Syrien: „Bitte beten Sie für die Entführten und die Entführer“

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Durch Oliver Maksan

Nach der Entführung dutzender Christen durch die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ ist die Sorge in Syrien groß 

Homs/Königstein, 10.08.2015.“Wir wissen nicht, was der „Islamische Staat“ mit den Geiseln vorhat“, so der syrisch-katholische Ordensmann Pater Jihad Youssef am Sonntag gegenüber dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. Der syrische Ort Al Qaryatayn nahe Homs war am Donnerstag vergangener Woche von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (ISIS) erobert worden. Dabei nahmen die Terroristen zahlreiche Christen und Moslems als Geiseln. „Will ISIS verhandeln und die Leute freilassen oder sie töten? Wir wissen es nicht. Normalerweise lassen sie den Christen ja drei Möglichkeiten. Entweder, sie bezahlen die Jizya, die Kopfsteuer, oder sie konvertieren zum Islam oder sie müssen den Ort verlassen. Das letzte ist offenbar nicht erfolgt, sonst wären die Christen schon gegangen“, so Pater Jihad.

Es sei unklar

Mar Musa Kloster in der Nähe der Stadt  Homs

Mar Musa Kloster in der Nähe der Stadt
Homs

Der Ordensmann erklärte weiter, dass unklar sei, wieviele Christen sich in der Hand von ISIS befänden. „Berichte, wonach es vielleicht 160 Personen sein könnten, klingen vernünftig. Das ist etwa die Zahl der Christen, die bis zuletzt in Al Qaryatayn ausgeharrt hat. Aber wir wissen nicht, ob alle verbliebenen Christen von ISIS als Geiseln genommen worden sind oder ob sich manche versteckt halten. Etwa 30 Christen gelang Ende der Woche auch die Flucht aus dem Ort. Manche sind Schäfer und kennen die Region. Sie sind nach Homs geflüchtet“, sagte P. Jihad. Derzeit bemühten sich der syrisch-orthodoxe und der syrisch-katholische Bischof von Homs über Kontaktleute um eine Lösung des Problems, so P. Jihad.

Jihad gehört der katholischen Ordensgemeinschaft von Mar Musa an, die in Al Qaryatayn ein Kloster unterhält. „Wir haben dort noch immer einige Laienmitarbeiter, die für uns arbeiten. Einer hat uns kürzlich noch über Whatsapp informiert, dass es ihnen gut gehe und ISIS unser Mar Elian Kloster noch nicht besetzt habe. Wir haben jetzt aber keinerlei Kontakt mehr zum Ort, auch nicht über Telefon. Wir wissen deshalb nicht, ob unser Kloster von ISIS besetzt ist oder nicht, und wie es unseren Mitarbeitern oder den Geiseln geht.“

Die Angst wächst150811 syrie_eucharistie

Ende Mai war in Al Qaryatayn ein Mitbruder von P. Jihad, P. Jacques Mourad, zusammen mit dem Diakon Boutros entführt worden. „Wir haben keinerlei Informationen, wie es P. Jacques geht oder wo er ist“, so P. Jihad. „Wir haben alles versucht. Ich weiß nicht, wie die jüngsten Ereignisse in Al Qaryatayn die Lage unserer Mitbrüder beeinflussen wird. Wenn sie eine Lösung für alle Geiseln finden, vielleicht werden dann P. Jacques und Diakon Boutros eingeschlossen sein.“ P. Jacques, so P. Jihad, sei entführt worden, weil er sich um Dialog und Koexistenz von Christen und Moslems bemüht habe. „Er hat seit vielen Jahren Brücken zwischen den Religionen gebaut. Das hat sich jetzt im Krieg bewährt.“ Pater Jacques engagierte sich im Kloster Mar Elian für die unter den Folgen des syrischen Kriegs leidenden Menschen. Er hat besonders auf Renovierungsprojekte Wert gelegt, damit die Menschen wieder in ihren zerstörten Häusern leben können. Aber auch psychologische Betreuung der Menschen im Krieg und andere humanitäre Nothilfe waren ihm wichtig. Seit Jahren wurde Pater Jacques Arbeit von “Kirche in Not” unterstützt. Jihad sagte jetzt weiter, dass die Angst in Syrien nach den Entführungen groß seien. „Besonders die Christen in den Orten nahe Al Qarytayn haben Angst. Viele Leute denken daran, ihre Orte zu verlassen oder gar das Land. Die Angst wächst.“

Aufruf zum Gebet

Jihad dankte dem Hilfswerk „Kirche in Not“ derweil für die Unterstützung. „Kirche ein Not“ hat so viel für uns getan, besonders in Al Qaryatayn. Dafür sei den Wohltätern von Herzen gedankt. Besonders rufe ich sie jetzt zum Gebet für unsere entführten Mitbrüder und die Geiseln von Al Qaryatayn auf. Möge Gott die Herzen der Entführer wandeln, damit sie barmherzig mit ihren Geiseln sind.“

Das Hilfswerk „Kirche in Not“ ist im Nahen Osten besonders aktiv. Mehr als zwölf Millionen Euro wurden seit Ende 2011 aufgewandt, um den Christen in Syrien und dem Irak zu helfen. “Kirche in Not” hat kürzlich über zwei Millionen Euro für humanitäre Hilfe in Syrien bereitgestellt.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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