Kuba – „Der Hunger nach Gott ist da“

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Ulrich Kny, Kuba-Projektleiter von „Kirche in Not“, erwartet sich viel vom Papstbesuch auf der Karibikinsel

Von Oliver Maksan

Herr Kny, was erhoffen Sie sich vom Papstbesuch für die Kirche auf Kuba?  

Wir hoffen, dass das weltweite hohe Ansehen von Papst Franziskus dazu beiträgt, dass die Kirche auf Kuba ihre pastorale Sendung als respektierte Kraft und uneingeschränkt ausüben kann. Die vergangenen Papstbesuche haben jeweils konkrete Fortschritte gebracht, was die Freiheit der Kirche und die Präsenz des katholischen Glaubens im öffentlichen Leben anlangte. Nach dem Besuch Papst Johannes Pauls II. 1998 ist beispielsweise der Weihnachtstag zum staatlichen Feiertag erklärt worden. Außerdem wurden schon im Vorfeld öffentliche religiöse Bekundungen wie Messfeiern und Prozessionen nach Jahrzehnten wieder zugelassen. Das war wirklich ein Durchbruch. Der Glaube wurde wieder sichtbar.

Hatte der Besuch Benedikts XVI. auch solche positiven Effekte?

150914 Cuba_doopJa, wenn auch nicht in dem Maße wie der von Johannes Paul II. Nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI. 2012 wurde beispielsweise der Karfreitag wieder zum Feiertag erklärt. Allerdings hat die Entwicklung hin zu mehr kirchlicher Normalität danach keine so große Dynamik mehr entfaltet. Ich hoffe sehr, dass der Besuch von Papst Franziskus hier neuen Schwung bringt. Denn die Lage der Kirche ist trotz der Fortschritte der vergangenen Jahre noch immer nicht ohne Schwierigkeiten.

Welchen besonderen pastoralen Herausforderungen begegnet die Kirche auf Kuba?

Man muss sehen, dass fünfundfünfzig Jahre Kommunismus ihre Spuren hinterlassen haben. Zwar sind immerhin sechzig Prozent der Kubaner katholisch getauft, aber nur zwei Prozent besuchen sonntags regelmäßig die Messe.

Was setzt die Kirche dem entgegen?

Die Kirche nutzt wirklich alle Möglichkeiten, die sie hat, um den Glauben an Jesus Christus und seine Botschaft zu bezeugen. So sucht sie beispielsweise einen intensiven Dialog mit der Zivilgesellschaft, indem sie sich mit der Veranstaltung von Konzerten, Ausstellungen und Wettbewerben aktiv in das reiche Kulturleben in Kuba einbringt und so als Bereicherung für die gesamte Gesellschaft erlebbar wird. In Santiago de Cuba hat die Kirche mit Hilfe von „Kirche in Not“ zum Beispiel ein solches Kulturzentrum eingerichtet. Dort werden u.a. auch Kurse für Kleinunternehmer angeboten, in denen nebenbei die Werte der katholischen Soziallehre vermittelt werden. Ein weiteres von landesweit mehreren Zentren, in denen Kultur, Glaube und soziale Initiativen auf ähnliche Weise zusammengeführt werden, ist das Kulturzentrum „Padre Félix Varela“ in La Habana, das der Heilige Vater am Abend des 20. September besuchen wird.

Fruchten diese Initiativen der Glaubensverkündigung?

150914 Cuba_abuelaIch würde sagen ja. In den letzten Jahren war ein verstärktes Interesse am Christentum zu beobachten. Der Hunger nach Gott ist da. Man kann sicherlich von einem kleinen Glaubensfrühling sprechen. Als vor einigen Jahren eine Kopie des Gnadenbildes der Jungfrau der Barmherzigkeit von El Cobre durch das Land reiste, war die Begeisterung und öffentliche Anteilnahme groß. Auch die Zahl der Erwachsenentaufen hat zugenommen. Vor allem die junge Generation interessiert sich vermehrt für den katholischen Glauben. Es ist oft so, dass die Großeltern den Glauben an ihre Enkel weitergeben, während die Eltern oft völlig atheistisch aufgewachsen sind. Der Besuch von Papst Franziskus wird hier sicher weiteres Interesse am Glauben wecken.

