In Aleppo setzt sich das Leben durch

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19/01/2018 Löwen – Das Stadtviertel Sahbat Al-Jadida  im Osten von  Aleppo hatte während der letzten fünf Jahre des Krieges in Syrien stark unter Angriffen und Bombardierungen gelitten. Heute, einige Monate nach dem Ende der Kampfhandlungen in der Stadt, verbessert sich langsam der Zustand in dieser Gegend. Tagsüber ist der Straßenverkehr sehr lebhaft, und auf den Gehwegen drängen sich viele junge Leute.  In diesem Bereich befindet sich auch das große Universitätsgelände.  “Ich wollte nicht nach Aleppo. Auch meine Familie war dagegen, dass ich hier studiere. Aber hier bekam ich einen Studienplatz. Drei Monate lang bestand mein Vater darauf, dass ich dies nicht tun solle. Aber ich gab nicht nach und schließlich ließ er mich gehen”, erzählt die junge Angel Samoun, Studentin der Luftfahrttechnik. Sie stammt aus Qamishli, im syrischen Kurdengebiet, das nun von eigenen kurdischen Milizen kontrolliert wird.

Auch für die Studentin Lara Lias  war Aleppo nicht die erste Wahl Sie stammt aus Daara, einer Stadt im Süden von Syrien, bekannt geworden durch Straßenproteste, die schließlich zum Bürgerkrieg führten: “Ich hatte große Angst, da ich sehr weit vom Elternhaus entfernt war. Als ich hierher kam, verabschiedete sich meine Familie von mir, als würde ich sterben”.

Trotz der schwierigen Situation, die sie durchgemacht haben und in der sie immer noch leben, sind diese beiden jungen Frauen nicht allein.  Sie leben direkt gegenüber dem Campus in einem Studentenwohnheim, innerhalb des   «Vicariato Católico Latino» von Aleppo. Das Wohnheim weist eine größere Anzahl von Bewohnerinnen auf und wird von drei Ordensschwestern geleitet, den Servidoras del Señor y de la Virgen de Matará (Dienerinnen des Herrn und der hl. Jungfrau von Matará), einer in Argentinien entstandenen Kongregation. “Der Eifer, mit dem diese jungen Leute, trotz der Kämpfe, die wir hier erlebt haben, studieren, ist nicht zu übersehen”, versichert Schwester Laudis Gloriae, die aus Brasilien stammt und seit knapp einem Jahr die Oberin dieser Gemeinschaft ist.  “Das Gottvertrauen der Einwohner von Aleppo“ – fügt die Ordensschwester hinzu –„ist beeindruckend und ihr Zeugnis hilft mir jeden Tag, im Vertrauen zu wachsen”.

Eine der schlimmsten Kriegserinnerungen geht auf das Jahr 2013 zurück, als eine Rakete genau in das Rondell fiel, das Universität und Studentenwohnheim trennt. Diesem Angriff fielen etwa 400 Personen zum Opfer, darunter auch die Ordensschwester Rima von den «Hijas de los Sagrados Corazones» (Töchter der heiligen Herzen).

Angel versichert: “Ich nahm selbst bei Bombenalarm am Unterricht teil. Am meisten setzte mir die Trennung von meiner Familie zu”. Alle Studentinnen leben hier wie in einer Familie; sie teilen alles, beten gemeinsam und treffen sich zur Eucharistiefeier, auch wenn sie verschiedenen Kirchen angehören: Syrisch orthodox, Griechisch orthodox, Römisch-Katholisch, Armenisch-Katholisch. “Die Schwestern unterstützen uns sehr. Gott zu lieben ist das Wichtigste. ”, bekennt Lara.

Eine weitere große und vereinte Familie findet man im Studentenwohnheim für junge Männer,  direkt gegenüber dem Pfarramt, getrennt nur von dem  « Haus der Freude », wie das Zentrum genannt wird, in dem die Missionarinnen der Nächstenliebe wohnen. Sie kümmern sich um verlassene ältere Menschen und Kranke. “Zur Zeit leben wir mit 30 Universitätsstudenten, Christen verschiedener Konfession, die in dem Wohnheim untergebracht sind”, sagt zur Begrüßung Pater David Fernández, ein Priester aus Argentinien, der zusammen mit einem befreundeten Priester zu den männlichen Mitgliedern des  «Instituto del Verbo Encarnado» von Aleppo zählt. “Wir kümmern uns um die Wohnheime, die Pastoral in der katholischen Kathedrale vom Kinde Jesu  sowie um eine weitere Pfarrei im Stadtviertel Al Midan, und wir koordinieren die Hilfsleistungen für über  600 Familien”. Pater Fernández steigt Treppenstufen empor, die zum zweiten Stock des Gebäudes führen. “Genau auf diesen Dächern gegenüber“ erzählt er „kamen mehrere Menschen durch einen Bombenangriff ums Leben. Ich musste die Leichname bergen”.

Gezwungen, an die Front zu gehen
In seinem Zimmer befindet sich Albert (fiktiver Name), der aus Qamishli stammt und gerade dabei ist, sein Industrieingenieur-Studium abzuschließen. “Wir haben hier heftige Kämpfe erlebt. Einige meiner Freunde mussten deswegen ihr Studium aufgeben. Ich entschied mich dafür, mein Leben aufs Spiel zu setzen und mein Studium zu Ende zu führen”. Albert macht eine schwierige Phase durch, da alle jungen Männer direkt zum Militärdienst eingezogen werden, um im Krieg zu kämpfen. Wer an der Universität studiert, hat quasi einen “Schutzbrief”, aber dieser läuft eines Tages ab und die Regierung gewährt keine Verlängerung, so dass er – aus Angst festgenommen und in den Krieg geschickt zu werden – sich kaum auf die Straße traut. “Wir versuchen, hierfür eine Lösung zu finden”, beteuert Pater Fernández.

Ein weiterer Mitbewohner, Antranik Kaspar, der Ökonomie studiert, versichert: “Pater David ist für uns wirklich wie ein Vater. Wir schätzen diese Menschen sehr, die ihre Familien und ihr Heimatland verlassen haben, um hier mit uns zu leben und uns zu helfen”. Der Priester erklärt, “wir suchen Hilfe, wo wir nur können. Wir bekommen diese von unserer Kongregation wie auch von anderen Institutionen, wie  dem Hilfswerk Kirche in Not, die uns Gelder zur Verfügung gestellt hat, damit wir Computer kaufen und die Studiengebühren bezahlen können.“ Die Studenten leisten auch einen kleinen monatlichen Beitrag in Höhe von 3.000 syrischen Pfund, etwa vier Euro. “Dies ist mehr symbolisch,“ erklärt er. „Die wirtschaftliche Situation ist sehr schwierig und ohne Hilfe aus dem Ausland könnten wir unmöglich bestehen”.

Weaam Panous, Student der Robotertechnik, schätzt die von Kirche in Not geleistete Hilfe sehr: “Wir danken Pater David Fernández und allen, die uns von außerhalb Syriens helfen, da wir, dank ihrer Unterstützung, unsere Studien fortführen und für den Frieden arbeiten können”.

Von Josué Villalón

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