Kirche In Not hat der bereits geholfen, zehn Kirchen wieder aufzubauen

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Interview mit Reinhard Backes, Projektabteilung Asien III – Reise nach den Philippinen vom 20. Oktober 2016 bis zum 1. November 2016

Was ist Ihr allgemeiner Eindruck vom Land?

acn-20161107-47752Die Philippinen sind ein großartiges, ein sehr junges und dynamisches Land. Nach offiziellen Angaben leben dort mehr als 100 Millionen Menschen. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre alt. Und noch einmal 10 Millionen Filipinos leben im Ausland.

Die Philippinen sind ein christlich, katholisch geprägtes Land, das einzige in Asien. Während der Reise wurde aber auch immer wieder gesagt: „We are baptized but not evangelized” (wir sind getauft aber nicht evangelisiert). Bildung ist also dringlich und wird folglich ein Schwerpunkt der Projektarbeit von Kirche in Not sein.

Die Projektreise führte von Manila nach Zamboanga auf Mindanao im Süden sowie nach Tacloban und Palo auf Leyte im Osten der Philippinen. Leyte war 2013 durch den Taifun Yolanda stark verwüstet worden. Kirche in Not hat dort beim Wiederaufbau geholfen.

Aktuell sehr kontrovers diskutiert wird die Drogenproblematik und -politik auf den Philippinen. Die Kirche ist sehr besorgt, weil die Regierung vor allem auf Ausgrenzung und Gewalt setzt.

Was ist das größte Anliegen der Kirche auf den Philippinen?

acn-20161107-47748Wie gesagt sorgt sich die Kirche um die Bildung der Gläubigen, die religiöse wie die schulische. Die Menschen sind sehr religiös, aber wenig gebildet. Ein Beispiel: Im Januar 2016 war ich in Gerona auf Luzon bei einer Hochzeit zugegen. Zu meiner Überraschung wurden gleich 10 Paare getraut, die zur Feier ihre Kinder mitbrachten; es waren etliche. Mir wurde erklärt, dass viele Paare vor der Ehe zusammenleben, Kinder haben und erst später heiraten, weil es ihnen an finanziellen Mitteln fehlt, aber auch weil es an Glaubenswissen mangelt. Offenbar bereiten Pfarrer deshalb immer wieder auch mehrere Paare gleichzeitig auf ihre Hochzeit vor, die dann auch gemeinsam gefeiert wird, nicht zuletzt um Kosten zu sparen.

Was hat Sie auf dieser Reise am meisten beeindruckt?

 Sehr eindrucksvoll ist die Arbeit der Silsilah-Dialog-Bewegung auf Mindanao, wo in den letzten vier Jahrzehnten bei Kämpfen zwischen der muslimischen „Moro National Liberation Front“ (MNFL) und dem Militär rund 120.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Die Initiative um Pater Sebastiano D’Ambra, einem italienischen Priester aus Sizilien, und der Philippinerin Minda Sano, die selbst von Mindanao stammt, wird seit langem von Kirche in Not unterstützt. „Silsilah“ ist das arabische Wort für „Kette, Verbindung“ und bemüht sich seit 40 Jahren um Dialog zwischen den Religionen und Bevölkerungsgruppen, um Bildung von Lehrern, um sozialen Ausgleich, um Flüchtlinge, um den Aufbau von Schulen, um die wichtigsten Tätigkeitsfelder zu nennen.

Rund 60 Prozent der Bevölkerung auf Mindanao sind Christen, 40 Prozent Muslime. Auf der südlich von Zamboanga gelegenen Insel Basilan sind etwa 70 Prozent muslimischen Glaubens. Und noch weiter, im Südwesten, sind weit mehr als 90 Prozent der Bevölkerung Muslime. Hier ist die extremistische Gruppierung „Abu Sayyaf“ (Schwertkämpfer) aktiv, die Attentate verübt und Menschen entführt, um Geld zu erpressen. In der Vergangenheit sind immer wieder Priester, Ordensleute und einfache Gläubige ermordet worden. Die Silsilah-Bewegung hat sich von der Gewalt aber nie einschüchtern lassen. Das ist wirklich beachtlich!

Während unseres jüngsten Aufenthalts hat uns Minda Sano in Flüchtlingslager geführt, die seit der Belagerung Zamboangas durch Teile der MNFL bestehen. Die Kämpfe mit der Armee dauerten damals, im September 2013, drei Wochen lang an. Das war ein herber Rückschlag, aber Silsilah hat trotzdem weitergemacht. Diese Beharrlichkeit ist vorbildlich. Immer wieder bringen die Mitarbeiter Muslime und Christen miteinander ins Gespräch, schaffen Vertrauen, kümmern sich um die Benachteiligen auf beiden Seiten.

Können Sie eine interessante Begegnung auf der Reise erzählen?

Die Filipinos sind sehr herzliche und gastfreundliche Menschen. Sie lachen gern, sind fröhlich und auch laut. Interessant war folgende Begebenheit: In Manila habe ich eine Gruppe Jugendlicher kennengelernt, acht junge Studenten der Universität Manila. Sie waren Christen. Die Fragen, die sie bewegten, ihre Interessen waren nahezu deckungsgleich mit denen einer Gruppe junger Filipinos, alle ebenfalls so um die 20 Jahre alt, die ich auf der Fähre von Isabela auf der Insel Basilan nach Zamboanga getroffen habe. Diese jungen Männer waren alle Muslime. Offensichtlich haben junge Menschen sehr ähnliche Sorgen, Wünsche und Hoffnung. Die religiösen Unterscheide sind da weniger von Belang; das ist zumindest meine Einschätzung.

Was ist das nächste, größere Projekt von Kirche in Not auf den Philippinen?

acn-20161107-47725Auf der Insel Leyte sind 2013 durch den Taifun Yolanda schätzungsweis 10.000 Menschen umgekommen; vieles wurde zerstört, auch zahlreiche Kirchen sowie das Priesterseminar der Erzdiözese Palo, ein einstöckiges Gebäude, das unweit der Küste liegt, und total verwüstet wurde. Kirche in Not hat der Erzdiözese bereits geholfen, zehn Kirchen wieder aufzubauen. Erzbischof John Forrosuelo Du hat uns nun gebeten, auch beim Wiederaufbau des Seminars zu helfen. Die Arbeiten haben schon begonnen. Die ersten Seminaristen leben sogar schon in dem halbfertigen Komplex. Gebaut wird ein massives, mehrstöckiges Gebäude, dass künftigen Naturkatastrophen trotzen soll.

Von Maria Lozano

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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