Der Nuntius in Palästina: „Der Dialog ist die größte Herausforderung für die Kirche im Heiligen Land“

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Rom/Königstein im Taunus 24.06.2014 – “Ein gemeinsames Haus durch den Dialog in eine Familie umzuformen”, dies ist laut Erzbischof Giuseppe Lazzarotto, Nuntius in Israel und Apostolischer Delegat für Palästina, die größte Herausforderung im Heiligen Land. In einem Gespräch mit „Kirche in Not“ kommentierte der Päpstliche Gesandte den kürzlich erfolgten Brandanschlag auf die Brotvermehrungskirche am See Genezareth, einem der christlichen Symbole im Heiligen Land. „Dies sind Taten, die uns zutiefst betrüben, denn obgleich sie von der Mehrheit der Bevölkerung nicht mitgetragen werden, bringen sie eine Haltung der Verschlossenheit und der Weigerung zum Ausdruck, die Anwesenheit von jemandem, der anders ist, zu akzeptieren.“

Erzbischof Giuseppe Lazzarotto,  Nuntius in Israel

Erzbischof Giuseppe Lazzarotto,
Nuntius in Israel

Die christliche Gemeinschaft lasse sich dennoch nicht von dem Vorfall entmutigen, sondern setze den Weg des Dialogs fort, bemerkte der Erzbischof. „Den Dialog zwischen Christen, aber auch den Dialog mit Juden und Muslimen. Dies ist es, wozu uns Papst Franziskus stets aufruft: Uns selbst und andere zum Dialog zu erziehen.“

 

Samen der Versöhnung säen

Die Kirche stehe in diesem Sinne in der ersten Reihe und setze sich grundlegend dafür ein, dass „diese beiden Völker lernen, zusammenzuleben, und dass dieses Land sich nicht damit abfindet, ein geteiltes Haus zu sein, sondern ein Ort wird, wo man sich kennt, achtet und liebt“. Auch die schon stark geschrumpfte christliche Gemeinschaft, die seit Jahrzehnten die Wiege des Christentums verlässt, würde davon profitieren. „Würden sich die Lebensbedingungen verbessern, würden die Gläubigen nicht abwandern, denn niemand will das Heilige Land verlassen.“

Erzbischof Lazzarotto zitierte die Worte, die Papst Franziskus kürzlich an die Vollversammlung der ROACO („Riunione delle Opere d’Aiuto alle Chiese Orientali“ 150625 hl_verzoening– „Vereinigung der Hilfswerke der Ostkirchen“) gerichtet hatte und unterstrich die dringende Notwendigkeit, den „Samen der Versöhnung“ zu säen. „Genau so, wie es der Heilige Vater auf seiner Reise ins Heilige Land und bei der Begegnung mit Simon Perez und Abu Mazen im Vatikan getan hat. Leider kam es jedoch gleich danach zum Krieg im Gazastreifen, der Hass, Spaltungen und Zerstörungen gebracht hat, und zwar sowohl auf materieller als auch auf geistiger Ebene.“ Im Gazastreifen seien die Zeichen des Konfliktes von vergangenem Sommer noch immer wahrzunehmen, berichtete der Nuntius, der die wichtige Arbeit der Kirche vor Ort betonte, die, obgleich sie nur 1300 Gläubige zähle, drei Schulen, ein Altenheim und ein Zentrum für Menschen mit Behinderungen betreibe: „Dies sind die Wege des Dialogs“.

 

Hoffnung für die Zukunft

Eine Hoffnung für die Zukunft könne die hebräischsprachige katholische Gemeinde darstellen, die in den letzten Jahren dank der Kinder katholischer Einwanderer in Israel bedeutend gewachsen sei. „Dies ist eine schöne und neue Realität, der wir Aufmerksamkeit schenken müssen und die in der Zukunft eine fundamentale Rolle spielen könnte“.

Bezüglich der Sperrmauer und der Genehmigungen für Christen, Zugang zu einigen heiligen Stätten zu erhalten, bemerkt Erzbischof Lazzarotto ein größeres Entgegenkommen seitens der israelischen Behörden. „Wir sind gegen Mauern, aber man muss sagen, dass wir in diesem Jahr eine viel positivere Haltung feststellen konnten. Ostern und Weihnachten wurden mehr Genehmigungen als in der Vergangenheit ausgestellt, und viele Gläubige konnten von Tel Aviv kommen, was in der Vergangenheit verboten war.“

Auch das bevorstehende Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem palästinensischen Staat nähre die Hoffnungen der Christen: „Dieses Abkommen wird uns eine juristische Garantie bieten. In Palästina besteht Religionsfreiheit für die christliche Gemeinde, aber von nun an wird diese Freiheit nicht mehr lediglich eine Frucht des guten Willens dessen sein, der gerade regiert, sondern sie wird ein vom Staat anerkanntes Recht sei, der sich offiziell für die Gegenwart und die Zukunft der Kirche einsetzt.“

150625 hl_godsdienstenUm den Dialog der verschiedenen Religionsgemeinschaften im Heiligen Land zu fördern, unterstützt „Kirche in Not“ seit mehreren Jahren das Al-Liqa-Zentrum für interreligiöse Forschung in Bethlehem, dessen Zielsetzung darin besteht, einen vertieften Dialog zwischen Moslems, Juden und Christen zu erreichen. Im vergangenen Jahr betrug die Hilfe für die Arbeit des Zentrums 20.000 Euro. Gefördert werden auch die Aktivitäten des „Jerusalem Center for Jewish-Christian Relations“ (JCJCR), das es sich zur Aufgabe macht, die Beziehungen und das Verständnis zwischen Juden und Christen durch erzieherische Programme, Begegnungen und Informationsarbeit zu fördern. Zuletzt wurde mit 45.000 Euro geholfen.

Marta Petrosillo

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