“ Die Kinder müssen im September in die Schule, sonst stirbt Baghdeda”

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Der Priester Georges Jahola

16/08/2017/Iraq/Nineveh/Baghdeda: Kirche in Not“ und das Ninive-Wiederaufbaukomitee (NRC) führen einen Wettlauf gegen die Zeit, um vor dem Beginn des neuen Schuljahres möglichst viele syrisch-katholische Familien in ihre Häuser zurückkehren zu lassen. Rund 600 Familien sind schon in die Stadt in der Ninive-Ebene zurückgekehrt. Der Priester Georges Jahola, der beim NRC für das syrisch-katholische Team verantwortlich ist, sagt: „In zehn Jahren wird die Stadt wieder so bevölkert sein wie vor dem IS“.

Die Stadt Baghdeda (auf Türkisch Karakosch) in der Ninive-Ebene führt einen Wettlauf gegen die Zeit und für das Leben. Im September werden die Schulen wieder eröffnet. Die syrisch-katholischen Familien, die vor drei Jahren die Stadt verlassen haben, um vor den Angriffen des sogenannten Islamischen Staates (IS) zu fliehen, und die die letzten drei Jahre als Binnenflüchtlinge in Kurdistan verbracht haben, möchten rechtzeitig zum Schuljahresbeginn ihrer Kinder nach Hause zurückkehren.

„Die Schulen von Baghdeda sind von internationalen Organisationen wie der UNO wieder instandgesetzt worden“, erklärt der Priester Georges Jahola, der das für das syrisch-katholische Team verantwortliche Mitglied des NRC ist und der mit dem Wiederaufbau der Stadt betraut ist. „Leider sind die Häuser der christlichen Familien, die zurückkehren möchten, noch nicht wiederhergestellt worden“, fährt der syrisch-katholische Priester fort. „Vor dem IS lebten in Baghdeda circa 5.000 syrisch-katholische Familien. Davon haben ungefähr 60 Prozent Kinder, die zur Schule gehen. Wenn ihre Häuser bis September nicht fertig sein sollten, könnten diese Familien beschließen, anderswo hinzugehen, und dieses Mal dann für immer. Wenn wir es hingegen schaffen, bin ich sicher, dass Baghdeda in zehn Jahren, unter Abzug der Familien, die nicht mehr zurückkehren werden, wieder bevölkert sein wird und dort wieder so viele Christen leben werden wie vor dem IS.

In dieser Stadt haben zweieinhalb Jahre der Besetzung durch Tausende IS-Kämpfer, die, so vermutet Pater Jahola, „wahrscheinlich genau dort ihren Stützpunkt hatten“, 6.327 Gebäude hinterlassen, die der Wiederherstellung bedürfen. Die Terroristen übergaben den Flammen 2.269 Häuser, beschädigten 3.950 und bombardieren 108.

Kirche in Not und andere Organisationen sind dabei, die ersten Häuser instand zu setzen und beginnen dabei mit denjenigen, die weniger stark beschädigt sind.

Kirche in Not hat schon 47 Häuser im Sektor “E” der Stadt wiederaufgebaut. „Die Familien nehmen dieses Signal der Hoffnung auf und fangen an, zurückzukehren“, kommentiert Pater Jahola. „Es sind schon 600 Familien nach Baghdeda zurückgekehrt. Dann haben wir noch ungefähr 120 Arbeiter, die schon hergezogen sind, um hier zu arbeiten, während ihre Familien noch in Erbil darauf warten, sich ihnen anzuschließen. Vor allem die Kinder sind sehr froh, wieder nach Hause zurückzukehren.“

Um das Leben nach Baghdeda zurückzubringen, werden das Stromnetz und die Wasserversorgung wieder in Betrieb genommen. „Der Strom kehrt langsam zurück. Die Regierung in Bagdad hat die alten Stromgeneratoren repariert und 15 neue beschafft, die aber nicht ausrechen. Wir bräuchten in Wirklichkeit weitere 150. Die Terroristen des Islamischen Staates haben das Wassernetz der Stadt beschädigt, und in einigen Stadtvierteln gibt es kein Wasser. Die Stadtverwaltung bräuchte einen Bagger für die Arbeit, den wir aber nicht haben.“

