Philippinen: Gleicht Mindanao dem Irak?

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Königstein/Rom, 06.01.2015. „In einigen Gebieten von Mindanao erleben wir genau dasselbe, was im Irak geschieht”. Dies erklärte Pater Sebastiano D’Ambra, ein Missionar des Päpstlichen Instituts für auswärtige Missionen (Pime), der seit fast 50 Jahren auf den Philippinen lebt, in einem Telefongespräch mit „Kirche in Not“, das er von Zamboanga aus führte.

Pater Sebastiano d’Ambra (PIME)

Pater Sebastiano d’Ambra (PIME)

Gewalt gegen Christen
„Die Situation ist besorgniserregend”, kommentierte Pater D’Ambra die gegen Christen gerichteten Übergriffe, die am Weihnachtstag im Süden Mindanaos stattgefunden haben. „Es ist schwierig festzustellen, ob die Gewalttaten sich direkt und ausdrücklich gegen die Christen gerichtet haben, auch wenn alles diesen Eindruck nahelegt. Gewiss stellen unsere Glaubensgeschwister eines der Ziele der fundamentalistischen Gruppen dar.“ Die Angriffe, erklärt der Ordensmann, seien von den Bangsamoro Islamic Freedom Fighters (Biif) verübt worden, einer islamistischen paramilitärischen Terrorbewegung, die 2008 durch Abspaltung von der Moro Islamic Liberation Front (Milf) entstanden ist.

Im Jahr 2011 unterzeichnete die Regierung in Manila ein Friedensabkommen mit der Milf, in dem sie sich dazu verpflichtete, Verhandlungen mit dem Ziel zu führen, ein Gesetz, das Bangsamoro Basic Law, zu redigieren, das der Region einen Sonderstatus zuerkennen soll. „Aber die Vereinbarungen mit der Regierung ziehen sich in die Länge, da die philippinischen Autoritäten den Präsidentschafts- und Legislativwahlen den Vorrang geben, die für den 9. Mai 2016 angesetzt sind. So profitieren die radikalen Gruppierungen wie die Biif, die auf keinen Fall mit Manila verhandeln wollen, von der Instabilität und verüben Störakte.“
In Mindanao hat der islamische Radikalismus eine lange Geschichte. Bereits in den 1990er Jahren breiteten sich die Aktivitäten der Gruppe Abu Sayyaf aus, die im Jahr 1992 auch den Mord an dem Pime-Missionar Salvatore Carzedda verübte. Die Radikalisierung setzte sich fort mit von Saudi-Arabien unterstützten wahabitisch inspirierten Bewegungen, während seit etwa zehn Jahren die in Indonesien entstandene islamistische Gruppierung Jemaah Islamiah stark präsent ist. “In den letzten drei Jahren hat der Islamische Staat in Mindanao immer mehr Anhänger gefunden. Isis ist auch hier präsent, wenn auch nicht in einer extremen Form wie im Nahen Osten“. Der Ordensmann berichtet überdies, dass auf der Insel, die stark muslimisch geprägt ist, viele islamische Religionsführer ihre Gläubigen dazu aufgerufen haben, nicht gemeinsam mit den Christen Weihnachten zu feiern, was ein alter und tief verwurzelter Brauch auf den Philippinen sei.

Interreligiöse Dialog
Zamboanga liege recht weit von dem Ort entfernt, wo an Weihnachten die Angriffe stattgefunden haben, und die Nachricht sei von den Medien fast nicht verbreitet worden, da die Regierung versuche, sie angesichts der bevorstehenden Wahlen herunterzuspielen. Dennoch nehme in der christlichen Gemeinschaft vor Ort die Angst zu, insbesondere da die Erinnerung an den Angriff der Milf von 2013 noch immer lebendig sei, bei dem die halbe Stadt zerstört wurde, es mehrere Opfer gab und über 10.000 Häuser niedergebrannt wurden. „Seitdem hegen die Christen ein großes Misstrauen gegenüber den Muslimen, während sich die muslimischen Gläubigen über eine mehrheitliche (zu 70 Prozent) christliche Lokalregierung beklagen, die nicht das Wachstum ihrer Gemeinschaft widerspiegele.“
Pater D’Ambra ist der Gründer der Bewegung Silsilah, die seit 1984 den interreligiösen Dialog fördert und dabei auch einen Teil der örtlichen muslimischen Gemeinde einbezieht.


„Die Zunahme des Radikalismus in der ganzen Welt macht unsere Mission schwieriger und zugleich notwendiger. Sogar einige der islamischen Religionsführer, die mit uns zusammenarbeiten, fühlen sich entmutigt. Wir müssen mehr Mut und mehr Glauben haben. Es ist ein langer Prozess, aber ich bin überzeugt, dass man durch den Dialog eine wirkliche Veränderung erreichen und ein Klima der Barmherzigkeit schaffen kann, wozu Papst Franziskus uns in diesem Heiligen Jahr einlädt.“

Marta Petrosillo

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