Schweigemärsche für ein Ende der Überfälle auf Ordensschwestern und Priester

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Königstein, 17. Juni 2015 — Fünf Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti ist die Sorge unter Katholiken vor Gewalttätigkeiten groß. Das hat der Bischof der haitianischen Diözese Jacmel, Launay Saturné, kürzlich (8. Juni) in einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT in Königstein gesagt. Von November 2014 bis Februar 2015 sind über 20 religiöse Gemeinschaften Opfer von Raubüberfällen geworden. Die haitianische Bischofskonferenz hat daraufhin zu einer 24-stündigen Gebetswache eingeladen. Die Gemeinschaft der haitianischen Ordensleute hat aufgerufen, den 9. März 2015 zu einem Tag des Mitleids und der Solidarität zu machen,  mit allen Opfern der aktuellen Unsicherheit. An diesem Tag blieben alle Einrichtungen, die von Ordensleuten geleitet werden, geschlossen. In Schweigemärschen sind hunderte Schwestern und Priester durch die Straßen der haitianischen Städte gezogen und haben für ein Ende der Gewalt demonstriert. „Die staatlichen Stellen sollen dafür sorgen, dass die Menschenrechte garantiert werden“, fordert Bischof Saturné – unabhängig von der Religion des Einzelnen. Die Demonstrationen haben Wirkung gezeigt. Seitdem sind Bischof Saturné zufolge weniger Überfälle beobachtet worden.

Eine beschädigte und nicht wiederhergestellt Pfarrhaus

Eine beschädigte und nicht wiederhergestellt Pfarrhaus

Die Naturkatastrophe zerstörte einen Großteil der pastoralen Strukturen des Karibikstaates. Viele Kapellen und Kirchen sind erfolgreich wiederaufgebaut worden. Dafür ist Bischof Saturné den Spendern dankbar. Doch vieles bleibt zu tun. Nicht wenige Kirchen sind baufällig und können nicht betreten werden. Die Gottesdienste werden dort in Zelten und anderen provisorischen Unterkünften gefeiert. Bischof Saturné: „Vor dem Erdbeben war die Situation in Haiti schwierig, nach dem Erdbeben war sie katastrophal und heute sind noch lange nicht alle Schäden beseitigt. Es bleibt noch sehr viel zu tun.“ Viele Menschen – vor allem junge – fliehen in der Hoffnung auf ein besseres Leben auf die andere Seite der Insel ins Nachbarland Dominikanische Republik. Für den 49 Jahre alten Bischof Saturné ist diese Flüchtlingswelle für Haiti – und damit auch für die katholische Kirche – besonders schmerzlich. „Die Jugend ist entscheidend für unser Land.“ Sorgen bereitet ihm auch, dass die Flüchtlinge in der Dominikanischen Republik nicht freundlich empfangen werden. Dieses Problem sieht auch Papst Franziskus. Ende Mai hat er deshalb den dominikanischen Bischöfen die pastorale und karitative Sorge für die Migranten aus Haiti besonders ans Herz gelegt.

Der beschädigte Kathedrale von Jacmel

Der beschädigte Kathedrale von Jacmel

Ein großes Anliegen ist dem Bischof von Jacmel der Wiederaufbau seiner Bischofkirche, der Kathedrale von Jacmel. Sie ist stark beschädigt. Fachleute haben allerdings festgestellt, dass die aus dem 19. Jahrhundert stammende Kirche Saint Jacques et Philippe restauriert werden kann. „Die Gläubigen hängen sehr an ihrer Kathedrale“, berichtet Bischof Saturné. „Seit fünf Jahren feiern wir die Heilige Messe statt in der Kathedrale in einem völlig ungeeigneten Saal. Wir brauchen würdige Räume für den Gottesdienst, deshalb ist es wichtig, die Kirche wieder aufzubauen. Aber selbst wenn die Gebäude der Kirche zerstört sind, der Glaube der Katholiken ist nicht zerstört.“

Genauso wichtig wie der physische Wiederaufbau der Kirchen ist für Launay Saturné die Sorge um die Menschen in Haiti. Im Januar hat Papst Franziskus mit Blick auf Haiti eindrücklich gefordert, dass der einzelne Mensch im Mittelpunkt der Hilfsaktionen stehen müsse. Er hat wörtlich gesagt: „Es kann keinen wirklichen Wiederaufbau des Landes geben ohne die Wiederherstellung des Menschen in seiner ganzen Fülle.“ Diese Worte des Papstes will Bischof Saturné mit seinen Priestern mit Leben erfüllen. „Die humanitäre Arbeit muss Hand in Hand mit der seelsorgerischen Begleitung gehen. Beide sollten sich ergänzen.“

Der wichtigste Schlüssel für diese „Wiederherstellung des Menschen“ ist für Bischof Saturné die Ausbildung. „Wir brauchen viel mehr Orte der Ausbildung –

Bischof Saturné und die Seminaristen

Bischof Saturné und die Seminaristen

angefangen von Kindergärten und Schulen für die Kleinen bis hin zu Universitäten für die jungen Erwachsenen“, so der Bischof von Jacmel. Furchtbar ist für ihn, dass viele Jugendliche kein Geld haben, um auf eine Universität zu gehen.

Die katholische Kirche spielt in Haiti eine große Rolle. 87 Prozent der neun Millionen Einwohner sind Christen (57 Prozent Katholiken, 30 Prozent Protestanten). Die Kirche engagiert sich neben der Seelsorge in der Caritas, im Gesundheits- und Erziehungswesen.

Bei dem furchtbaren Erdbeben vom 12. Januar 2010 kamen etwa 230.000 Menschen ums Leben, 300.000 wurden verletzt und mehr als 1,2 Millionen obdachlos. Unter den Todesopfern waren auch der Erzbischof von Port-au-Prince Joseph Serge Miot, sein Generalvikar, drei weitere Diözesanpriester, 45 Ordensleute und 31 Seminaristen. Seit dem Erdbeben hat Kirche in Not die Diözesen auf Haiti mit 6 Millionen Euro unterstützt. Neben Bauprojekten ist das Geld für die Ausbildung von Katecheten und Seminaristen bestimmt. „Kirche in Not“ unterstützt den Lebensunterhalt von Priestern und finanziert die Mittel, die sie für ihre tägliche Arbeit brauchen, zum Beispiel Lehrmaterial und Fahrzeuge.

Antonia von Alten

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    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

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