Nun da Boko Haram für den Augenblick unter Kontrolle zu sein scheint, nimmt die islamistische Aggression in Nigeria andere Formen an

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Bischof Charles Hammawa steht der Diözese von Jalingo in Nigeria vor. Die Diözese befindet sich im östlichen Teil des sogenannten Middle Belt (Mittlerer Gürtel) des Landes. Die 2,3 Millionen Menschen zählende Bevölkerung besteht zu ungefähr gleichen Teilen aus Muslimen und Christen, davon 450.000 Katholiken, und 10 Prozent der Menschen bekennen sich zu traditionellen afrikanischen Religionen. Im Rahmen einer Reise nach New York äußerte der Bischof vor kurzem seine Besorgnis im Hinblick auf Angriffe gut bewaffneter muslimischer Fulani-Hirten auf christliche Bauern und bezeichnete diese Angriffe als „in verdächtiger Weise andauernd“. Gleichermaßen besorgt zeigte er sich wegen des wachsenden Zustroms muslimischer Siedler, die von dem Land Besitz ergreifen, das genau diesen Bauern weggenommen wurde. Am 5. August 2016 führte Bischof Charles Hammawa ein Interview mit dem internationalen katholischen Hilfswerk Aid to the Church in Need.

Von Joop Koopman, ACN USA

Bischof Charles Hammawa

Bischof Charles Hammawa

Boko Haram scheint eingedämmt und es gibt weniger Angriffe durch die Gruppierung. Allerdings berichten Sie von anderen Erscheinungsformen von islamischem  Extremismus, nämlich in Form der Angriffe von Fulani-Hirten auf christliche Bauern.

Das ist mein Verdacht – dass der Dschihad einen neuen Weg einschlägt. Es sieht aus wie ein Problem zwischen Hirten und Bauern. In der Vergangenheit haben sich die Dinge nach einem Zusammenstoß in der Regel wieder geklärt. Aber ich habe Fälle erlebt, in denen Hirten nicht einfach nur ihr Vieh haben grasen lassen, sondern auch das Land übernommen haben – und dass Muslime aus dem Norden kommen, um sich auf diesem Land niederzulassen. Es scheint eine Strategie zu sein, das Land bewusst mit Muslimen zu bevölkern und allein durch die zahlenmäßige Überlegenheit politische Entscheidungsprozesse in der Region zu beeinflussen. Es handelt sich hierbei nicht um extreme Gewalt wie bei Boko Haram, aber eine andere Methode, um Nigeria für den Islam einzunehmen. Diese Krisensituation in unserer Region besteht seit den letzten drei Jahren. Es ist außerdem verdächtig, dass die Hirten Zugang zu hochentwickelten Waffensystemen haben. Die Fulani-Angriffe, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben gekommen, viele Gemeinden zerstört worden und tausende von Menschen vertrieben worden sind, scheinen irgendwie finanziert zu werden.

Stehen Muslime und Christen im Wettbewerb, was den Middle Belt angeht, wo keine der beiden Religionen dominiert?

Beide Glaubensrichtungen streben danach, neue Anhänger zu gewinnen. Der Unterschied liegt im Ansatz. Das Christentum setzt auf Überzeugung durch Predigen. Beim Islam kann es eine Art von Zwang sein – die Auffassung, dass man Muslim sein muss, wenn man in der Regierung eine Rolle spielen will. Beispielsweise wird es so dargestellt, dass das Amt der traditionellen Führer ausschließlich Muslimen zusteht, weshalb einige Christen, die für das Amt in Frage kommen, zum Islam übertreten.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die Politik von Präsident Muhammadu Buhari – ist er den Christen gegenüber fair?

Ich habe einige Zweifel. Er ist sehr vorsichtig und etwas langsam, wenn es beispielsweise darum geht, die Fulani-Krise zu verurteilen. Ich würde mir wünschen, er wäre stärker darin, sich klar zu der Krise äußern und konkrete Maßnahmen ergreifen, um den islamischen Extremismus zu bekämpfen. Ich habe die Sorge, dass die Organisation – obgleich Mitglieder von Boko Haram getötet wurden oder auf ihren Prozess warten – lediglich in Deckung gegangen ist und die Mitglieder sich an verschiedenen Orten verstecken. Die Gewalt könnte leicht wieder ausbrechen.

 Was ist Ihrer Meinung nach die Lösung, um dem islamischen Extremismus wirklich Einhalt zu gebieten?

Reconstruction of the catechist's house in St Rita's church Badarawa (destroyed by a suicide Bomber on October 28, 2012)Wir sagen nach wie vor, dass die Lösung im Dialog liegen muss. Aber die Parteien müssen mit einem ehrlichen Willen, in Frieden zu leben, an den Verhandlungstisch kommen. Außerdem muss anerkannt werden, dass viele der einfachen Mitglieder von Boko Haram von der muslimischen Elite im Norden lange Zeit vernachlässigt worden sind. Diese Jugendlichen und Erwachsenen haben keine ordentliche Ausbildung bekommen, da westliche Bildung abgelehnt wurde. Sie leben am Rande der Gesellschaft und die einzige Bildung, die sie bekommen, ist islamischer Fundamentalismus. Sie sind voller Zorn und haben nichts zu verlieren. Währenddessen schickt die muslimische Elite ihre Kinder für ihre Ausbildung ins Ausland! Wen wundert es da, dass Boko Haram schließlich auch muslimische Führer angegriffen hat.

Nutzen Sie und Ihre Geistlichen Ihre Predigten, um diese Themen anzusprechen?

Wir vermeiden es, Feindseligkeiten zu schüren. Wir predigen Frieden und Versöhnung. Wir bitten die christlichen Bauern inständig, auf Vergeltung zu verzichten – wir ermutigen sie höchstens, sich selbst zu verteidigen. Aber wir können ihnen nicht sagen, dass sie kämpfen sollen – das würde dem Geiste des Evangeliums zuwiderlaufen. Unter den Christen herrscht definitiv große Angst vor Verfolgung, was einige von ihnen dazu bewegt, Kompromisse einzugehen, oder ihren Glauben zu verbergen. Diejenigen, die standhaft bleiben, verdienen unsere volle Unterstützung.

Sind lokale Behörden, beispielsweise die Polizei, irgendeine Hilfe? Leider erschweren Korruption und Bestechung die Bemühungen, für Sicherheit zu sorgen. Korruption grassiert natürlich in ganz Nigeria.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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