Die Attentate von Jakarta (Indonesien)

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Indonesien irrt sich der Terrorgefahr bewusst

Königstein/Rom, 15.01.2016.  “Dieser Anschlag muss für alle Indonesier, vor allem für die Moslems, ein Alarmsignal sein. Sie müssen sich der Terrorgefahr bewusst werden”. Dies erklärte Pater Franz Magnis-Suseno, Jesuit und Dozent an der Philosophischen Universität gegenüber „Kirche in Not“. Er kommentierte damit eine Serie von Explosionen, zu denen es gestern Morgen –Donnerstag – in der indonesischen Hauptstadt gekommen war. „Es ist zu früh, um die Täter zu identifizieren, aber natürlich liegt der Gedanke nahe, dass es sich um eine Tat des ISIS handeln kann.“

Pater Franz Magnis-Suseno SJ

Pater Franz Magnis-Suseno SJ

Nach Aussage des Ordensmannes stehen die Geschehnisse nicht mit der gegenwärtigen interreligiösen Situation im Land in Zusammenhang. „Diese Art von Problemen gibt es eher in einigen der Provinzen, wie beispielsweise in Aceh“. Ziel der Anschläge soll weder die christliche Gemeinschaft, die einen Anteil von 9,9 Prozent an der zu 87,2 Prozent muslimischen Bevölkerung bildet – noch andere religiöse Minderheiten gewesen sein – sondern sie seien eine direkte Botschaft an den Westen gewesen, wie die kürzlich erfolgten Anschläge in der Türkei und Ägypten. Die Tatsache, dass es in Indonesien seit sechs Jahren keinen Terroranschlag mehr gegeben habe, dürfe dennoch nicht dazu führen, dass das Problem des Extremismus unterschätzt wird.

 

Indonesiens Tradition des religiösen Pluralismus gefährdet

Mädchen in der Koranschule

Mädchen in der Koranschule

Wie es in der letzten Ausgabe des „Berichts zur Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“ dargelegt wird, ist Indonesiens Tradition des religiösen Pluralismus und der Harmonie zunehmend gefährdet, die religiöse Intoleranz nimmt dramatisch zu, angetrieben vom radikalen Islamismus. Die Anschläge auf Kirchen nehmen zu, immer mehr Kirchen sind gezwungen zu schließen. Andere Glaubensgemeinschaften, wie die Ahmadi und die Schiiten innerhalb des Islams, aber auch die Buddhisten, die Hindus, die Bahai, die Anhänger des Konfuzianismus, der einheimischen traditionellen Religionen und die fortschrittlichen sunnitischen Muslime, die gegen die Intoleranz sind, sind vermehrt mit Drangsalierungen und Gewalt konfrontiert.

Der Anstieg religiöser Intoleranz wird durch eine Verbindung verschiedener Faktoren bewirkt, so der Bericht. Hinter vielen Gewaltakten stehen islamistische Selbstschutzorganisationen wie die Front Pembela Islam oder die Islamic Defenders Front, die ungestraft Attentate auf Kirchen, Ahmadi-Moscheen, schiitische Gemeinden und andere Ziele verüben. Die islamistische Propaganda, die sich von den Universitäten, Moscheen, Koranschulen, islamischen Privat-Schulen oder Internaten ausbreitet, beeinflusst die aktuellen Gesprächsthemen. Die Verbreitung islamistischer Ideen wird weitgehend aus dem Nahen Osten importiert, vor allem durch die Finanzierung von Studienstipendien in Saudi Arabien und Jemen und die finanzielle Unterstützung für die Veröffentlichung und Verteilung islamistischer Literatur, betont der Bericht.

Moschee von einer Universität in Indonesien

Moschee von einer Universität in Indonesien

“Die Behörden sind sich sicher, dass sie sich auf ein gutes Antiterrorsystem verlassen können, das seit 1988 besteht”, sagt Pater Magnis-Suseno, der nichtsdestotrotz auf das Vorhandensein zahlreicher Terrorgruppen hinweist. „Es handelt sich um sehr unterschiedliche Erscheinungsformen, die man nicht alle über einen Kamm scheren oder alle gemeinsam bekämpfen kann. Die Mehrheit von ihnen verurteilt den Islamischen Staat, aber insbesondere zwei Gruppierungen unterstützen, wenn auch indirekt, das Kalifat.“ Solche Gruppierungen seien die Jemaah Islamiah, die von Abubakr al-Bashir gegründet wurden, und die East Indonesia Mujahidin (MIT), die von Santoso angeführt wird und in der Provinz Zentralsulawesi aktiv ist.

Der Jesuit hält die Ausbreitung von Anhängern des Islamischen Staates in Indonesien nicht für eine bestehende Gefahr, aber alles hänge von den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen des Landes ab. „Wenn es der Regierung gelingt, konkrete Aussichten auf eine bessere Zukunft zu schaffen und die grassierende Korruption zu stoppen, werden die jungen Indonesier nicht nach Alternativen wie dem Islamischen Staat suchen.“

 

Marta Petrosillo

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