Schwester Sanaa aus Erbil (Nord-Irak): „Die Hoffnung stirbt.“

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Vor einem Jahr mussten zehntausende Christen vor ISIS fliehen – Betroffene erinnern sich

Von Oliver Maksan

Keine Zeit zum Nachdenken. Wir haben einfach nur geholfen.

150805 irak_lost in the streetsSana half christlichen Flüchtlingen von der ersten Stunde an. Die junge Frau arbeitet für die chaldäische Diözese Erbil. „Ich habe in den Nachrichten vom Vorrücken des IS in Richtung der christlichen Orte gehört. Und dann kamen ja auch schon die ersten Flüchtlinge hier bei uns an. Im Laufe der Nacht und am anderen Morgen wurden es immer mehr.“ Sana half wie viele junge Leute aus Erbil sofort, die Neuankömmlinge zu versorgen. „Es war schlimm, die Menschen zu sehen. Sie hatten teilweise ja buchstäblich nichts dabei. Sie sind panisch geflüchtet. Sie dachten, ISIS holt sie ein. Manche fuhren von Karakosch (Qarakosh) nach Erbil zwölf Stunden und mehr, weil die Wege so überfüllt waren. Normalerweise ist es nicht weit.“ Sie selber habe gar keine Zeit zum Nachdenken gehabt. „Wir haben einfach nur geholfen. Zwölf Stunden am Tag und mehr, oft bis spät in die Nacht, haben wir gearbeitet. Diese Tage sind mir unvergesslich.“ Wenn sie heute zurückblicke, wundere sie sich, wo all die vielen tausend Menschen hin sind, die im August nach Erbil geflüchtet waren. „Als die Menschen hier ankamen, haben sie auf dem bloßen Boden geschlafen. Und jetzt hat jeder eine Wohnung oder wenigstens einen Wohncaravan. Es ist viel passiert.“ Aber natürlich sei das Leben für die Menschen nicht leicht. „Sie dachten anfangs ja, dass sie nur wenige Tage oder Wochen hier bleiben müssten. Aber als es dann ein Monat, zwei Monate, drei Monate wurden, da war ihnen klar, dass es wohl länger dauern würde. Viele haben gar keine Hoffnung mehr, dass sie zurück können.“ Tröstlich, so Sana, seien ihr auch ein Jahr später noch Worte des Bischofs von Erbil. „In einer Predigt antwortete er auf die Frage der Menschen, wo Jesus in dieses Tagen des August war: Jesus floh mit euch. Er lief an eurer Seite. Nur deshalb seid ihr noch am Leben.“

Nur das Gebet kann uns helfen.150803 irak_tent

Unvergesslich ist der August letzten Jahres auch Schwester Sanaa. Die Oberin der Kongregation der Töchter vom heiligsten Herzen Jesu (Congregation of the Daughters of the Sacred Heart of Jesus) erinnert sich: „Wir Schwestern waren in Erbil. Wir bereiteten uns auf unsere Jahresexerzitien vor. Da hörten wir von den Ereignissen in Karakosch (Qaraqosh) und Umgebung. Wir fragten den Bischof, was wir tun sollten. Er meinte, dass wir unsere Exerzitien durchführen sollten. Es waren aber sehr traurige Tage für uns. Wir haben so viel gebetet für die Menschen, die nach Erbil geströmt sind.“ Als die Schwestern aus den Exerzitien kamen, sahen sie die Menschen auf der Straße liegen. Kirchen, Schulen und andere öffentliche Gebäude waren bereits überfüllt. Schnell begannen die Schwestern, den Menschen zu helfen. Ein Jahr später schaut Schwester Sanaa traurig zurück. „Je länger diese Situation dauert, desto größer werden die Leiden der Menschen. Für mich ist die Lage schlimmer als noch vor einigen Monaten. Die Hoffnung stirbt.“ Die Ordensfrau setzt deshalb ganz auf das Gebet. „Wir als Iraker und als Christen sind auf das Gebet angewiesen. Nur das Gebet kann uns helfen in dieser schrecklichen Lage. Wir glauben fest, dass der Herr mit uns ist. Bitte denken Sie am 6. August an uns.“

Das katholische Hilfswerk “Kirche in Not” hilft den christlichen Flüchtlingen des Irak auf vielfältige Weise. Unmittelbar nach dem 6. August reiste eine Delegation in den Irak, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Seither wurden etwa sieben Millionen Euro für die Unterbringung und Versorgung der Menschen sowie für die Einrichtung mehrerer Schulen für tausende von Flüchtlingskindern aufgewandt. Für den 6. August ruft das Hilfswerk zum Gebet für die notleidenden Christen des Irak auf.#PrayForIraq #WeAreChristians #6thAugust

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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