Orthodoxe und Katholiken: „Im Geiste Christi gemeinsam ungeborene Kinder retten“

FacebookTwitterGoogle+

Orthodoxe und Katholiken in Russland entwickeln gemeinsame Initiativen für den Lebensschutz. Sie setzen auf diese Weise Gemeinsamkeiten im Glauben in konkrete Programme um und folgen damit dem Aufruf ihrer Kirchenoberhäupter. Die päpstliche Stiftung Kirche in Not fördert diese Zusammenarbeit.

Frage: Ende Januar hat das Außenamt des Moskauer Patriarchates ein internationales Seminar veranstaltet, an dem sich die Orthodoxe und die Katholische Kirche gemeinsam mit dem Thema Abtreibung befasst haben. Auch Sie haben als Vertreter von Kirche in Not daran teilgenommen. Worum ging es?

Peter Humeniuk: Beide Kirchen teilen die brennende Sorge angesichts der millionenfachen Tötung ungeborener Kinder. Als sich Papst Franziskus und Patriarch Kirill von Moskau vor einem Jahr in Havanna trafen, war der Schutz des Lebens neben dem Frieden im Nahen Osten und der  zunehmenden Christenverfolgung eines der wichtigsten Themen der von ihnen unterzeichneten gemeinsamen Erklärung. Das Seminar in Moskau  ist also eine direkte Konsequenz aus diesem historischen Treffen. Denn das entstandene Dokument soll nicht bloßes Papier bleiben, sondern es ist ein Wegweiser für die Zukunft Es muss im konkreten Leben der Kirche Niederschlag finden und Früchte hervorbringen. Im Grunde ging es bei dem Seminar um eines: Um die Rettung ungeborener Kinder

Wie dürfen wir uns das konkret vorstellen?

PH: Der Lebensschutz ist eine Frage, in der zwischen beiden Kirchen auch in theologischer Hinsicht vollkommene Einigkeit besteht, so dass es hier leicht ist, im Geiste der Ökumene ganz konkrete gemeinsame Schritte zu unternehmen. Es ging bei dem Seminar darum, die Situation zu analysieren, vor allem aber darum, Lösungen zu finden. Das Seminar war eine Plattform zur persönlichen Begegnung und zum intensiven und konstruktiven Erfahrungsaustausch. Die Katholische Kirche hat in vielen Ländern bereits seit langer Zeit reiche Erfahrungen auf dem Gebiet des Lebensschutzes gesammelt. Unter den eingeladenen Referenten war somit beispielsweise eine katholische Gruppierung aus Mailand, die Schwangerenberatung anbietet und in der Zeit ihres Bestehens bereits fast 20.000 Kinder gerettet hat. Von diesen Erfahrungen möchte die Orthodoxe Kirche in Russland profitieren, die ihrerseits jedoch selbst in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche Initiativen in ihren Eparchien (=Diözesen) ins Leben gerufen hat, um jungen Frauen und Mädchen in problematischen Situationen dazu helfen, zu ihrem Kind „ja“ zu sagen. Die Veranstaltungen, in denen gemeinsam nachgedacht und reflektiert wurde, wurden anschaulich illustriert durch Rollenspiele, in denen dargestellt wurde, wie ein konkreter Beratungsfall mit einer werdenden Mutter in Not aussehen kann. Zu dem lebendigen Erfahrungsaustausch kamen somit auch Momente der Rührung und der Betroffenheit. Es war dabei sehr schön zu sehen, wie schnell bei der Arbeit für ein  gemeinsames Ziel Freundschaften entstanden sind.

Warum liegt dieses Thema zur Zeit gerade der Kirche in Russland so am Herzen?

