Erdbeben in Ecuador: „Wir haben keine Hände, keine Mittel, um das Land wiederaufzubauen. Wir bitten um Hilfe, damit wir wieder aufstehen können“

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Die drei Franziskanerinnen von Canoa sind die einzigen Kirchenvertreterinnen in der Region. Das Erdbeben hat ihre Kirche zerstört

Kirche in Not besucht die vom Erdbeben am meisten betroffenen Orte, um verschiedene Hilfsprojekte zu planen

160512 canoa_zustersIn der kleinen ecuadorianischen Ortschaft Canoa stehen nach dem Erdbeben vom 16. April kaum noch Häuser. Im ruhigen Fischerdorf mit seinem wunderbaren Meer, mit bunten Häusern und wenig Einwohnern sieht es wie auf einem Schlachtfeld aus. Hier wohnen die Franziskaner-Missionsschwestern von Maria Hilf. Sie stellen eine Säule für das Leben im Dorf dar, denn sie sich die einzigen Kirchenvertreterinnen in einem Umkreis von etlichen Kilometern. Der Priester kommt lediglich sonntags ins Dorf, um die Heilige Messe zu feiern. Deswegen sind es die Schwestern, die unter den Dorfbewohnern pastoral wirken. Sie feiern Hochzeiten, Taufen und andere Sakramente.

Das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ besuchte Canoa, um verschiedene Hilfsprojekte für den Wiederaufbau zu planen, die auf die wenige Tage nach dem Erdbeben zur Verfügung gestellte Nothilfe folgen sollen. Marco Mencaglia, KiN-Projektleiter für Ecuador, erklärt nach seinem Besuch in den am meisten betroffenen Regionen, „die Hilfe von Kirche in Not ist und bleibt für das Land sehr notwendig.“

160512 canoa_kerkIn den Wänden gibt es mehr als 10 Zentimeter breite Risse. Einige Ziegelsteine sind noch nicht eingestürzt, weil sie an Stromleitungen hängen. Die Fenster und Glasfenster der Kirche stürzten wie Papierblätter in Sekunden ein. Das ist das Bild, dem die drei Franziskanerinnen von Canoa begegnen. Sie bitten verzweifelt um Hilfe. Sowohl die Kirche als auch der Pfarrsaal sind völlig zerstört. „In Canoa ist die Kirche ein Bezugspunkt. Ihr Verlust hat eine große Bedeutung, eine weitaus größere als die jedes anderen Gebäudes. Die Arbeit der Schwestern in Canoa ist von großer Wichtigkeit“, sagt Marco Mencaglia, der die Arbeit der Ordensschwestern vor Ort kennengelernt hat. „Wenn die Schwestern wegziehen, zieht Gott weg“, versichern die Dorfbewohner.

50 Sekunden Erderschütterung, fast 700 Tote

Schäden in Manta

Schäden in Manta

Manta, Pedernales, Jama, Portoviejo… Wo soll der Wiederaufbau eines Dorfes oder einer Stadt beginnen, die nichts mehr hat? „Die Menschen haben ihren Alltag verloren. Es gibt keine Arbeitsplätze mehr. Die Kinder können nicht mehr in die Schule gehen. Die Glücklicheren werden in einigen Monaten den Unterricht wieder aufnehmen“, erklärt Mencaglia. Die Schule der Schwestern Oblatinnen des Hl. Franz von Sales in Rocafuerte, die von 1 500 Kindern besucht wurde, ist schwer betroffen. „Es wird viel Zeit vergehen, ehe sie wieder so wird wie früher.“

Trotz allem geht aber das Leben weiter. Man muss sich neu erfinden. Wer früher einen Lebensmittelladen hatte, verkauft nun an einem Straßenstand. Denn die Einkaufsgegenden gehören zu den am meisten betroffenen, aber „es bleibt keine Zeit um nachzudenken. Wir müssen wieder aktiv werden, arbeiten“, versichern sie.

Die „Ground Zero“-Gegenden vieler Ortschaften sind wegen der Einsturzgefahr eingezäunt. Die Gebäude werden eins nach dem andern einzeln untersucht. Die Architekten entscheiden, ob sie ganz abgerissen werden sollen oder nicht. Die nun in provisorischen Unterkünften untergebrachten Eigentümer hören zu und verfolgen aus der Entfernung, wie ihre Heime abgerissen werden. Wenn sie Glück haben, bekommen sie vorher Bescheid, damit sie Gegenstände des persönlichen Gebrauchs retten können. „Sie gingen mit leeren Händen aus dem Haus, und sie haben weiterhin nichts“.

160512 canoa_kloosterDas Erdbeben dauerte 50 Sekunden und hatte eine Stärke von 7,8. Nach dem letzten Bericht von Caritas Ecuador sind 660 Todesopfer, 31 Vermisste, 30 223 Menschen in Notunterkünften, 1 125 zerstörte Gebäude und 560 beschädigte Schulen zu beklagen. Das ecuadorianische Volk hat „Kirche in Not“ seine Dankbarkeit für die zur Verfügung gestellte Hilfe ausgedrückt. „Auf der Straße fragten mich die Menschen, was von ihnen in Europa erzählt wird“, führt Marco Mencaglia aus.

Dieses Ereignis wird in der Geschichte Ecuadors Spuren hinterlassen. „Kirche in Not“ hat es aus eigener Anschauung betrachten können, als es Erzbischof Voltolini von Portoviejo und Pater Walter Coronel aus derselben Diözese begleitete. „Wir sind überwältigt und dankbar für die Hilfe des päpstlichen Hilfswerks KiN. Wir haben Wasser, Lebensmittel und Kleidung für die Menschen kaufen können, die jetzt auf der Straße leben“, sagen sie. Sie bitten aber auch darum, dass sie nicht vergessen werden.

Pater Walter erwähnt, dass Gregor der Große der Schutzpatron von Portoviejo ist. In der Kathedrale steht ein Standbild von ihm, das während des Erdbebens einstürzte. Die Hände zerbrachen. „So sind wir: Wir haben keine Hände, keine Mittel, um das Land wiederaufzubauen. Wir bitten um Hilfe, damit wir aufstehen können“.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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