Video-Film (Englisch) der Verehrung der Jungrfau der Barmherzigkeit von El Cobre

Seit wann hilft „Kirche in Not“ der Kirche in Kuba?

Wir stehen der Kirche in Kuba seit 1963 mit Gebet und finanzieller Hilfe zur Seite. Nach der Revolution von 1959 erlebte die Kirche in den 60er Jahren ihre schwerste Zeit. Das kommunistische Regime hat damals unzählige kirchliche Gebäude enteignet und viele Priester und Ordensleute mussten die Insel verlassen. Es hat lange gedauert, bis sich die Kirche von diesem Trauma einigermaßen erholt hat.

Was ist der Schwerpunkt der Hilfe von „Kirche in Not“ auf Kuba?

Einer der Schwerpunkte unserer Hilfe ist es, eine kirchliche Infrastruktur zu schaffen und die Kirche in ihrer Präsenz vor Ort zu stärken. Dafür haben wir allein 150914 Cuba_calleim vergangenen und in diesem Jahr bisher über 1, 6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Vor allem der Bau neuer Kirchen ist auf Kuba nach wie vor starken Restriktionen unterworfen und fast unmöglich. Es gibt aber seltene Ausnahmen, die wir natürlich unterstützen. So hat Staatspräsident Raul Castro nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI. der Kirche ein Grundstück in der Hauptstadt Havanna zum Zweck des Kirchenbaus geschenkt. Das war eine Sensation. Auf dem Grundstück entsteht derzeit eine dem heiligen Papst Johannes Paul II. geweihte Pfarrkirche. In letzter Zeit gab die Regierung auch einige beschlagnahmte kirchliche Gebäude zurück. Sie sind meist in einem katastrophalen Zustand. Wir helfen bei der Instandsetzung, damit sie wieder genutzt werden können.

Wie unterstützt „Kirche in Not“ die Kirche noch?

150914 Cuba_habanaWichtig für die Aufrechterhaltung des pastoralen Lebens auf der Insel ist vor allem die Hilfe für die Anschaffung von Fahrzeugen. Auf Kuba herrscht großer Priestermangel. Vor allem auf dem Land müssen die Geistlichen deshalb oft weite Gebiete abdecken und große Strecken zurücklegen. Sie sind dabei auf Fahrzeuge angewiesen, die auf Kuba aber sehr schwer zu erhalten beziehungsweise sehr teuer sind. Dennoch konnten wir kürzlich – in kleinem Umfang – Ersatzmotoren und Mopeds einführen. Da hat sich der nahe Besuch von Papst Franziskus bereits positiv ausgewirkt. Und dann kommt natürlich die Hilfe für den Lebensunterhalt von Priestern und Ordensleuten hinzu. Wir helfen den Priestern durch Messstipendien. Und mehrere Schwesternkongregationen erhalten jährlich eine Existenzhilfe. Auch das Karmeliterinnenkloster in Havanna, das so etwas wie das geistliche Rückgrat der Kirche Kubas ist, wird von uns unterstützt. Erfreulicherweise haben die Behörden in den vergangenen Jahren auch die Neuansiedlung von Frauengemeinschaften auf Kuba gestattet. Hierbei leistet „Kirche in Not“ Starthilfe.

Hat „Kirche in Not“ der Kirche auch bei der Ausrichtung des Papstbesuchs geholfen?

Ja. In der Stadt Holguín haben wir Mittel für den Schmuck der Bühne bereitgestellt, auf der der Papst die Messe feiern wird. Außerdem haben wir bei der Bestuhlung des Geländes geholfen. Wir haben auch zugesagt, 2000 bunte Luftballons in den Farben der kubanischen Flagge anzuschaffen. Die Luftballons will man mit Helium füllen und von der Loma de la Cruz aufsteigen lassen, von wo der Papst die Stadt segnen wird. In der Erzdiözese Santiago de Cuba haben wir uns zudem an der Verbesserung der Ausstattung der „Casa del Clero Retirado“ und des unmittelbar nebenan gelegenen Exerzitienhauses „San Basilio Magno“ beteiligt. Dort werden der Heilige Vater und seine Delegation in der Nacht vom 21. auf den 22. September untergebracht werden.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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