität, Ahmed al-Tayeb, vergangene Woche im Vatikan ist die Hoffnung in Ägypten auf eine Annäherung von Christen und Moslems groß. „Es war das erste Mal, dass der Großimam der Azhar-Universität den Papst besucht hat. Es war offensichtlich eine sehr herzliche Begegnung. Das sah man an der Körpersprache und der Vertrautheit, die zwischen dem Papst und dem Großimam herrschten. Wir glauben, dass damit das Eis in den Beziehungen zwischen dem Vatikan und der Azhar-Universität gebrochen ist“, so Pater Rafik Greiche, Medienverantwortlicher der katholischen Kirche in Ägypten, am Mittwoch gegenüber dem internationalen Hilfswerk Kirche in Not (ACN).

Dialog wieder aufgenommen

Christen in der koptisch-orthodoxen Kirche beten das Vaterunser

Christen in der koptisch-orthodoxen Kirche
beten das Vaterunser

„Die Wiederaufnahme des von der Azhar-Universität 2011 suspendierten offiziellen Dialogs ist zwar noch nicht explizit verkündet worden, aber das ist nur eine Formsache. Ich gehe fest davon aus, dass die Gespräche wieder aufgenommen werden.“ Die bedeutendste islamische Institution Ägyptens, die in der gesamten sunnitischen Welt hohes Ansehen genießt, hatte die bilateralen Gespräche mit dem Heiligen Stuhl 2011 einseitig unterbrochen. Als Grund wurde die öffentliche Mahnung Papst Benedikts XVI. angeführt, die Religionsfreiheit in Ägypten besser zu schützen. Dies war als von der Azhar-Universität als unzulässige Einmischung in die inneren Angelegenheiten Ägyptens gewertet worden. Der damalige Papst hatte sich im Hinblick auf den blutigen Anschlag auf eine koptische Kirche am Neujahrstag 2011 in Alexandria geäußert, bei dem zahlreiche Menschen getötet und verletzt wurden.

Pater Rafik wies auf die positive Aufnahme der Begegnung in den ägyptischen Medien hin. „Das Treffen war Hauptthema sowohl im Fernsehen als auch in den Zeitungen. Es wurde allgemein sehr positiv kommentiert.“ Die Begegnung, so Pater Rafik weiter, habe zudem nicht nur eine interreligöse Dimension sondern auch eine ökumenische. „Das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, Papst Tawadros, hat den Großimam mehrfach ermutigt, den Dialog mit der katholischen Kirche aufzunehmen. Wenn es eine solche Begegnung und eine Wiederaufnahme des Dialogs gibt, betrifft das natürlich nicht nur das Verhältnis von Moslems und Katholiken, sondern alle Christen.“

Pater Rafik hob hervor, dass sich die Azhar-Universität unter der Führung des Großimams al-Tayeb um eine Reform der Schul- und Lehrbücher in den ihr untersehenden Schulen und Hochschuleinrichtungen bemühe. „Sie bemühen sich um eine neue Sprache im Blick auf uns Christen. Aber hier gibt es noch viel zu tun. Das ist ein Prozess, der Jahre dauern wird. Entscheidender aber, als Bücher zu ändern, ist, dass sich die Mentalität in den Köpfen der Imame ändert“, so Pater Rafik.

Lage der Christen verbessert

Lage der Christen in Ägypten verbessert

Lage der Christen in Ägypten verbessert

Pater Rafik betonte, dass sich die Lage der Christen in Ägypten seit der Absetzung des Moslembruders Mursi im Juli 2013 sehr verbessert habe. „Die Lage heute ist kein Vergleich zu der während der Regierung der Moslembrüder. Wir haben heute sehr gute Beziehungen der kirchlichen Führer zu den staatlichen Stellen. Aber natürlich gibt es noch zahlreiche Probleme. Aber mein Eindruck ist, das es ein wachsendes Bewusstsein unter den Moslems für unsere Lage gibt“, so der griechisch-katholische Geistliche. „Am drängendsten ist für uns natürliche die Frage des Kirchenbaus. Der ist bislang massiven Beschränkungen unterworfen. Fünf Kirchen haben dem Parlament jetzt einen Gesetzesentwurf zugeleitet. Präsident Sisi hatte uns um einen Entwurf gebeten. Wir hoffen, dass der Entwurf noch in dieser Sitzungsperiode des Parlaments bis Oktober beraten und verabschiedet wird. Immerhin haben wir soviele christliche Abgeordnete wie noch nie im Parlament und viele Moslems an unserer Seite. Sicher, die salafistischen Abgeordneten werden sich dem widersetzen. Aber sie sind nicht viele. Also bin ich zuversichtlich.“

Kirche in Not (ACN) unterstützt die katholische Kirche Ägyptens seit vielen Jahren. Gefördert werden neben zahlreichen pastoralen Projekten der Bau von Kirchen.

 

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