“So sollten Menschen nicht leben müssen. Wir sind am Leben, aber es ist wie in einem Käfig“

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von Daniel Konstantinovic

Der erste Jahrestag

Der 6. August wird der erste Jahrestag des tragischsten Tages im Leben der Dominikanerinnen sein, die ihren Dienst im Irak tun und die an einem einzigen Tag eine Herausforderung erleiden und annehmen mussten, die andere in ihrem ganzen Leben nicht erleben. Diese Schwestern blieben trotz des Blutvergießens, des Leids und der Tragödie, die sie an diesem verhängnisvollen Tag und in den darauffolgenden Monaten miterlebten, ihrem Glauben und ihrer Mission treu.

Dass sie aus der Entfernung Bomben hörten, war Nichts Ungewohntes für diese Schwestern und ihre Gemeinschaft in diesem Konflikt, der in der Nähe zwischen den irakisch-kurdischen Truppen und dem Islamischen Staat stattfand. „Am Morgen hörten wir Bomben“, erklärt Schwester Lyca. „Wir dachten, es sei normal, weil es Zusammenstöße zwischen den beiden Parteien gab.“ Was jedoch nicht normal war, war das, was als nächstes passierte.“ Um zehn Uhr morgens fielen Bomben in dem Dorf“, sagt Schwester Lyca. „Drei Menschen starben: zwei Kinder und ein junges Mädchen. Das waren schreckliche Nachrichten.“ Diana, eine andere Schwester, erklärt, dass das junge Mädchen, das getötet wurde, sich erst kürzlich verlobt hatte.

Flüchten im Nachthemd

Viele begannen nach der Bombardierung aus dem Dorf zu fliehen, aber die Schwestern blieben, weil sie spürten, dass sie die Menschen unterstützen müssten, und sie hofften, dass dieser Vorfall so wäre wie andere, die vorhergegangen waren und die nur wenige Tage gedauert hatten. Sie fühlten sich auch sicher durch die Peshmerga, die kurdischen Truppen, die versprochen hatten, sie zu beschützen. „Wir setzten all unser Vertrauen auf die Peshmerga, die uns versprochen hatten, uns zu beschützen. Bis zur letzten Minute waren wir sicher, dass sie uns verteidigen würden“, sagt Schwester Diana. „Aber als wir sahen, wie sie die Uniformen ablegten, wussten wir, dass die Zeit der Gefahr endgültig gekommen war“. Von ihren Beschützern verlassen und völlig wehrlos, beschlossen die Schwestern, ihr Kloster in Qaraqosh zu verlassen und sich  mit den anderen Tausenden Flüchtlingen auf den Weg zu machen. Ihnen blieb nur eine halbe Stunde, um ihre Sachen zusammenzupacken. „Wir waren in Panik, als man uns sagte, ISIS sei in die Straßen, so dass viele Menschen sogar im Nachthemd flohen.

Sie warfen die Kinder in unser Auto

Kurdistán, Irak.

Die Dominikarinnen aus Karakosh, Fluchtlinge im eigenen Land

“Die Entfernung zwischen Erbil und Qaraqosh beträgt eine Stunde. Wir brauchten eine Stunde, weil es einen riesigen Stau gab“, sagt Schwester Lyca. Die Schwestern liefen Seite an Seite mit Zigtausenden anderen Flüchtlingen, die vor dem bevorstehenden Angriff von IS flohen. „Von 23.30 Uhr bis zum nächsten Morgen waren wir ohne Wasser und Nahrung zu Fuß unterwegs“, sagt Schwester Diana. „Wir sprechen über den Monat August, in dem die Hitze mit rund 38 Grad unerträglich ist, und das ohne Wasser.“ Außer der Erschöpfung durch die Hitze und die Dehydration waren die Schwestern und die anderen Menschen mit schrecklichen Bildern konfrontiert, die starken Eindruck auf die Schwestern machten: „Als wir in die Straßen kamen, sahen wir Tausende Menschen, die zu Fuß unterwegs waren und viele Autos“, sagte Schwester Diana. „In Autos, die für fünf Personen vorgesehen sind, saßen acht bis zehn Personen. Wir hörten Kinder weinen und schreien, die große Angst hatten“

