„Benötigt die UN die Kirchen als Friedensboten, da sie das Sprachrohr für jedermann sind.“

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acn-20161012-46953Brüssel/Genf, 14. Oktober 2016. Mit beispielhaften Zeichnungen und Mitteilungen, die sie von insgesamt 1,2 Mio. Kinder muslemischen und christlichen Glaubens aus Schulen in Homs, Aleppo und Damaskus mitgebracht hatten, richteten Vertreter der drei größten Kirchen in Syrien einen Friedensappell an hochrangige Politiker von EU- und UN-Einrichtungen.

Der vom katholischen Hilfswerk Kirche in Not organisierte Besuch der Delegation, die 95 % aller Christen in Syrien repräsentiert, wurde vom Patriarchen der melkitisch griechisch-katholischen Kirche von Antiochien und dem ganzen Orient, von Alexandrien und von Jerusalem Gregorius III. Laham, von George Abou Zakhem, dem Metropolit der griechisch-orthodoxen Erzdiözese von Antiochien in Homs und von Selwanos Boutros Alnemeh, dem Metropolit der syrisch-orthodoxen Erzdiözese in Homs und Hama, geleitet.

Vierzehn Treffen fanden bei den EU-Institutionen in Brüssel statt, darunter auch Gespräche mit Jan Figel, dem EU-Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit, mit Christos Stylianides, dem EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, sowie mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Mit einem eindringlichen Appell an die EU-Politiker, Druck auf die internationale Gemeinschaft auszuüben, um wieder Sicherheit und Stabilität in Syrien herzustellen, erklärte Patriarch Gregorios III.: „Frieden in Syrien wird es nur geben, wenn jeder Einzelne seinen Beitrag hierzu leistet. Die internationale Gemeinschaft muss sich wieder an einen Tisch setzen, um Sicherheit und Stabilität zu erreichen. Frieden kann jedoch nicht von außen auferlegt werden. Er muss von innen kommen, aus dem Herz jedes Einzelnen von uns. Und dies muss jetzt und weiterhin jeden Tag die Aufgabe der Kirchen sein.“

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagte: „Die Umstände sind dramatisch und Ihren Besuch möchten wir zum Anlassen nehmen, unsere Solidarität und unseren Respekt für Ihre unermüdlichen Friedensbemühungen unterstreichen. Seien Sie versichert, dass die Treffen mit Ihnen für viel Gesprächsstoff unter unseren Kollegen gesorgt haben und dass Berichte über die aktuelle Situation vor Ort für uns extrem wichtig sind.“

„Die Rolle der Christen in Syrien ist nicht nur mit Blick in die Vergangenheit wichtig, sondern auch mit Blick auf die Zukunft“, erklärte Metropolit Georgis Abou-Zakhem. „Christen haben eine einzigartige Vertrauensstellung inne: In gewisser Weise halten sie die syrische Gesellschaft zusammen und ermöglichen den Dialog und die Versöhnung in einem Land, in dem verschiedene Religionen seit mehr als 14 Jahrhunderten zusammen leben.“ Bischof Georgis wies auf verschiedene Beispiele für diesen gelebten Dialog zwischen Muslimen und Christen in Homs hin, wo er seit dem Beginn der Konflikte lebt, und zeigte auf, wie verschiedene Gemeinschaften von Muslimen und Christen miteinander auskommen. „Auf Grundlage von Sicherheit und Stabilität erholt sich das gesellschaftliche Leben rasch, wie wir bei Menschen feststellen können, die zurück nach Homs kommen. Wir helfen Muslimen und Christen gleichermaßen, in ihren Dörfern wieder Fuß zu fassen.”

Dies bestätigte auch Metropolit Selwanos von Homs und erklärte, dass die in ganz Syrien verstreut lebenden Christen die Garanten dafür seien, dass das Land nicht in konfessionell gespaltene Provinzen zerfällt. „Wir bauen Schulen wieder auf, die allen offen stehen. Mehr als 90 % der Schüler sind Muslime, denn sie vertrauen auf die Qualität unserer Schulbildung. Auf diese Weise lernt die nächste Generation gemeinsam.”

Nach dem Besuch in Brüssel reiste die Delegation weiter nach Genf, wo sie die Petition der Kinder UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi und Prinz Zaaid Al-Hussain, dem UN-Hochkommissar für Menschenrechte, mit dem Ziel überbrachte, konkrete Schritte für eine Zusammenarbeit mit deren jeweiligen UN-Beauftragten innerhalb Syriens einzuleiten.

„Die Kirchen sind in bestimmten Bereichen, in denen sich andere internationale Nicht-Regierungsorganisationen aufgrund von Sicherheitsrisiken zurückgezogen haben, eine der wenigen verbleibenden Strukturen, die weiterhin humanitäre Hilfe leisten,“ erklärte Pater Andrzej Halemba, Projektleiter Nahost bei Kirche in Not. Die Kirchen unterstützen bereits heute Familien, deren Mitglieder nach ihrer Vertreibung ins Ausland wieder in ihre zerstörten Häuser zurückkehren: Beispielsweise in Qusayr, wo Hilfe beim Kauf von Bau- und Reparaturmaterialien geleistet wird, damit der Wiederaufbau beginnen kann. Nach Aussage von Filippo Grandi „benötigt die UN die Kirchen als Friedensboten, da sie das Sprachrohr für jedermann sind.“

„Eine Generation, der Schulbildung fehlt, ist eine verlorene Generation, die sich möglicherweise aus Verzweiflung dem IS anschließt. Wir sind keine Politiker. Unser Beitrag besteht darin, die Seele einer multikulturellen syrischen Gesellschaft wieder aufleben zu lassen”, erklärte Patriarch Gregorios III. „Wir sind zuversichtlich, dass wir mit genügend Stabilität und Sicherheit, auf deren Grundlage Kinder wieder zur Schule gehen können, eine tragfähige, friedliche Zukunft für Syrien schaffen können.“

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