Eine Zukunft für Mali?

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Interview mit Pater Germain Arama von Mali       (Teil 2)

Pater Germain Arama von Mali

Pater Germain Arama von Mali

Pater Germain hat das internationale katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT in Königstein (Deutschland) am Donnerstag, den 21. April 2016 besucht. Er ist in Mopti (Mali) geboren, studierte im Seminar der Hauptstadt Bamako, und ist Priester und Ökonom der Diözese Mopti (rund 3 Millionen Menschen leben in dieser Region).

Gibt es noch Katholiken im Norden des Landes?

Die wenigen übrig Gebliebenen sind vor allem Ausländer: Soldaten aus Frankreich (Operation Barkhane), der MINUSMA, Blauhelmsoldaten, Togolesen, Ivorer.

Gar keine katholische Malier ?

Doch, Verwaltungsangestellte oder Lehrer (wie in der St. Geneviève Schule in Gao). Zu Weihnachten letztes Jahr waren sie mehr als zweihundert. Das Gleiche gilt für Ostern. Ich glaube aber nicht, dass es aus Überzeugung ist. Sie arbeiten hier aus der Not heraus, um ihr tägliches Brot zu verdienen.

Wegen der nicht vorhandenen Sicherheit im Norden des Landes hat sich seit 2012 die Kirche, weder in Gao noch in Timbuktu, nicht wirklich wieder eingerichtet: Kein Pfarrhaus und keine dauerhafte Kirche. Können Sie es bestätigen?

Es stimmt, es ist eine schwierige Lage. Es gibt Selbstmordattentäter, Bomben, die hier und da gelegt werden. Die gesamte pastorale Arbeit ist stillgelegt. Der einzige Priester, der gelegentlich zur Eucharistiefeier kommt, fliegt unter militärischen Schutz mit dem Flugzeug; und, sollte er mit dem Auto kommen, braucht er dafür einen ganzen Tag, denn es handelt sich um Entfernungen von mindestens 600 bis zu 700 km. Und es ist ihn unmöglich, vor Ort zu bleiben. Im Norden verlässt du am Morgen deine Familie, wenn du dich auf den Weg zur Arbeit machst, aber… wirst du am Abend zurückkommen um sie wiederzusehen? Niemand hat die Kontrolle. Christ oder nicht, jeder kann von demselben Schlagstock getroffen werden. Aber ich denke, dass wir weiterhin hoffen und zum Frieden und zur Versöhnung einladen müssen.

Im Norden gab es doch vor einigen Jahren christliche Gemeinden?

Ja, es gab Afrika-Missionare in Gao und Ordensschwestern, die jedoch weggegangen sind. Manche haben Mali verlassen, andere sind in Bamako.

Christen und Muslime leben Seite an Seite

Christen und Muslime leben Seite an Seite

Gibt es immer noch Spannungen zwischen Christen und Muslime im Land?

Christen und Muslime leben von früh bis spät Seite an Seite und die Probleme kommen nicht daher. Zu Beginn der Rebellion dachten manche, es sei aus religiösen Gründen, in Wirklichkeit war dies aber nicht der Fall. Die Nordregion, Azawad genannt, wollte die Unabhängigkeit und hat die Krise in Libyen genutzt, um Unterstützung in ihrem Kampf zu bekommen. Das ist das eigentliche Problem.

Was ist mit den Angriffen der Dschihadisten?

Es gibt zwei Arten von Dschihadisten, zwei unterschiedlichen Ansichten: diejenigen, die sich unter den Rebellen vermengt haben, um die Unabhängigkeit des Azawads zu erlangen, und diejenigen, die unbedingt wollen, dass ganz Mali muslimisch wird. Übrigens vertragen sie sich untereinander nicht.

Was wurde aus den Anhängern der Scharia in Mali? Sind manche noch im Lande?

Sie wurden zurückgedrängt. Manche sind tot, man weiß nicht, wo die anderen sind. Vermutlich haben sie sich versteckt oder mussten fliehen: nach Mauretanien, Algerien oder anderswohin. Aber man muss gestehen, dass sich manche immer noch bei uns befinden, mitten unter uns. Manche stammen sogar aus unseren Dörfern. Daher sind noch Attentate und Selbstmordattentäter zu verzeichnen.

Welche Herausforderungen stellen sich der Kirche in Zukunft?

Die Versöhnung. Die Christen haben Eltern verloren. Die Muslime haben auch hier ein Onkel und da ein Bruder verloren. Es gab so viele Verschwörungen! Die Menschen sollten akzeptieren, sich wirklich zu versöhnen. Und wenn wir Christen einen anhaltenden Frieden wollen, müssen wir durch diese Versöhnung gehen. Das ist unumgänglich.

Ist Versöhnung möglich?

Ja, aber die Medien, die noch immer von Anschlägen und Spannungen berichten, zeigen, dass wir noch nicht soweit sind. Die katholische Kirche muss die Menschen sensibilisieren, indem sie ihnen sagt, dass Fehler gemacht worden sind, aber dass sich die Welt immer noch dreht.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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