Kirche in Not unterstützt Witwen und Waisen, Opfer von Boko Haram, mit einer Nothilfe

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Königstein 31.07.2017 – NIGERIA / MAIDUGURI  : Während des jüngsten Besuches von Kirche in Not in der Diözese Maiduguri im März 2017 betonte Bischof Oliver Doeme die größten Herausforderungen seiner Diözese, die eine humanitäre Krise, Mangel an Nahrung, Mangel an Bildung wegen zerstörter  Schulen, aber auch, wie er es nennt, eine geistige Krise umfassen. Die meisten Menschen in seiner Diözese sind schwer traumatisiert. Der Bischof erklärte weiter, dass die meisten der von Boko Haram Getöteten Männer waren, die über 5.000 Witwen und 15.000 Waisen hinterließen, um die sich die Diözese kümmern muss. Das päpstliche Hilfswerk Kirche in Not hat eine Nothilfe von 70.000 € für die Unterstützung dieser Opfer von Boko Haram genehmigt.

„Kämpfer der Boko Haram kamen am frühen Morgen zu uns nach Hause“, erzählt Esther in ihrer Muttersprache Hausa. „Sie begannen alles zu plündern, dann nahmen sie meinen Mann und sagten zu ihm, dass er zum Islam konvertieren solle. Als er sich weigerte, wurde er vor meinen Augen abgeschlachtet.“  Auf die gleiche Weise wurde auch der Ehemann von Rose „in die Stirn geschossen“, weil er sich weigerte, zum Islam überzutreten. Agnes, 40 Jahre alt und Mutter von neun Kindern, wurde von Trauer überwältigt, als sie darüber klagte, dass sie nicht in der Lage war, ihren geliebten Ehemann zu begraben. „Mein Mann war Bauarbeiter; er arbeitete außerhalb eines Hauses, als Kämpfer der Boko Haram alle umstellten und sie niederschossen. Die Terroristen erlaubten keinem, die Toten zu bergen. Sie ließen die Leichen zum Verwesen dort liegen.“ Als Agnes zu sprechen aufhörte, trocknete sie ihre Tränen mit der Schürze ihres bunten, landestypischen Kleides. Diese Geschichten sind nur einige Beispiele von Tausenden traumatischen Erfahrungen, die nigerianische Frauen in Maiduguri in der jüngsten Vergangenheit gemacht haben. Kathrin, Helene, Justyna, Juliette, Hanna… – das sind nur einige von 5.000. Hinter jeder Zahl steht ein Gesicht, und auch wenn ihre Gesichter Gelassenheit widerspiegeln, sind ihre Herzen voll von Schmerz. Um diesen hochtraumatisierten Witwen zu helfen, wird ein Teil der Unterstützung durch Kirche in Not, für Therapiesitzungen verwendet.

Darüber hinaus werden die Witwen, die jetzt auf sich selbst gestellt sind, auch dafür ausgebildet,  sich um ihren Lebensunterhalt zu kümmern. Vor den Angriffen waren sie vom Einkommen ihrer Ehemänner abhängig. Das Leben ist nicht mehr dasselbe. Die meisten der Witwen haben mehr als sechs Kinder zu ernähren und zu erziehen. Viele von ihnen möchten nicht wieder heiraten, da sie sich ihren brutal ermordeten Ehemännern noch viel zu nahe fühlen. Eine große Zahl trauert immer noch um ihre vermissten Ehemänner, weil sie die Leichen nicht bestatten konnten. Es bleibt eine offene Wunde, die sich schwer schließt. Bischof Oliver hat die „St. Judith widow association“ ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, die Hilfe besser an die besonderen Bedürfnisse des Einzelnen anzupassen.

Ein weiterer Teil des Projekts umfasst Hilfe für die Schulgebühren und die Ernährung von Waisen und Halbwaisen. Bischof Oliver sagt, „es sind vor allem die Kinder, die im östlichen Teil der Diözese leben, die davon profitieren werden – das ist der am stärksten betroffene und ärmste Teil“.

Die katholische Diözese von Maiduguri befindet sich im nordöstlichen Teil von Nigeria. Es ist nicht nur der Ursprungsort von Boko Haram, sondern sie ist auch von den Angriffen am schlimmsten betroffen. Die drei nordöstlichen Staaten, Borno, Yobe und Adamawa befinden sich im Zentrum der Aktivitäten von Boko Haram. Die katholische Diözese von Maiduguri umfasst zweieinhalb dieser Staaten. Seit 2009 wurden über 200 Kirchen und Außenstationen, zahlreiche Pfarrhäuser, 25 Schulen, drei Hospitäler, drei Klöster, unzählige Geschäfte, private Häuser von Laien und Geschäftszentren auf diesem Gebiet zerstört.

Nach Informationen, die die päpstliche Stiftung Kirche in Not während der jüngsten Reise in das betroffene Gebiet gesammelt hat, hat Boko Haram mehr als 20.000 Menschen getötet, 26 Millionen Menschen leiden direkt durch den Konflikt und 2,3 Millionen Kinder und Jugendliche haben keinen Zugang zu Schulbildung mehr.

Von Maria Lozano

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