Karakosch: Zwei Jahre, zwei Monate und zwölf Tage …

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Liberation of Qaraqosh - October 2016Am 6. August 2014 wurde die Ninive-Ebene von Truppen des ISIS eingenommen. Es begann ein Exodus von mehr als 100.000 Christen. Eine Woche später unternahm die Päpstliche Stiftung Kirche in Not einen ersten Besuch in Erbil, der kurdischen Hauptstadt, wo viele von ihnen Zuflucht gefunden hatten, darunter viele Einwohner von Karakosch. Der Ort war nahezu ganz christlich gewesen und hatte mit rund 50.000 Einwohnern und zehn Kirchen die meisten christlichen Einwohner der ganzen Ninive-Ebene. Alles hatten sie zurückgelassen, um nur ihr Leben zu retten.

„Zwei Jahre, zwei Monate und zwölf Tage später erfüllt uns die Nachricht von der Befreiung mit riesiger Freude“. Johannes von Heereman, der Präsident der Päpstlichen Stiftung Kirche in Not, nahm die Nachricht mit großer innerer Bewegung auf: „Quaraqosh is free“ – Karakosch ist befreit worden, und es scheint, dass Teile von Bartella und Karamlesh ebenfalls frei sind. „Das sind alles Namen von Städten, die in den letzten zwei Jahren in unseren Gebeten so gegenwärtig waren.“ Nach Informationen von Emanuel Youkhana von der Organisation CAPNI habe es von Seiten des ISIS, der sich zurückzog und nur einige Heckenschützen zurückließ, keine wirkliche Gegenwehr gegeben.

Die Nachricht erfüllt die Einwohner der Stadt Karakosch, die auch Baghdida genannt wird, mit Freude. Die sozialen Netzwerke füllen sich mit Videos und Fotos von feiernden, singenden und tanzenden Menschen. Aber diese zwei Jahre und zwei Monate haben das Leben der Einwohner verändert. Dank der sozialen Medien wie Facebook und Whatsapp ist es nicht schwierig, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, mit denen wir diese ersten Tage der Angst und der Furcht geteilt haben. Aded, der an diesem Tag einen Sohn und einen Neffen verloren hatte, die beide durch ein Geschoss im Garten ihres Hauses getötet wurden, ist mit seiner Frau und seiner Tochter, die sich in medizinischer Behandlung befindet, nach Frankreich geflohen. Zwei Jahre lang musste er darauf warten. Der Rest der Familie und die Eltern halten sich weiterhin in Erbil auf. „Heute sind alle Christen, die wir in dieser Zone leben, sehr froh, aber die Zukunft ist besorgniserregend. Die Leute haben Angst, in die Orte zurückzukehren, aus denen sie kommen. Solange es keine internationalen Truppen geben wird, die sie beschützen, werden sie nicht zurückkehren.“

Martin war Seminarist, als er aus Karakosch fliehen musste. Vor einigen Wochen wurde er zum Priester geweiht. Die Nachricht erreichte ihn bei einem Besuch in Bagdad: „Das erste, was ich tun möchte, ist es, Gott zu danken. Ich bin so glücklich. Ich hatte mir vorgestellt, dass es eines Tages geschehen würde, aber ich kann kaum erwarten, es zu sehe. Als ich die Nachricht hörte, dachte ich: „Das Gute besiegt das Böse, Gott will sein Volk nicht mehr traurig sehen, sondern er will, dass wir glücklich sind. Wir sind sehr froh und beten, dass wir eines Tages nach Hause zurückkehren können. Jetzt hat die ganze Welt die Augen auf Mossul gerichtet.“

Liberation of Qaraqosh - October 2016Der chaldäische Patriarch Raphael Louis Sako teilte von Berlin aus mit, wo er an einer Arbeitsgruppe teilnimmt, um über die Zukunft des Iraks und besonders seiner Minderheiten zu diskutieren: „Ich hoffe, dass die Befreiung Mossuls und der Ninive-Ebene, die begonnen hat, erfolgreich sein wird. Es ist für uns alle ein Zeichen der Hoffnung.“ Ein Moment großer Freude und Hoffnung, aber auch von Ungewissheit, denn es ist nicht schwer, die große Herausforderung zu erkennen, die auf die Befreiung der christlichen Dörfer in der Ninive-Ebene folgt. Einige der Schlüsselmomente für das Gelingen der Rückkehr der Christen in ihre Heimatorte beschreibt Sako in seiner in Berlin dem US-Botschafter Ryan Crocker präsentierten Vision: „Nach der Befreiung und dem Ende dieser Konflikte sollten die involvierten westlichen Regierungen den Flüchtlingen dabei helfen, in ihre Häuser zurückzukehren. Sie sollten Konfliktzonen sichern und einen Beitrag zum Wiederaufbau von Städten und Ortschaften leisten, die entstandenen Schäden wiedergutmachen und bei der Wiederherstellung des kulturellen und religiösen Erbes mit allen seinen Komponenten helfen.

Johannes von Heereman, Präsident der Stiftung, teilt die Sorge des chaldäischen Patriarchen: „Die Befreiung einer so symbolträchtigen Stadt wie Karakosch erfüllt uns mit großer Freude und Hoffnung, sie ist aber nur der erste Schritt. Es wird ein mühsamer Weg sein, bis die Sicherheit hält und der Friede gefestigt sein wird. Wir von Kirche in Not werden weiterhin den irakischen Christen helfen, wie wir es in der Phase der Krise getan haben.“

Seit 2014 hat Kirche in Not die Christen im Irak mit mehr als 20 Millionen Euro für Nothilfeprojekte, Schulausbildung, Nahrungsmittel und Lebensunterhalt für die Vertriebenen unterstützt.

von Maria Lozano, Aid to the Church in Need

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

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    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

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