“Demokratische Republik Kongo: Willkommen im dreieck des todes”

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Christine du Coudray, Referentin der Afrika-Abteilung bei dem internationalen katholischen Hilfswerk “Aid to the Church in Need”, ist gerade von einer Projektreise in die Demokratische Republik Kongo zurückgekehrt. Sie besuchte den östlichen Teil des Landes, das noch immer unter den Folgen des letzten Krieges leidet. Armut, Unsicherheit und Isolation begleiten die Menschen, die sie dort besuchte; vor allem in der Diözese Manono, einer der entlegensten im ganzen Land. „In meiner 24jährigen Tätigkeit für Kirche in Not habe ich außer im Sudan noch nie etwas Derartiges gesehen“, sagt du Coudray über die entsetzlichen Lebensbedingungen der lokalen Priester.

20121123_004“Wenn man Manono überfliegt, sieht man eine wunderschöne Stadt, mit Straßen die von Mangobäumen umsäumt sind.” – erzählt du Coudray. Die Stadt im Südosten der Demokratischen Republik Kongo wurde von den Belgiern gegründet. In den 1950er Jahren wurde in dieser Region ein reiches Vorkommen an Mineralien entdeckt. Sie gründeten ein Zinn-Unternehmen, für dessen Bedürfnisse eine wunderbare, im ganzen Land wohlbekannte Stadt erschaffen wurde. Die Menschen hatten fließendes Wasser und 24 Stunden am Tag Elektrizität. Sie hatten Arbeit und eine Infrastruktur für Bildung und Gesundheit, usw. “So sieht die Stadt vom Flugzeug absolut wundervoll aus. Aber dann kommst du an und findest eine Geisterstadt vor. Die gesamte Stadt wurde von dem Krieg 1999 völlig zerstört und menschenleer. Der Rest besteht aus verlassenen Ruinen” – beschreibt sie.

Einst ein lebendiger Ort – heute ist die Kirche in Manono verlassen und arm. “Willkommen. Keiner möchte uns besuchen” sagt Bischof Vincent de Paul zu Christine du Coudray bei ihrer Ankunft in Manono. Seltsame Worte in einer Region, die so reich an natürlichen Ressourcen ist, wie Coltan, Kassiterit, Eisen, Kobalt, Gold, Amethysten, Diamanten, um nur einige zu nennen. Während ihres Besuches wurde sie auch von einem anderen Priester mit den Worten begrüßt “willkommen im Dreieck des Todes”. Tatsächlich könnten die Mineralvorkommen der Gemeinschaft Leben und Wohlstand bringen, aber auch die Gier erwecken und so zum Kämpfen und Töten führen, wie es in Manono geschehen ist.

“Die Struktur der gesamten Diözese ist mit dem Zinn-Unternehmen strikt verbunden. Jahrelang gruben die Belgier in den Steinbrüchen nach Kasserit. Das hat die Landschaft verändert – die Steinbrüche haben künstliche Hügel geschaffen und die Täler wurden zu Seen. Plötzlich, im Jahr 2000, stellten die lokalen Behörden fest, dass das Kasserit vollständig versiegt war, aber dafür wurde Coltan entdeckt. Deshalb blieben die Steinbrüche und die Leute der Stadt wurden darum gebeten Coltan zu fördern, das zu dieser Zeit noch nicht die Bedeutung hatte wie heute – erklärt Christine die aktuelle Situation. “Ich habe einige Kinder getroffen, die sich auf die Einschulung vorbereiten. Sie arbeiten für ein paar Dollar in den Steinbrüchen, um ihr Schulgeld bezahlen zu können” – vervollständigt sie das Bild.

Als Bischof de Paul kam, hatte die Diözese seit bereits fünf Jahren keinen Bischof mehr. “Aus diesem Grund entschied er sich die lokale Kirche zu organisieren” – wiederholt Christine du Coudray. “Es war nicht leicht…Jetzt hat sich die Situation sehr verbessert. Ich habe mit einigen Priestern gesprochen und sah dass sie sehr an der Isolation litten” – sagt sie.

Die Sorge in diesem Gebiet gilt nicht nur dem Wiederaufbau der Kirche und der Gebäude, sondern es ist viel komplizierter: Es geht um die Wiederherstellung des Glaubens und des Gefühls der Berufung der Priester.

Dennoch geschehen dank des Heiligen Geistes noch immer Wunder. “Der Herr möchte nicht dass du staatlicher Angestellter bist, sondern dass Du Sein Gesicht offenbarst” sagt Bischof Vincent de Paul während einer sonntäglichen Messe, die Christine besuchte, in der zwei Diakone und zwei Priester geweiht wurden. „Vor drei Jahren bat ich den Erzbischof von Avignon in Frankreich, der als Missionar im Tschad tätig war,  in Manono Exerzitien zu leiten” – sagt Christine. “Der Erzbischof willigte ein. Im Gegenzug schickte Bischof Vincent de Paul einen Priester nach Avignon zum Notre Dame de Vie Institute. Der Priester erkannte wie wertvoll seine Berufung war. Nach Abschluss seiner pastoralen, theologischen Studien wird er nach Manono zurückkehren. Auf der einen Seite scheint es nur eine geringe Hoffnung zu geben, auf der anderen ist da dieser Priester, der etwas zu der Erneuerung der gesamten  Diözese beitragen möchte” – sagt Christine.

