„Unsere Kinder bekommen Särge zu Ostern“

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In Aleppo nehmen die Kämpfe wieder zu – „Wenn es so weitergeht, werden noch mehr Christen gehen“, fürchtet Aleppos Erzbischof Audo

Oliver Maksan

Erzbischof Antoine Audo

Erzbischof A. Audo

Königstein, 28.04.2016. In der einstigen syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo nehmen die Kämpfe zwischen Regierung und Opposition wieder zu. Das berichten katholische Kirchenvertreter gegenüber dem internationalen Hilfswerk „Kirche in Not“. „Seit vergangener Woche haben sich die Kämpfe wieder massiv verstärkt. Besonders seit Samstag ist es sehr schlimm. Die Lage der Menschen ist verheerend. Es gibt so viele Tote und Verletzte. Ich hoffe, dass die Gewalt nicht noch mehr eskaliert, aber schon jetzt ist es sehr schlimm. Wenn diese Kämpfe weitergehen, werden noch mehr Christen Aleppo verlassen“, erklärte der chaldäische Erzbischof der Stadt, Antoine Audo, am Dienstag gegenüber „Kirche in Not“. „Vor dem Krieg gab es über 150000 Christen verschiedener Konfessionen in Aleppo. Heute sind etwa zwei Drittel zu Flüchtlingen im eigenen Land geworden oder haben im Ausland Zuflucht gesucht, etwa im Libanon, aber auch im Westen.“ Zurückgeblieben seien besonders alte und arme Menschen. „Um sie kümmern wir uns nicht zuletzt dank der Hilfe von „Kirche in Not“. Ihre Situation ist aber in jeder Hinsicht besorgniserregend. Armut und schlechte Versorgung prägen den Alltag.“

Beziehungen zwischen Christen und Moslems gut

Erzbischof Audo erklärte weiter, dass es den Teile von Aleppo kontrollierenden, von Dschihadisten wie An-Nusra dominierten Rebellengruppen darum gehe, durch Beschuss Angst und Schrecken zu verbreiten. „Das sind aus dem Ausland finanzierte Gruppen. Sie kommen nicht aus Syrien. Bei uns waren und sind die Beziehungen zwischen Christen und Moslems gut. Natürlich gab es auch früher Fanatismus. Aber generell waren es gute Beziehungen. Wir Christen waren anerkannt. In Aleppo ist das immer noch so. Es ist fast noch besser geworden. Denn die Moslems respektieren uns wegen unserer caritativen Arbeit und Unterstützung für sie. Ich hoffe sehr, dass wir nach diesem Krieg ein Syrien haben werden, wo alle, auch wir Christen, volle Rechte und Gleichberechtigung genießen werden.“

Wir bekommen Särge zu Ostern

Schwester Annie Demerjian

Schwester Annie Demerjian

Die Ordensfrau Annie Demerjian berichtete gegenüber „Kirche in Not“ ebenfalls von einer Zunahme der Kämpfe in Aleppo. „Am Montag war es ganz schlimm. 17 Menschen starben durch den Beschuss, darunter sechs Kinder. Es waren viele Christen unter ihnen“, so die Ordensfrau, die seit Jahren in der zwischen syrischer Regierung und Opposition geteilten Stadt ausharrt. „Zu den Toten kommen die Verletzten. Eine meiner Helferinnen war geschockt, als sie einen Transport voller schwer verwundeter Menschen sah. Außerdem sind seither durch den Beschuss so viele Geschäfte, Häuser und Autos zerstört worden. Wir hatten so sehr gehofft, dass der Waffenstillstand der letzten Wochen der Anfang vom Ende des Krieges ist. Wir waren wirklich voller Hoffnung. Aber wir haben uns getäuscht. Es ist derzeit so schlimm wie lange nicht mehr. Hunderte Bomben und Raketen gehen nieder. Zuletzt hatten wir Ostern 2015 so harte Kämpfe.“ Die verbliebenen Christen Aleppos seien wie die anderen muslimischen Bewohner auch verzweifelt und erschöpft. „Die Menschen können nach so vielen Jahren Krieg einfach nicht mehr. Sie haben das Gefühl, dass wieder alles von vorn losgeht. Das macht sie traurig und wütend. Ein Vater bat mich, für seine Kinder zu beten, dass sie heil und lebendig nach Hause kommen. Ich weiß nicht, ob man sich vorstellen kann, welche Ängste diese Menschen mitmachen müssen. Und das nicht erst seit gestern. Ich glaube, dass wir hier in Aleppo am meisten vom Krieg in Syrien betroffen sind. Und wir können einfach nicht verstehen, warum unschuldige Menschen so sehr leiden müssen.“

Suffering Aleppo - schoolbag and textbook of one of the little victims The pictures shows the desastrous effects of the ongoing fighting in Aleppo. The Pictures were sent by a Syrian Sister (who works there with the help of ACN) as example for the bombings in Aleppo. She took it from different facebook sources – copyright and sources not clear: The pictures are JUST FOR ILLUSTRATION OF THE STORY – NOT FOR PRESS

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Die orthodoxen Christen Aleppos sähen ihrem Osterfest am kommenden Sonntag bang entgegen, so Schwester Annie. „Ein orthodoxer Christ meinte mir jetzt gegenüber, dass die Kinder überall auf der Welt Geschenke zu Ostern bekämen. In Aleppo aber bekämen sie Särge. Ist das nicht unendlich traurig, so etwas hören zu müssen?“ Eindringlich bat die Ordensfrau um das Gebet für die vom Krieg bedrängten Menschen Syriens. „Bitte beten Sie für uns. Gott ist unser einziger Halt.“

Bauarbeiter mit glänzenden Augen

Franziskanerpater Alsabagh

Franziskanerpater Alsabagh

Auch der Franziskanerpater Ibrahim Alsabagh berichtet von schweren Kämpfen in Aleppo. „Die Bombardements gehen wieder weiter. Kürzlich ging eine Rakete in unserer Zone von Azizieh nieder, ein Haus wurde zerstört, andere beschädigt. In einigen Zonen wie zum Beispiel Midan war die Lage sehr kritisch. Die Bauarbeiter, die in unserem Kloster arbeiten, kamen mit glänzenden Augen und todmüde, weil sie die ganze Nacht nicht geschlafen hatten“, so der in Aleppo tätige Pater. „Der Dollar steigt weiter, während die Leute immer mehr Mühe haben, ein wenig Geld zum Essen zu verdienen. Für uns ist es ein Lauf ohne Ende, die ganze humanitäre Arbeit lastet nämlich immer mehr auf uns Patres, obwohl wir gut organisiert sind und viele Freiwillige und Mitarbeiter mithelfen. Jeden Tag klopfen immer mehr Menschen an die Pforte des Klosters, aber auch immer mehr Familien und Menschen loben den Herrn für die Anwesenheit von uns Fratres, weil wir in Aleppo geblieben sind, um diesen verzweifelten Menschen zu helfen.“

„Kirche in Not“ hilft den Christen Aleppos seit Jahren. Durch die kirchlichen Partner vor Ort werden unter anderem Programme für die Versorgung mit Kleidung, Nahrung und Medikamenten unterstützt. Hinzu kommen Wohn- und Studienhilfen. „Kirche in Not“ hilft darüber hinaus Christen aus Syrien und dem Irak, die vor Krieg und Terror fliehen mussten und Zuflucht in ihren Ländern oder dem benachbarten Ausland gefunden haben.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

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