Von Prag nach Fatima und von Fatima nach Prag In der Tschechischen Republik geht das Fatimajahr weiter

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08 november 2017 Lôwen – Die Gläubigen in der Tschechischen Republik haben das hundertste Jubiläum der Erscheinungen von Fatima als besonderes Jahr der Dankbarkeit für die wiedererlangte Freiheit nach dem Kommunismus ausgewählt. Im atheistischsten Land Europas war es der Katholischen Kirche wichtig, daran mit einer ganzjährigen landesweiten eigenen Wallfahrt zu erinnern. So setzt sich nach dem Höhepunkt der Wahllfahrt nach Fatima im September die Pilgerreise im Land fort: Eine Pilgerstatue der Muttergottes von Fatima wandert ein Jahr lang durch die tschechischen. Am 18. November findet zudem auch eine Dankwallfahrt zum weltberühmten Gnadenbild des Prager Jesuskindes statt, dessen Nachbildung die Pilger als „Zeichen der Dankbarkeit“ in das Heiligtum von Fatima gebracht hatten.

Den Betern, die am 13. September schon früh in die Erscheinungskapelle von Fatima gekommen waren, bot sich ein überraschendes Bild: Auf dem Arm einer Ordensfrau wurde eine Statue des Prager Jesuskindes an dem Gnadenbild Unserer Lieben Frau vorbeigetragen. Das als König dargestellte Christuskind war ganz in festliches Weiß gekleidet und sollte später am Tag einen großen Triumph feiern. Denn am Ende der feierlichen Heiligen Messe auf dem Platz des Heiligtums von Fatima überreichte der Prager Erzbischof Dominik Kardinal Duka  vor mehreren Tausend Pilgern aus aller Welt diese Statue Bischof António Augusto dos Santos Marto von Leiria-Fatima, zu dessen Diözese die weltbekannte Wallfahrtsstätte gehört.

Anlässlich der Hundertjahrfeier der Erscheinungen von Fatima hatte die Kirche in der Tschechischen Republik zum zweiten Mail eine nationale Wallfahrt nach Fatima unternommen. 1300 Pilger, darunter die gesamte tschechische Bischofskonferenz, zahlreiche Ordensleute, Priester und Gläubige, hatten sich auf den Weg in das portugiesische Marienheiligtum gemacht, das eng mit der Geschichte des ehemaligen Ostblocks verbunden ist.

Der Prager Erzbischof erinnerte dabei daran, dass die Pilger aus der Tschechischen Republik bereits 1989 aus Dankbarkeit für die wiedererlangte Freiheit nach Fatima gepilgert waren. Dieses Mal nun dankten sie „für eine neue Generation, die nicht das Gefängnis des Nationalsozialismus, das Gefängnis der Kommunisten und die Glaubensverfolgung kennengelernt hat“.

Als Zeichen der Dankbarkeit überreichte er dem Ortsbischof die im Prager Heiligtum geweihte Statue des Prager Jesuskindes als ein besonderes Geschenk der tschechischen Gläubigen an das Heiligtum von Fatima. „Das Jesuskind ist der Patron seiner Freunde und seiner Freundinnen“, sagte Kardinal Duka.  Auch Papst Benedikt XVI. hatte 2009 bei seiner Reise nach Prag auch das weltbekannte Gnadenbild des Prager Jesulein besucht.

In der Tat ist auch das Schicksal des „Jezulatko“, wie das Prager Jesulein auf Tschechisch genannt wird, im vergangenen Jahrhundert zutiefst mit den Botschaften von Fatima verbunden gewesen. Denn 1917 – vor genau 100 Jahren – hatte die Heilige Jungfrau den drei Hirtenkindern in Fatima die Oktoberrevolution in Russland sowie den Zweiten Weltkrieg vorausgesagt. Eine nie dagewesene Glaubensverfolgung war die Folge gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet auch die damalige Tschechoslowakei unter das Joch des Kommunismus und wurde Schauplatz einer der schlimmsten Kirchenverfolgungen in Osteuropa. Tausende Priester und Ordensleute wurden zu langjährigen Haftstrafen und zu Zwangsarbeit verurteilt, Klöster und Kirchen geschlossen und geschändet, die Glaubensausübung stark eingeschränkt. Das Prager Jesulein stand lange Jahre einsam und verlassen auf seinem Altar in einer nahezu verwüsteten Kirche.

„Dem Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens verdanken wir es, dass wir in Freiheit leben können”, rief Kardinal Duka vor mehreren Tausend Pilgern in Fatima aus. Die tschechischen Pilger durften als Leihgabe eine Statue der Heiligen Jungfrau von Fatima mit in ihre Heimat nehmen. Gleich nach der Rückkehr der Pilger aus Fatima wurde die Muttergottesstatue mit einer feierlichen heiligen Messe im Prager Veitsdom willkommen geheißen und in einer großen Prozession durch Prag getragen. Nun wandert sie ein Jahr lang durch die Kirchen, Kathedralen und die Heiligtümer der Tschechischen Republik – genau fünfzig Jahre, nachdem eine heimlich in die Tschechoslowakei gebrachte Statue Unserer Lieben Frau von Fatima dem sogenannten „Prager Frühling“ den Weg geebnet hatte, der 1968 eine Erleichterung der Lage auch für die Kirche mit sich brachte.

Die Nachbildung des Prager Jesuskindes bleibt hingegen in Fatima. Von ihm sagte die heilige Philosophin und Karmelitin Edith Stein: „Ist es nicht der heimliche Kaiser, der einmal aller Not ein Ende machen soll? Es hat ja doch die Zügel in der Hand, wenn auch die Menschen zu regieren meinen.” Wenn nun am 18. November die tschechischen Pilger in das Prager Heiligtum des Jesuskindes strömen werden, werden viele Tschechen in diesem Geist  dafür danken, dass die Unterdrückung durch den religionsfeindlichen Kommunismus beendet wurde.

Die Päpstliche Stiftung „Kirche in Not hat der Katholischen Kirche in der damaligen Tschechoslowakei bereits vor der politischen Wende geholfen und hat nach der Wende den Wiederaufbau des kirchlichen Lebens und der Infrastruktur stark unterstützt. Heute fördert das Hilfswerk dort vor allem die Priesterausbildung, hilft kontemplativen Schwestern mit Existenz- und ausbildungshilfen und leistet Renovierungs- und Motorisierungshilfen. Im vergangenen Jahr hat das Hilfswerk in Tschechien mit fast 60.000 Euro geholfen.

Die Tschechische Republik gilt mit 34 Prozent Konfessionslosen sowie weiteren 44 Prozent, die keine Angaben zu ihrer Religionszugehörigkeit machen, als das am stärksten atheistisch geprägte Land Europas. 10,4 Prozent der Bevölkerung bezeichneten sich bei einer Volkszählung 2011 als Katholiken. weitere 11 Prozent gehören einer anderen christlichen Konfession an. Zu Beginn der kommunistischen Herrschaft im Jahr 1950 waren noch 76 Prozent der Bevölkerung der damaligen Tschechoslowakei katholisch.

Von Eva – Maria Kolmann

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