Christine du Coudray betont wie wichtig es ist, die Priester zu besuchen und ihnen Hilfe anzubieten. „Natürlich müssen wir dann auch konkrete Maßnahmen ergreifen um zu helfen“ – fügt sie hinzu. „Ich schlug zum Beispiel vor, die Bibliothek zu erweitern, aber die Realität ist eine andere. Nur sehr wenige Priester lesen heutzutage. Sie beschweren sich über die Lebensbedingungen. Stellen sie sich einmal vor In dieser riesigen Diözese gibt es nur drei Fahrzeuge. Es gibt nur sieben Schwestern und nur einen Orden: die „Messagères de la Bonne Nouvelle“. Unter ihnen gibt es nur eine Schwester, die das ewige Gelübde abgelegt hat. In allen anderen Diözesen gibt es eine Anzahl Schwestern, die verschiedenen lokalen oder Missionskongregationen angehören“ – bemerkt Christine.

Aber das ist noch nicht alles. „In den 24 Jahren meiner Tätigkeit bei Kirche in Not habe ich noch nie gesehen, was ich in der Gemeinde von Piana gesehen habe“ – sagt Christine. „Wir wurden dort vom Priester der Gemeinde begrüßt. Er sagte „bitte kommen Sie in mein Pfarrhaus“.  Aber das war kein Pfarrhaus! – entrüstet sich Christine. „Stellen sie sich einen Raum mit 6m² vor, geteilt durch eine kleine Mauer. Hinter dieser Mauer befand sich eine Matratze mit einem  Moskitonetz, das so schmutzig war, dass kein Moskito hineingekommen wäre. Unmöglich. Neben der Matratze war ein Bad – gut, so eine Art Bad. Die Wände waren so extrem schmutzig und es gab keine Fenster. Ich hab noch niemals etwas Derartiges  gesehen – und das nennt sich Pfarrhaus. Wir würden das noch nicht einmal einem Hund zumuten! Aber es gibt für ihn keinen anderen Ort, an dem er wohnen könnte. Wirklich, es ist eine Schande für uns so etwas zu sehen.“ – Sie kommt zu dem Schluss, dass es katastrophale Bedingungen sind, unter denen der Priester lebt.

acn-20160426-39817In Manono gibt es keine Kurie und auch das Dach im Haus des Bischofs ist einsturzgefährdet und die Kapelle ist in einem schlechten Zustand.  Der Bischof sagt „Was kann ich machen? Ich kann mein Haus nicht renovieren, wenn mein Priester in Piana unter solchen Bedingungen leben muss“.

„Glücklicherweise bat uns der Bischof vor zwei Jahren darum den Bau des Pfarrhauses zu unterstützen. Wir kannten weder Ort noch Zeit. So wie es scheint ist es die gleiche Stelle. Neben dem sogenannten „Pfarrhaus“ in Piana gibt es ein neues. Ein sehr schönes mit einer kleinen Kapelle. Es ist fast fertig und der Priester wird in Kürze einziehen können.“ – freut sich Christine.

Schritt für Schritt kommt die Veränderung. „Wir müssen ihnen zur Seite stehen, damit sie sich nicht alleine fühlen“ –  betont Christine. – „Helfen Sie dem Bischof sich mit anderen Bischöfen aus dem Land und dieser Region zu treffen für den Klerus mit Priestern aus dem Ausland, aus Europa. Sie suchen nach solchen europäischen Vermittlern, die nach 1960 (als das Land von Belgien unabhängig wurde) nicht so selbstverständlich waren. Deshalb ist es so wichtig, dazusein, den Kontakt zu pflegen und zu zeigen, dass wir uns um sie kümmern.“.

Für Christine beginnt alles mit einer Verbindung, einer echten Gemeinschaft: „Wir müssen eine Brücke bauen, so dass sie erkennen, wie wichtig sie für uns sind. Und wir sind dazu bereit.“

Unter anderen Prioritäten von Bischof Vincent de Paul, wird ACN an zwei entscheidenden Projekten in der Diözese beteiligt sein. Das erste betrifft die Fertigstellung des Kleinen Seminars in einem Gebäude des ehemaligen Bischofshauses, das völlig zerstört wurde. Das zweite Projekt wird die Sanierung des Pfarrhauses in der ebenfalls völlig zerstörten Pfarrgemeinde St. Joseph der Arbeiter.

Von Aleksandra Szymczak

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