Kardinal: „Boko Haram-Kämpfer wollen aussteigen”

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Der Erzbischof von Abuja sagt, dass viele Soldaten der Gewalt entsagen würden, wenn man ihnen Asyl gewähren würde

Von John Pontifex

Kardinal John Onaiyekan, der Erzbischof von Abuja

Kardinal John Onaiyekan,
der Erzbischof von Abuja

Königstein/Surrey, 22.09.2015. Eine Amnestie für Boko Haram-Kämpfer könnte dazu führen, dass die meisten der Kämpfer der Terrororganisation ihre Waffen niederlegen würden, erklärte Kardinal John Onaiyekan, der Erzbischof von Abuja, der seine Forderung nach einer friedlichen Lösung der Konflikte wiederholt hat.

Seinen Angaben zufolge würden bis zu 80 Prozent der Boko-Haram-Kämpfer die Ideologie der islamistischen Terrororganisation nicht teilen und würden die Chance ergreifen, ihre Waffen niederzulegen und auszusteigen.

In einem Gespräch mit dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“, das verfolgte und leidende Christen unterstützt, sagte der Kardinal: „Die meisten sind bei Boko Haram, weil sie eingezogen wurden und keine Wahl hatten. Es sind nicht so viele, die die Theologie von Boko Haram vertreten. Das bedeutet, dass 70 bis 80 Prozent aussteigen wollen.“

 

Rückzug von Boko Haram

Diözese Maiduguri in Nordosten Nigerias

Diözese Maiduguri in
Nordosten Nigerias

Der erneute Aufruf des Kardinals, Asyl für Boko Haram Kämpfer in Erwägung zu ziehen, fällt zeitlich mit Berichten von Durchbrüchen im Kampf gegen die Terrororganisation zusammen.

Am vergangenen Samstag (19.9.) vermeldete das nigerianische Militär weitere Erfolge in seiner Gegenoffensive gegen Boko Haram in dessen traditionellen Kernland im Nordosten Nigerias. Der Anführer der Terrororganisation, Abubakar Shekaku, wies diese Meldungen jedoch als „Lügen“ zurück.

Kardinal Onaiyekan sagte: “In den vergangenen Monaten haben wir Belege für ein wesentliches Vordringen in Boko-Haram-Gebiete gesehen. Man kann sagen, dass sie nicht mehr große Teile unserer Landesgrenze kontrollieren. Sie halten keine Gebiete mehr, die für jeden außer ihnen unbetretbar sind. Aber sie sind noch immer da und richten verheerende Schäden an.“

Der Kardinal lobte die Politik des neuen nigerianischen Präsidenten Mohammadu Buhari, mit der er seit seinem Amtsantritt am 29. Mai das Problem Boko Haram in Angriff nimmt, er sagte aber zugleich, es seien auch schon gegen Ende der Regierung unter Präsident Goodluck Jonathan Erfolge gegen die Terrororganisation sichtbar gewesen. Der Kardinal wies auf eine militärische Umstrukturierung hin, innerhalb derer die Befehlshaber ihren Stützpunkt in den Nordosten, in die Nähe der Hochburg von Boko Haram, verlegt haben.

Er lobte auch die Initiativen, die Präsident Buhari unternommen habe, um eine Koalition gegen Boko Haram zu bilden und mit den Nachbarländern Tschad, Kamerun und Niger zusammenzuarbeiten.

Der Kardinal unterstrich des weiteren die Bedeutung weiterer Verhandlungen, die der neue Präsident mit Großmächten wie Frankreich und den USA begonnen habe, wozu auch der Austausch der Geheimdienste gehöre.

 

Amnestie anbieten

100.000 Flüchtlinge, 5.000 Todesfälle und 350 zerstörten Kirchen

100.000 Flüchtlinge, 5.000 Todesfälle
und 350 zerstörten Kirchen

Angesichts des offensichtlichen Rückzugs von Boko Haram sei es notwendig, dass Verhandlungen über eine Amnestie für Kämpfer aus der Terrororganisation es gewährleisten, dass diejenigen, die die Waffen niederlegen, sich verpflichten, sich für immer von ihrer Zugehörigkeit zu Boko Haram und von der Gewalt loszusagen. Er fügte hinzu: „Es sollte eine Verpflichtung geben. Wenn sie aussteigen, wird man sie gut behandeln. Das wird mehr von ihnen dazu ermutigen, auszusteigen. Aber wenn man sie schlecht behandelt und tötet, werden andere vom Ausstieg abgehalten. Unser Land ist groß und stark genug, um das Risiko einer Amnestie zu tragen.“

Der Kardinal sagte, die Vorgehensweise mit einem Asylangebot an Boko Haram-Kämpfer sei unter vielen Christen nicht populär. „Boko Haram ist es gelungen,  in den Gebieten, in denen die Terrororganisation aktiv war, alles Wohlwollen zwischen Muslimen und Christen zu zerstören. Es gibt Fälle, in denen wir viel Groll zwischen Muslimen und Christen gesehen haben. Viel wird getan werden müssen, um das in Ordnung zu bringen und sie dazu zu befähigen, zusammenzuarbeiten.

Nach Angaben der katholischen Diözese von Maiduguri, dem von Boko Haram am stärksten betroffenen Gebiet im Nordosten Nigerias, wurden mindestens 5000 Gläubige getötet und 350 Kirchen und Pfarrhäuser zerstört. Bis zu 100.000 Gläubige wurden vertrieben, von denen viele Nothilfe von Hilfswerken, darunter „Kirche in Not“, erhalten. Manche der Vertriebenen kehren nun nach Hause zurück.

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