„Die Seele und den Magen füllen“, sagt Pater Coronel aus Ecuador

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„Die Seele und den Magen füllen“. Pater Coronel aus Ecuador erklärt KiN wie die kirchlichen Hilfsmittel nach dem Erdbeben verteilt werden

„Die Präsenz der Kirche ist jetzt von entscheidender Bedeutung. Der Glaube tut den Menschen sehr gut“, so der Dehonianer-Pater Pedro Jesús Arenal in Pedernales

160504 ecu_huizenHaus für Haus wird jede Familie besucht und auch geistlich betreut. So verteilen die Priester, Katecheten und Freiwillige aus den Pfarreien der Erzdiözese Portoviejo die Hilfsgüter mit Lebensmitteln und Medikamenten in den vom Erdbeben vom 16. April am meisten betroffenen Regionen. Sie geben Wasser, Arzneimittel, Reis, Bohnen, Handtücher, Luftmatratzen usw. aus. Der Fidei-Donum-Priester aus Portoviejo Pater Walter Coronel erklärt gegenüber „Kirche in Not“ (KiN), dass ganze Familien ihre Häuser verlassen haben. Sie hausen an den Straßenecken und auf dem Bürgersteig, unter Plastikplanen, die sie mit Stöcken festhalten. Tag und Nacht, bei Hitze und Kälte. „Und wenn es regnet?“. „Dann werden sie nass“.

„Die Seele und den Magen füllen“, das ist zurzeit unsere Aufgabe. „Ihnen zuzuhören, damit sie sich nicht allein fühlen, ihnen die Nächstenliebe der Kirche bringen.“ Dieser ecuadorianische Pater erzählt, dass viele staatliche Hilfsgüter mit Lastwagen herangeschafft werden. „Es wird gehupt. Die Menschen kommen zu ihnen, aber es bilden sich regelrechte Menschentrauben, sie drängeln sich, sie schlagen sich, und die Schwächsten und die Älteren bekommen gar nichts“. Deshalb, so betont er, würden die kirchlichen Stellen die Hilfsgüter steuern. Darüber hinaus gäben sie nicht nur materielle, sondern auch geistliche Unterstützung, und sie begleiteten alle mit dem Gebet.

Lorenzo Voltolini Esti, Erzbischof der Erzdiözese Portoviejo, bedankt sich beim Päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ für die Nothilfe, die wenige Tage nach dem großen Erdbeben ankam. „Wir sind von Ihrer Solidarität überwältigt. Vielen Dank für alles, was Sie uns haben zukommen lassen. Wir wollen aufstehen und alles wieder aufbauen, was das Erdbeben uns genommen hat. Vergessen Sie uns nicht“, bittet er

Das Leben auf dem alten Flughafengelände

160504 ecu_maskerViele Familien sind in andere Städte, etwa nach Quito und Guayaquil, zu Verwandten gezogen. Die allermeisten Menschen wurden aber in „Tendópolis“ („Zeltstadt“) aufgenommen. So wird die riesige Esplanade des ehemaligen Flughafens Portoviejo genannt. Weil um sie herum keine Gebäude stehen, kamen viele Menschen nach dem Erdbeben dorthin. Dort wurden Lazarette und Aufnahmepunkte eingerichtet. Unter den Menschen herrscht große Solidarität. So wird ein „gemeinsamer Eintopf“ gekocht und das Wenige, was sie besitzen, geteilt. Die meisten Menschen haben alles verloren. Doch trotzdem und trotz des emotionalen Zusammenbruchs haben viele noch Kraft, als Freiwillige zu arbeiten und durch die Städte zu ziehen, um Hilfsgüter zu verteilen. Sie gehen auch das Risiko ein, sich Krankheiten oder Infektionen zuzuziehen, „obwohl sie Mundschutz tragen“. Es gibt keine sanitären Einrichtungen und Gesundheitsmaßnahmen „glänzen durch Abwesenheit“. Zu einigen Regionen wurde der Zugang wegen der Ansteckungsgefahr untersagt.

160504 ecu_begrafenisHierher ist auch der spanische Dehonianer-Priester Pedro Jesús Arenal gekommen. Obwohl er zurzeit in Quito wohnt, hat er in der vom Erdbeben am meisten betroffenen Region viele Jahre gelebt, im Haus der Dehonianer in Bahía de Caráquez. Gegenüber KiN erklärt er, dass nun die Kirche „das Schwierigste“ vor sich hat. Denn nun beginnen die Menschen zu begreifen, was passiert ist. „Als ich in Pedernales wenige Stunden nach dem Erdbeben ankam, sah ich Menschen auf den Straßen ziellos umhergehen wie Zombies. Sie standen total unter Schock. Sie antworteten nicht. Sie reagierten nur, wenn ein Nachbeben kam. Dann begannen sie zu schreien.“ Sie haben nicht nur geliebte Menschen und ihre Häuser verloren, sondern auch ihre Arbeit, „die ihnen Würde gab. Nun haben sie keine Einkünfte. Dies ist ein großer psychischer Schock.“ Sie brauchen emotionale Unterstützung, eine Umarmung, Trost. „Die Präsenz der Kirche ist jetzt von entscheidender Bedeutung. Der Glaube tut den Menschen sehr gut“, erklärt Pater Jesús, der seit 13 Jahren in Ecuador lebt. „Die Ärmsten haben am wenigsten eine Chance, ein neues Leben zu beginnen. Ihre Armut hat sich in Elend verwandelt. Die Verzweiflung führt sie manchmal dazu zu stehlen.“

Trotz der schrecklichen Lage geben die Ecuadorianer das Lächeln und die Hoffnung nicht auf. „Sie haben fast alles verloren, aber keiner ist traurig“, betont Pater Walter. Er erinnert an die Worte des Heiligen Vaters Franziskus auf seiner apostolischen Reise nach Ecuador im Juli 2015, als er die Gläubigen nach dem „Rezept“ fragte, ein so besonderes Volk zu sein: „An allen Orten, wo ich hinkomme, ist der Empfang immer freudig, froh, herzlich, religiös, voller Frömmigkeit, überall. Aber hier gibt es Anderes. Was ist das Rezept dieses Volkes? Was ist anders? Beim Gebet heute Morgen kam mir jene Weihe an das Heiligste Herz Jesu in den Sinn. All dieser Reichtum, den ihr besitzt, der spirituelle Reichtum an Religiosität und Tiefe kommt daher, dass ihr den Mut hattet – es waren nämlich sehr schwierige Momente –, die Nation dem Herzen Christi zu weihen, jenem göttlich-menschlichen Herzen, das uns so sehr liebt“. Dies sagte Papst Franziskus bei seiner Begegnung mit dem Klerus, den Ordensleuten und den Seminaristen im Marienheiligtum El Quinche, Ecuador.

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