“Die Menschen werden zurückgehen, wenn Mosul befreit ist“

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acn-20161111-48147Die vertriebenen Christen in Erbil werden wahrscheinlich nicht vor dem Sommer 2017 in ihre Dörfer in der Niniveh Ebene zurückkehren können. Während der breitangelegten Sicherung des Gebietes durch Militäroperationen, bleiben Scharfschützen, Minen und einige Widerstandsnester der Extremisten zurück. Bis zur endgültigen Befreiung Mosuls wird es für die Bewohner der Dörfer nicht sicher genug für eine Rückkehr sein. Eine weitere grundlegende Voraussetzung für die Rückkehr der Familien ist der Wiederaufbau der Dörfer. In der Zwischenzeit müssen die vertriebenen Christen den Winter in Erbil überleben – laut Erzbischof Bashar Warda von Erbil.

In einem Interview während seines Besuchs (am Mittwoch, 9. November) bei dem katholischen Hilfswerk Kirche in Not sagte Erzbischof Warda: „Ich denke, dass die Rückkehr sicher ist; die Menschen werden zurückkehren, aber sie brauchen etwas Zeit. Wann? Das „wann“ ist keine Zeit sondern ein Zustand: wenn Mosul befreit ist, wenn Mosul sicher ist, wenn sich die Regierung in Richtung Wiederaufbau bewegt und versucht diese Orte [Niniveh Ebene] wieder sicher zu machen. Einige Menschen werden in Duhok und Erbil bleiben, weil sie jetzt dort leben und kleine Unternehmen gegründet haben, aber wenn klare Signale an die Menschen gegeben werden, werden sie mit Sicherheit nach Hause zurückkehren. Wir erwarten, dass das passiert aber ich würde sagen, dass wir hoffentlich im Sommer 2017 Menschen sehen, die Ackerbau betreiben, aufräumen und die Einrichtungen wieder eröffnen.“

Hinsichtlich der Rückeroberung Mosuls bemerkt der Bischof: „Wir erwarten einen harten Kampf. Es wird Zeit kosten, die Menschen, die in Mosul leben, davon zu überzeugen, dass es gut für sie ist, die Situation zu ändern. Wir müssen abwarten. Wir wissen, dass Mosul eine der Festungen der ISIS ist und sie werden ihre Position dort bis zur letzten Minute verteidigen.“

acn-20161111-48151Trotz der augenfälligen Herausforderungen, die den Christen in Erbil, die aus der kürzlich zurückeroberten Region vertrieben wurden, noch bevorstehen, bemerkt der chaldäische Erzbischof von Erbil: „Es gibt Hoffnung. Die Menschen danken Gott, denn ungeachtet vieler Schwierigkeiten sind wir heute zumindest sicher, dass unsere Gebiete befreit werden. Jeden Tag gehen sie ihr Eigentum in diesen Dörfern sichten. Leider ist vieles zerstört: ausgebrannte Kirchen, einige der Heiligtümer wurden vollständig zerstört, viele Häuser wurden verbrannt und Möbel geplündert. Wir brauchen Zeit für den Wiederaufbau und um die Dörfer wieder bewohnbar zu machen.

Aufgrund der Tatsache, dass die Rückkehr noch nicht möglich ist, bleiben Nahrung, Medizin, Obdach und Schulbildung für die Binnenvertriebenen die erste und größte Sorge für den Erzbischof: „Die Menschen würden sagen dass mit dem Verschwinden von ISIS die Hilfe nicht mehr benötigt wird, sie würden sagen „mach weiter mit deinem Leben“, aber wir können nicht. Der Winter kommt. Wir brauchen die Hilfe, bis sie wieder zurückgehen können.“

Große Sorge bereitet den irakischen Christen nicht nur eine mögliche Verzögerung der Befreiung Mosuls und eine daraus folgende Verschiebung des Wiederaufbaus der Dörfer, sondern auch die Möglichkeit der Entstehung neuer Zusammenstöße und Konflikte im Bereich der Niniveh Ebene. Der Erzbischof sagt: „Wir haben den militärischen Teil dieser Angelegenheit, aber der politische und soziale Kontext ist noch nicht geklärt. Die Christen befürchten, dass die Grenzen der Niniveh Ebene nicht vor politischen Auseinandersetzungen geschützt werden. Es gibt große Befürchtungen, dass einige Leute, einige Gruppen oder Parteien die Niniveh Ebene nutzen, um ihre Position zu stärken.“ Warda fügt hinzu: „Deshalb brauchen wir die internationale Gemeinschaft, um alle betroffenen Parteien unter Druck zu setzen und um ihnen zu sagen: „Genug von Krieg und Gewalt, lasst uns eine Zeit des Friedens beginnen, auch für die Menschen, die leiden und verfolgt wurden, die einen schweren Völkermord erlebt haben.“

Erzbischof Warda dankte Kirche in Not, das seinem Bericht zufolge der chaldäisch katholischen Erzdiözese seit dem Sommer 2014 43% der gesamten laufenden Soforthilfe für die Binnenflüchtlinge in Erbil zur Verfügung gestellt hat. „Ich möchte mich für Ihre Unterstützung bedanken, für Ihre Gebete und Ihre Hilfe. Ohne Ihre Hilfe würde es uns nicht möglich sein, über die mögliche Rückkehr in die Dörfer in die Niniveh Ebene zu sprechen. Durch IHre Hilfe gibt es noch christliche Familien im Irak. Ich bitte Sie, mit der Unterstützung und dem Gebet fortzufahren und eine Stimme für die unterdrückten und verfolgten Christen in der ganzen Welt zu sein.

Von Maria Lozano

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