Das schlagende Herz des Wiederaufbaus von Baghdeda ist in der Tat das syrisch-katholische Team, das von Pater Georges Jahola geleitet wird. „Jeden Tag bekommen wir Anrufe von christlichen Familien, die nach Hause zurückkehren wollen. Unsere Ingenieure überprüfen den Zustand ihrer Häuser und nehmen die Schäden auf. Dann kehren sie ins Büro zurück, und wir notieren die Daten, die bei der Begutachtung gesammelt wurden. Immer mehr Familien bitten uns um einen Voranschlag der Kosten der Instandsetzung ihrer Häuser: Aufgrund der vielen Anfragen mussten wir in diesen Tagen sogar zwei neue Ingenieure einstellen.“

Trotz der Schwierigkeiten kehren weitere syrisch-katholische Familien langsam auch nach Bartella, einer Stadt in der Ninive-Ebene mit überwiegend syrisch-orthodoxer Bevölkerung, zurück.

Von den 650 Familien, die vor dem Angriff des IS in Bartella wohnten, sind schon 24 zurückgekehrt. In dieser Stadt, die vom 6. August 2014 bis zum 20. Oktober 2016 besetzt war, hat der IS 69 Häuser, die syrisch-katholischen Familien gehörten, verbrannt, 274 beschädigt und 19 völlig zerstört. Pater Benham Benoka, Mitglied des Ninive-Wiederaufbau-Komitees, ist damit befasst, die Häuser von syrisch-katholischen Familien wiederaufzubauen. Wie in Baghdeda besucht auch hier ein Team von Ingenieuren die Häuser, arbeitet Gutachten über die Schäden aus und stellt die Kosten fest. „Dies ist das Haus von Dhiya Behnam Nuna. Es wurde auf den Ruinen des alten Bartella erbaut“, erklärt Pater Benoka. „Die Terroristen des Islamischen Staates haben die Mauern der Wohnungen durchbrochen, um sich von einem Haus ins andere fortbewegen zu können, ohne von den amerikanischen Hubschraubern gesehen zu werden“, erklärt der Priester, während wir  durch eben diese Löcher in den Wänden von einer Wohnung in die andere gehen.

Über den Fußboden erstreckt sich eine Müllhalde: Heiligenbilder, Kleidungsstücke, Matratzen und Möbelstücke. Es scheint unmöglich zu sein, hierher zurückzukehren, um hier zu leben. Dennoch ist ein Ingenieur schon dabei, die Fensterrahmen zu vermessen. Bald wird Herr Dhiya Behnam Nuna neue Fenster haben.

Die Herausforderungen, vor denen die Christen in der Ninive-Ebene stehen, sind immens. Zur Zeit leben in Erbil noch 14.000 registrierte aus Mossul und der Ninive-Ebene geflüchtete Familien (ca. 90.000 Personen). Fast 13.000 Häuser müssen wiederaufgebaut werden, es besteht die Frage der Sicherheit in den Dörfern, es gibt in dem Gebiet irakisch-kurdische politische Manöver, Probleme mit der Infrastruktur (Wasser, Strom, Schulen, Krankenhäuser) und sehr wichtig auch die Übergangsperiode zwischen dem Ende der monatlichen Mietkosten- und Nahrungsmittelhilfen und dem Umzug dieser Familien in die wiederhergestellten Dörfer. Den jüngsten Umfragen des Ninive-Wiederaufbauausschusses (NRC) nach, aktualisiert am 14. Juli 2017, sind bereits 1228 Familien in die Ninive-Ebene zurückgekehrt und 423 Häuser schon instandgesetzt, von denen 157 mit Finanzbeiträgen von Kirche in Not wiederhergestellt wurden.

Seit Beginn der Krise hilft Kirche in Not den christlichen Flüchtlingen im Norden des Irak. Bisher wurden insgesamt 31 Millionen Euro für Soforthilfe – einschließlich Nahrungsmittel, Bildung, Wohnraum – pastorale Hilfe und Wiederaufbau gespendet.

 

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