Ein Anblick brannte sich der Erinnerung der Schwestern besonders ein:“ Als wir einen Kontrollposten passierten, war hinter uns ein Krankenwagen“, sagt Schwester Lyca. „Wir hörten, dass fünf Islamisten in dem Auto seien, und die Armee begann auf den Wagen und andere Autos zu schießen. Wir sahen Menschen laufen, rennen und ihre Kinder nehmen. Mütter nahmen ihre Kinder und warfen sie in unser Auto, um ihnen das Leben zu retten. Das war ein Moment, den ich nicht vergessen kann. Es war furchtbar.“

Schafe ohne Hirte

Auch die Flüchtlingslager in Erbil boten den Schwestern ein tragisches Bild: „Als wir hier ankamen, war es noch furchtbarer, die Leute überall verstreut zu sehen, wie Schafe, die keinen Hirten haben“. Schwester Diana sagt: „Manche dieser Menschen haben Villen verlassen. Sie hatten so viel. So viel! Und binnen weniger Stunden sind sie obdachlos geworden. Wir begannen uns dessen bewusst zu werden, dass unsere Vertreibung nicht Tage, sondern viele Jahre anhalten könnte.“

Die Kirche wollte die Menschen nicht in diesem Zustand lassen, und so ergriff sie Maßnahmen, um Hilfe anbieten zu können. Die Kirchen öffneten am nächsten Tag ihre Pforten, um die Flüchtlinge aufzunehmen, die Schwestern begannen, die Kinder zu unterrichten und so gut es ging Unterricht anzubieten. Manche hatten Klassen mit Hunderten Schülern, so wie Schwester Ban.

Unmenschlich

Trotz dieser selbstlosen Bemühungen haben die Kirche und die Flüchtlinge auf geistlicher Ebene zu kämpfen: „Wir haben hier unsere Würde verloren. Wir sind

Dominikarinnen stehen für die Wohncontainer von Kirche in Not

Dominikarinnen stehen für
die Wohncontainer von Kirche in Not

auf so vielfältige Weise gedemütigt worden“, sagt Schwester Diana. „Wir leben von Tag zu Tag, aber eigentlich ist dies nicht die Art und Weise, wie Menschen leben sollten. Wir sind am Leben, aber wir leben in einem Käfig. Wir haben nicht die Kraft und die Energie um unsere Flügel auszustrecken, wohin wir es wollen.“ Obwohl sie hart gearbeitet haben, um die Kinder zu unterrichten, fürchten sie, dass es nicht genug ist. „Unsere Kinder kommen zwei oder drei Stunden täglich in die Schule. Das ist gar nichts. Unsere Universitätsstudenten sind ihrer Bildungsstätten beraubt. Als Christen lieben wir die Bildung. Das, was IS tut, bedeutet, eine neue Generation zu töten, denn wenn diese Generation keine Bildung erlangt, wird auch die nächste keine haben.“ Darüber hinaus haben die Krankenhäuser nicht die Möglichkeit, mit all den Patienten fertigzuwerden, und es besteht die Sorge, dass die Hilfe, die eintrifft, nicht genug ist. „Für die Regierung und sogar für die Vereinten Nationen sind wir nur Zahlen. Wir werden nicht als Menschen angesehen“, sagt Schwester Diana.

Die Schwestern bleiben dennoch hoffnungsvoll und bewahren ihren Glauben an Gott. „Wir haben alle diese Dinge in unser Gebet gebracht“, sagt Schwester Huda. „Dies ist mein Glaube. Gott IST mit uns. Gott hat uns gerettet, als wir hierher kamen. Wir möchten allen Menschen danken, die an uns denken und uns helfen”.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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