Kamerun: „Was bei dem Attentat in Paris geschehen ist, erleben wir hier jeden Tag!“

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Der Terror von Boko Haram breitet sich im Norden Kameruns immer weiter aus.

Königstein im Taunus 22.04.2015 –  In einem Dokument, das dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ vorliegt, beklagt Bischof Bruno ?????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????Ateba von Maroua-Mokolo, dass die Gewalt, die die Terrororganisation Boko Haram im Norden Kameruns an der Grenze zu Nigeria verübt, weitgehend unbeachtet bleibe. „Was bei dem Attentat in Paris geschehen ist, erleben wir hier jeden Tag, ohne dass jemand in der Welt davon spricht“. Die Blicke der Öffentlichkeit richteten sich vor allem auf den Nahen Osten. Allein in seiner Diözese seien jedoch seit dem letzten Quartal des Jahres 2014 zwei verantwortliche Mitarbeiter des Bistums, drei Katecheten und über dreißig weitere Christen getötet worden. Dazu kommen zahlreiche Entführungen.

Von dem Terror seien nicht nur Christen betroffen, sondern ihm fielen auch zahlreiche Muslime zum Opfer. In mehreren Orten seien Moscheen niedergebrannt und den Imamen die Kehlen durchgeschnitten worden, weil „diese sich geweigert haben, Boko Haram zu folgen“. Bereits seit Dezember 2013 beziehe die einheimische muslimische Gemeinschaft in Kamerun vermehrt eine klare Stellung gegen Boko Haram und spreche der Gruppierung die Berechtigung ab, „von sich zu behaupten, sie seien Muslime“. Muslime würden Christen, die in Gefahr sind, oft helfen. Zwar  sei in den letzten drei Jahrzehnten eine Veränderung des Islam in Nordnigeria und in Nordkamerun zu verzeichnen, die auf eine Beeinflussung durch den Salafismus/Wahabitismus zurückzuführen sei, der von Saudi-Arabien und in jüngerer Vergangenheit auch von Katar aus stark gefördert und finanziell unterstützt werde. Es würden dabei immer mehr Studenten nach Saudi-Arabien, in den Sudan oder in den Niger geschickt. Es dürfe nicht vergessen werden, dass es diese Ausprägung des Islam sei, die „die Terroristen von Al-Kaida, Al-Nusra, des Islamischen Staates, von Boko Haram etc. hervorbringt und ihnen Nahrung gibt“, heißt es in dem Dokument. Dennoch könne „dieser Wind der islamischen Reform, der dabei ist, das ??????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????Antlitz des Islam in unserer Region zu verändern, noch nicht als radikaler Islamismus bezeichnet werden“. Er werde erst dann zu einem radikalen Islamismus, wenn er den „klaren politischen Plan einer islamischen Gesellschaft annimmt“. Im Norden Kameruns habe die muslimische Gemeinschaft nicht die Grenze zu einem politischen Plan überschritten, hier eine islamische Gesellschaft durchsetzen zu wollen.“ Es fänden vermehrt interreligiöse Treffen zwischen Christen und Muslimen statt. „Wir tragen das Leid gemeinsam mit ihnen“, schreibt der Bischof.

Dörfer im Norden Kameruns an der Grenze zu Nigeria hätten Boko Haram bereits in der Vergangenheit als Rückzugsbasen gedient, wo die Terroristen vor den Zugriffen der nigerianischen Armee Zuflucht gesucht hätten. Mit der Zeit seien immer mehr Waffen in die Region geschmuggelt worden. Zudem hätte Boko Haram 2013 von den Wahlen profitiert, in deren Vorfeld die Terroristen sich kamerunische Personalausweise erschwindelt hätten, derer sie sich heute bedienen, um Kontrollen zu umgehen und sich unbehelligt in Kamerun aufhalten zu können. Besorgniserregend sei auch die Tatsache, dass viele örtliche Polizisten korrupt seien und gegen die Zahlung eines Geldbetrages, der fünf- bis siebenmal höher als die offizielle Gebühr sei, falsche Personalausweise ausstellen, was dazu führt, dass „unerwünschte Personen in das Land eindringen können“.

Zu den ersten Warnungen für ein Übergreifen des Terrors habe die Entführung einer französischen Familie im Februar 2013 sowie die Entführung des französischen Priesters Georges Vandenbeusch im November desselben Jahres gehört. Seit Juli 2014 fänden nahezu unaufhörlich Angriffe statt, und vor allem in der Zeit zwischen dem 24. Dezember 2014 und dem 8. Januar 2015 habe es „keinen Tag gegeben, an dem Ruhe herrschte“. Schwer bewaffnete Männer, die jeweils zu dritt oder viert auf einem Motorrad führen, würden in der Region „Panik säen“. Es sei eine „gewisse Professionalisierung“ der Kämpfer zu beobachten. Der Einsatz von Minen seit Oktober 2014 markiere eine neue Etappe in der Strategie des Terrors und füge der Moral kamerunischen Armee einen „schweren Schlag zu“.

Ein großes Problem bestehe zudem darin, dass Boko Haram Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 5 und 15 Jahren  durch finanzielle Anreize für die Familien anwerbe oder sie mit Gewalt verschleppe und dazu zwinge, als „Kanonenfutter“ zu dienen, wie der Bischof berichtet. Nach Angaben von Dezember 2014 seien binnen weniger Monate auf diese Weise zweitausend kamerunische Kinder und Jugendliche in die Gewalt von Boko Haram gelangt. Darunter seien auch Mädchen.

??????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????Die Infrastruktur der betroffenen Region, die zu den ärmsten Gebieten Kameruns gehört, sei stark beeinträchtigt. Aufgrund des Terrors seien mehr als 110 Schulen sowie 13 Gesundheitszentren geschlossen, Polizeistationen seien zerstört worden. Allein in der Diözese Maroua-Mokolo seien zudem mehr als 55.000 Menschen auf der Flucht. Viele seien bei Freunden oder Verwandten untergekommen,  mehr als 22.000 hätten jedoch irgendwo in der freien Natur Zuflucht gefunden. Besonders schlimm sei die Lage in Amchidé, wo nach mehreren Angriffen durch Boko Haram alle Einwohner geflohen seien. Die pastoralen Aktivitäten der Pfarrei seien dadurch zeitweilig vollständig zum Erliegen gekommen. Die Kapelle sei niedergebrannt worden, in den Straßen lägen Zeugenberichten zufolge menschliche Schädel. Zu der einheimischen Bevölkerung, die sich auf der Flucht befindet, komme der Zustrom Zehntausender Flüchtlinge aus Nigeria, die ebenfalls versuchen, dem Terror von Boko Haram zu entfliehen.

Bischof Ateba von Maroua-Mokolo appelliert an die Weltöffentlichkeit: „Heute flehen wir um Ihre Aufmerksamkeit, Ihr Gebet und Ihre Hilfe. Helfen Sie uns, dieser namenlosen Brutalität Einhalt zu gebieten, die die ganze Hoffnung auf die Zukunft zerstört und die Arbeit mehrerer Generationen von Gläubigen zunichte macht.“ Er lobte jedoch den Mut der Gläubigen, die sich vielerorts trotz der Gefahr und der Angst weiterhin zum Gebet versammeln. Sie seien „wie Glühwürmchen des Glaubens, die in der Nacht leuchten“.

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„Kirche in Not“ will mit 14.900 Euro den Bau einer Halle unterstützen, in der sich die derzeit 5200 katholischen Flüchtlinge im Lager von Minawao zum Gebet und zur heiligen Messe versammeln und seelsorglich betreut werden können.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

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    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
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Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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