PH: Leider ist in Russland die Abtreibung weit verbreitet. Dies ist eine Folge aus Sowjetzeiten, als für viele Menschen Abtreibung gewissermaßen eine „normale“ Form der Familienplanung war. Diese Mentalität ist leider noch immer in vielen Köpfen verankert. Die Orthodoxe Kirche hat sich natürlich von jeher gegen die Abtreibung ausgesprochen, wie auch ihre Katholische Schwesterkirche. Aber es wächst das Bewusstsein, dass konkrete Taten und Initiativen ins Leben gerufen werden müssen, um den Frauen zu helfen. Insgesamt erwacht in der russischen Bevölkerung ein Bewusstsein für diese Problematik, denn spätestens die demographische Entwicklung in Russland – und, nebenbei gesagt, auch diejenige im Westen – lässt inzwischen viele Menschen aufschrecken und nachdenken.

Warum hat in Ihrer Person auch ein Vertreter von Kirche in Not an der Veranstaltung teilgenommen? 

Unser Hilfswerk fördert Initiativen die sich mit solchen Fragen befassen. Bereits seit einem Vierteljahrhundert engagiert sich Kirche in Not für den Dialog mit der Russisch-Orthodoxen Kirche. Der heilige Papst Johannes Paul II. hatte diesen Auftrag 1992 an unseren Gründer Werenfried van Straaten herangetragen. Dieser Wunsch ging darauf zurück, dass die Orthodoxe Kirche in Russland während der Sowjetzeiten unerhörte Opfer bringen musste. Nach der politischen Wende fing die Orthodoxe Kirche nahezu bei null an. Damals schlug die große Stunde, um nach der „Ökumene der Märtyrer“, die wie selbstverständlich von den Christen der verschiedenen Konfessionen in den sowjetischen Lagern und Gefängnissen gelebt wurde, eine „Ökumene der Solidarität“ auf allen Ebenen zu beginnen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass das Zweite Vatikanische Konzil die Orthodoxe Kirche als „Schwesterkirche“ bezeichnet hatte.  Bereits zu Sowjetzeiten hatte unser Werk die Orthodoxe Kirche im Untergrund unterstützt. Nach der politischen Wende konnten endlich gemeinsame Schritte unternommen werden, um der Schwesterkirche nach der tausendjährigen Trennung zunächst durch Taten der Nächstenliebe die Hand zu reichen und schließlich auch durch vereinte Aktivitäten gemeinsame Wege zu beschreiten.

Und wie sehen Sie die Rolle von Kirche in Not in der Zukunft?

Kirche in Not hat das Privileg, diese Rolle gewissermaßen als „Brückenbauer“ auch weiterhin fortsetzen zu dürfen. Das Vertrauen ist in einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit gewachsen.

Das historische Treffen zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Moskau im vergangenen Jahr ist der bisherige Höhepunkt eines gemeinsamen Weges beider Kirchen gewesen. Er soll aber kein Endpunkt sein, sondern ganz im Gegenteil: Er war der Beginn einer neuen Etappe.

Wir freuen uns, dass wir nun als Folge und Fortsetzung dieser Begegnung besonders auf zwei Gebieten mit der Orthodoxen Kirche in Russland zusammenarbeiten dürfen: dem Einsatz für die leidenden und verfolgten Christen im Nahen Osten, besonders in Syrien, sowie auf dem Gebiet der Familie, wozu auch der Lebensschutz gehört. Beides sind schicksalhafte Fragen, die auch schon unserem Gründer am Herzen lagen. Wir können hier also mehrere wesentliche Elemente unseres Wirkens miteinander verbinden und sie in den Dienst der gelebten Ökumene stellen. Wenn wir versuchen, im Sinne des Evangeliums gemeinsam Antworten und Lösungen für die drängenden Fragen der Gegenwart zu finden und uns dazu gemeinsam an einen Tisch setzen, geschieht Ökumene fast von selbst. Für uns ist diese Erfahrung ein Ansporn, diesen Weg weiter zu gehen.

Von Eva-Maria Kolmann

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Kommentar :

Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Pontical Foundation