Telskuf in Iraq: ISIS ist weg, die Zerstörung bleibt

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Pater Andrzej Halemba

Pater Andrzej Halemba

Als erstes bemerkt man die Stille. Nicht nur, dass es keinen Lärm gibt, sondern es gibt überhaupt keine Geräusche. Sogar die Vögel sind weg. Ich bin in Telskuf im Irak, ca. 32 Kilometer nördlich von der ISIS-Hochburg Mossul und nur zwei Kilometer von der Frontlinie entfernt. Die Stadt ist verlassen, ihre Einwohner, darunter 12.000 Christen, sind geflohen, als ISIS-kämpfer in der Nacht des 6. August 2014 vorrückten. Sie fanden Zuflucht im nahegelegenen Alqosh oder in der kurdischen Hauptstadt Erbil.

Bei 43 Grad drücken wir uns in den Schatten verlassener Gerippe: Häuser mit klaffenden Mündern, pockennarbige Wände, davor die Überreste schwarzverkohlter Autos, verraten die Brutalität dessen, was hier vor einigen Wochen geschehen ist: Am 3. Mai 2016 durchbrachen Hunderte ISIS-Kämpfer, Autobomben- und Selbstmordattentäter die kurdische Linie, bevor ein Gegenangriff, der von US-Luftschlägen unterstützt wurde, ISIS zurückschlug. Unter den Opfern waren drei kurdische Kämpfer und ein 31jähriger amerikanischer Soldat der Spezialeinheiten. Unbestätigten Berichten der Peshmerga-Soldaten zufolge sollen mehr als 50 ISIS-Soldaten getötet worden sein. Sie wurden fotografiert und in ein Grab am Straßenrand geschafft und eingeebnet. Die Erde ist noch frisch.

Ich bin unterwegs mit einer Delegation des katholischen Hilfswerks “Kirche in Not” (ACN). Wir sind gekommen, um der christlichen Stadt Alqosh einen Solidaritätsbesuch abzustatten. Kaum 16 Kilometer von Telskuf entfernt ist Alqosh die letzte größere christliche Stadt in der Niniveh-Ebene, die einst ein Tal mit vielen christlichen Dörfern war, bevor sie von Isis besetzt und zerstört wurde. Hier hat der chaldäische katholische Bischof Mikha Pola Maqdassi Hilfe für die über 500 vertriebenen Familien organisiert, die zu den 1200 im Ort ansässigen Familien hinzugekommen sind. Alle suchen Arbeit, aber es gibt keine. Die Katholische Kirche ist der Hauptanbieter sozialer Hilfe und vor allem der Hoffnung. Wie Bischof Maqdassi erklärt, ist die Jugend entmutigt, die sich in einer Welt wiederfindet, die zerstört ist.

ACN Communications Trip Middle East May 2016Wir machen uns auf den Weg zur katholischen Kirche von Telskuf. Wieder wird die Stille nur durchbrochen durch das Glas unter unseren Füßen. Die Kirche wurde geplündert und zerstört. Die Statue der Jungfrau Maria wurde geschändet, ihr Kopf vom Körper abgetrennt. Das Symbol der Enthauptung ist die Unterschrift des ISIS: Die Peshmerga-Soldaten mit verspiegelten Sonnenbrillen und  Gewehren im Anschlag nehmen Stellungen an, von denen aus sie alles gut übersehen können, wie auf der Kuppel, den zerbrochenen Fenstern, dem Glockenturm, um unsere Sicherheit zu gewährleisten. Wir knien nieder und beten in dem, was der Chorraum war. Unter der Leitung von Pater Andrzej Halemba, dem Verantwortlichen für die Nahost-Projekte von „Kirche in Not“ (ACN), beten wir das Gebet des Herrn für den Frieden, und unsere normalerweise ungezwungene und heitere Gruppe ist erschüttert und verharrt im Schweigen. Ein christlicher General, ein großzügiger Mann mit ergrauenden Schläfen, wartet respektvoll ab, bis wir das Gebet beendet haben, und bittet uns dann inständig, dass wir bei ihm eine Mahlzeit einnehmen. Obwohl der Zeitplan es eigentlich nicht gestattet, erzählt er uns, wie er ISIS bekämpft, damit die Menschen, die in den übriggebliebenen christlichen Dörfern der Region leben, beschützt sind. Wir gehen durch die zerstörten Straßen. Ich frage mich, wann die Vögel zurückkehren werden.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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