Aleppo – Die finstere Stadt

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Text von John Newton

Pater Ziad Hilal, ein jesuitischer Priester, der bereits eine sehr lange Zeit den Opfern des Krieges in Syrien hilft – erst in Homs und jetzt in Aleppo, hat kürzlich mit dem katholischen Hilfswerk  Kirche In Noot gesprochen.

Attacks from the rebels to the Christian quarters in AleppoWie war die Situation in Aleppo?

“Wegen der Kämpfe ist es für alle eine sehr traurige Situation. Ich konnte nicht gut schlafen, weil wir die ganze Nacht Bomben und die Gefechte zwischen den Gruppen gehört haben.”

“Als ich dort war, gab es nur Strom für vielleicht 1-2 Stunden am Tag – aber nicht jeden Tag. Dann ist es, wenn man so will, eine finstere Stadt, ohne Licht – aber die Menschen benutzen Generatoren. Nicht immer geben sie ihnen Strom für ein paar Stunden. Ab Mitternacht bis zum nächsten Morgen ist es schwarz – eine dunkle Stadt – nichts geschieht.”

“Ohne Elektrizität haben wir keine Wärme und viele Leute können auch nicht zu ihrer Arbeit gehen – die Stadt ist zweigeteilt zwischen der Opposition und der Regierung. Die Leute können nicht von einer Seite zur anderen wechseln. Und stellen sie sich vor, dass jede Familie auf beiden Seiten der Stadt getrennt leben muss. Viele Leute können nicht von hier nach da, von da nach hier, um zu ihrer Arbeit zu gelangen –  und so haben sie ihre Arbeit verloren, sie haben ihre Häuser verloren.”

Gibt es irgendwelche Zeichen der Hoffnung?

“Einerseits sind die Dinge düster, traurig – andererseits sehen wir die Bemühungen der dortigen Kirche und der Menschen, insbesondere die der christlichen Vereinigungen. Sie geben uns  ein Zeichen der Hoffnung.”

“Wir bieten dort, zusammen mit Aid to the Church in Need, mit JRS und den Bischöfen, viele Hilfsleistungen an, damit die Christen in ihrem Land bleiben können –  Wir helfen auch den Muslimen.”

Wie hilft die Kirche den Menschen in ihrer Not?

“Wir haben eine große Küche, die von ACN und anderen Organisationen gespendet wurde – und es kommt eine Menge Menschen; wir geben täglich mehr als 7500 Mahlzeiten aus. Das ist sehr viel. Das Team besteht aus Muslimen und Christen – und viele, die von den Mahlzeiten profitieren, sind Muslime.”

Er fügt hinzu, dass die Küche der Missionare von Maria (Missionaries of Mary) dazu dient, Frauen zu helfen – auch muslimischen Frauen  – Handtaschen herzustellen  und andere Dinge zu verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

“Das Problem in Syrien besteht nicht zwischen Christen und Muslimen, aber ich gebe Ihnen ein Beispiel dafür, wie sich unsere Kirche um Versöhnung bemüht.

Können Sie uns an einem Beispiel zeigen, wie die Familien leiden?

New Attacks in Aleppo, SYRIA July 2016“Es gibt viele arme Familien ohne Arbeit. Ich traf eine katholische Familie, deren drei Kinder in einem Restaurant arbeiten, eines ist sieben oder acht Jahre alt, das andere zehn und das dritte, er ist 14 Jahre alt. Ihr Vater starb, wir wissen nicht wie und ihre Mutter arbeitet ebenfalls. Der Besitzer des Restaurants erzählte mir – Sie sehen diese drei Kinder arbeiten und ich konnte ihnen nicht sagen: „Nein, es ist jetzt Sommer!“, weil sie ihrer Mutter helfen. Ich war schockiert.

Wie ist die gegenwärtige Situation in Aleppo, wo die Rebellen bereits weiter in die Stadt vorgedrungen sind?

“Ich weiß nicht, was soll ich sagen? Es herrscht Chaos – und nicht nur in Aleppo, sondern in ganz Syrien, überall wird gekämpft; wir sprechen viel von Aleppo, aber wir vergessen dabei die anderen Städte. Es ist die gleiche Situation, unser Land ist nun gespalten. Ich glaube, der einzige Weg ist der Dialog zwischen Syrern und Syrern, denn auf die gegenwärtigen Fragen kann man mit Waffen keine Antwort finden. Wir müssen die Waffen zum Schweigen bringen und für den Frieden arbeiten. Das ist das Wichtigste für uns Syrer.”

Denken Sie, es wird Frieden geben?

“Es ist jetzt wichtig zu erwähnen, was Papst Franziskus vor einigen Tagen sagte – ‘Ich ermutige alle –  junge und alte Menschen – mit Begeisterung in diesem Jahr der Barmherzigkeit zu leben, die Gleichgültigkeit zu überwinden, und vor allem zu verkünden, dass Frieden in Syrien möglich ist. Frieden in Syrien ist möglich.’ Das ist unser Aufschrei, dass Frieden in Syrien möglich ist, das ist unsere einzige Hoffnung.”

Was ist ihr Gebet für Syrien?

“Heute bitte ich Gott in meinem Gebet, uns Frieden und Trost zu schenken. Was die Menschen in Syrien und besonders in Aleppo brauchen, sind Sicherheit und Barmherzigkeit um weiterleben zu können,  denn es ist eine schwierige Situation. Gott lässt uns zu verstehen, dass der einzige Weg die Versöhnung untereinander ist, zwischen Syrern und Syrern, um den Krieg zu beenden und ein neues Leben in Frieden zu beginnen.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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