Sierra Leone: Man spürt noch immer die Nachwirkungen der Ebola-Epidemie

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von Daniel Konstantinovic

Sierra Leone ist ein Land, das durch einen zehn Jahre andauernden Bürgerkrieg, der im Jahr 2002 beendet wurde, und die jüngste Ebola-Krise, kennengelernt hat. Mons. Henry Aruna, Nationaldirektor der päpstlichen Missionswerke in Sierra Leone sprach, bei seinem jüngsten Besuch bei „Kirche in Not“ (8. Juni 2015), über diese Not und andere Probleme.

WaisenACN-20140520-09046

„Im Moment sind die Folgen der Ebola-Epidemie unsere größte Sorge“ sagte Mons. Henry Aruna. Sie wurde vor fünf Monaten in Sierra Leone als beendet erklärt und sie hat fast 4.000 Todesopfer gefordert; sie hat Familien zerrissen und eine große Anzahl an Waisen und Obdachlosen hinterlassen.
Während der Epidemie spielte die Kirche in Sierra Leone eine große Rolle bei der Aufklärung und bei der Förderung von Vorsorgemaßnahmen, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern, merkte Bischof Aruna an. „Zuerst glaubten die Menschen nicht an eine Ausbreitung“ sagte der Bischof „Sie glaubten, dass die Ärzte in den Kliniken sie umbringen wollten.“
Die lokalen Kirchen versicherten den Bürgern, dass nichts an diesen Gerüchten stimmte und halfen so zu verhindern, dass sich noch mehr Menschen durch diese Fehlinformation gefährdeten.

 

Sichere Begräbnisgottesdiensten

Bischof Aruna und Toni Zender von Kirche in Not (ACN international)

Bischof Aruna und Toni Zender von Kirche in Not
(ACN international)

Ebola bahnte sich schnell seinen Weg quer durch Sierra Leone, was sicherlich auch auf gewisse religiöse Beisetzungsbräuche zurückzuführen ist. Im Islam ist es Tradition, vor der Beisetzung den Körper gründlich zu waschen. Obwohl sie gewarnt wurden, dass die Toten die Seuche übertragen könnten, bestanden doch viele auf die Beibehaltung dieser Tradition. Christen und Muslime hatten gleichermaßen Probleme mit den Massenbestattungen. Als Reaktion darauf, erklärte Bischof Aruna, habe die Kirche einen sicheren Begräbnisgottesdienst für die Familie der Toten angeboten, so dass sie ihre Lieben – ohne das Risiko einer eigenen Ansteckung – beerdigen konnten. Die Planung  dieser Beisetzungen erforderte intensivste  Arbeit der lokalen Kirche, die Konvois organisieren und sicherstellen musste, dass die Familien genügend räumlichen Abstand zu den Toten wahrten. „Die Menschen hatten auch Probleme mit den Leichensäcken, die verwendet wurden, um die Toten zu bestatten,“ sagte Bischof Aruna. „Das war nicht die richtige Art jemanden zu beerdigen, also stellten wir Särge zur Verfügung.“

Laut dem Bischof hat die katholische Kirche einen Großteil der Belastung durch die Aufnahme von Waisenkindern auf sich genommen. Sie baute Waisenhäuser und sorgte für deren Schulausbildung und den Lebensunterhalt,  um sie so zu unterstützen.

Die katholische Kirche in Sierra Leone gehört zur Minderheit. Sie besteht zu 60% aus Muslimen und  zu 30% aus einem Mix von Christen und Naturreligionen. Ihre Bemühungen um Hilfe von der Regierung war vergebens, obwohl  sie hart für die Waisen gearbeitet und ein Hilfsprogramm ins Leben gerufen hatten, als sich das Land langsam von der Epidemie erholte. Bischof Aruna sagte, dass die Kirche ein Projekt dieser Größenordnung nicht alleine bewältigen kann und dringend Hilfe braucht. „Diese Kinder sind unsere Zukunft,“ sagte der Bischof.

Friedliche Koexistenz

ACN-20140521-09175Trotz der polarisierenden Ausbreitung des radikalen Islam im gesamten Nahen Osten und in Afrika,ist die Beziehung zwischen der katholischen Kirche und dem Islam in Sierra Leone stabil geblieben. Die Nation ist sehr religiös und hat, wie es Bischof Aruna genannt hat ein „tiefes Bewusstsein für Gott“. Jeder ist entweder Christ oder Muslim.
Die Tatsache, dass die katholische Kirche eine Minderheit in Sierra Leone ist, kann zu der Annahme führen, dass die Interessen der Kirche zugunsten der Mehrheit vergeudet werden, aber das Gegenteil ist der Fall.  Der Islam und das Christentum befinden sich in friedlicher Koexistenz. Sie gehen täglich miteinander um und akzeptieren sich gegenseitig. Muslimisch-christliche Ehen sind alltäglich. „Mein Neffe, der mit mir zusammen lebt, hat eine christliche Mutter und einen muslimischen Vater,“ sagt Bischof Aruna

Das ist ein Beispiel dafür, wie beide Religionen in einer Familie interagieren können. „Er möchte nun zum Christentum konvertieren, wozu ihm sein Vater seinen Segen gab.“
Bischof Aruna äußerte sich besorgt darüber, dass der radikale Islam seinen Weg ins Land finden und die Beziehungen zwischen den beiden Religionen schädigen wird.
Der Fundamentalismus ist im nordafrikanischen Staat Mali sehr präsent und könnte seinen Weg südlich nach Guinea und anschließend, durch ihre durchlässige nördliche Landesgrenze, nach Sierra Leone nehmen. Bischof Aruna stellte fest, dass es von entscheidender Bedeutung ist, dass das Verhältnis zwischen Islam und Kirche im Land weiterhin herzlich bleibt und dass die Kirche dem Land ihre volle Unterstützung in dieser gefährlichen Zeit zusichert.

Bischof Aruna bemerkte, dass ein interreligiöser Rat, bestehend aus Imamen und Führern der Kirche gebildet wurde, der mit der Wahrung der guten Beziehungen beider Parteien beauftragt ist und auch für ein größeres Mitspracherecht bei der Regierung plädieren soll.

Risiko einer Schrumpfung der Kirche

ACN-20140521-09184Eine andere große Sorge ist, laut Bischof Aruna, dass der Kirche in Sierra Leone nicht genügend Mittel für die Ausbildung von Berufungen zur Verfügung stehen; für Priester, aber auch für Katecheten und Gebetsleiter. Die Kirche in Sierra Leone ist arm und ist in der Bevölkerung nicht stark vertreten, was sie daran hindert, in dem Maße als helfende Institution, zu fungieren, wie die örtlichen Kirchenführer es sich für sie wünschen würden. Bischof Aruna erzählte die Geschichte eines kleinen Dorfs im Südosten, wo ein Katholik starb. Weil es in der gesamten Region keine katholische Kirche, Katecheten oder Gebetsleiter gab, um einen Begräbnisgottesdienst abzuhalten, musste sich die Familie an einen ansässigen Muslimführer wenden. Sie konvertierten schließlich zum Islam und wollten ein Teil der Gemeinschaft derer werden, die ihnen halfen.
Der Bischof äußerte sich besorgt darüber, dass die kleine katholische Präsenz noch mehr schrumpfen könnte, falls die Kirche sie nicht richtig unterstützt. Aufgrund ihrer geringen Größe, der Folgen der Ebola-Epidemie und der Wunden des Bürgerkrieges wurde die Kirche noch kleiner und benötigt dringend Hilfe.
„Kirche in Not“ unterstützte im Jahr 2014 die Ortskirche in Sierra Leone mit mehr als 260.000 Euro, wofür Bischof Aruna und andere zutiefst dankbar sind.
„Wir haben nichts außer unserer Dankbarkeit und unsere Wohltäter,“ sagte der Bischof.
Sie haben uns zu in einer extrem schwierigen Lage unterstützt.  Wir möchten ihnen versichern, dass wir sie in unsere Gebete einschließen.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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