Weißrussland: „Die katholische Kirche fordert keine Privilegien, sondern ihr Recht“

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27/09/2017 Löwen/Belarus: Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz von Minsk-Mohilev beklagt die Verletzung der Rechte der Katholischen Kirche in Weißrussland. In einem Dokument, das der Päpstlichen Stiftung Kirche in Not vorliegt, fordert er die Unterzeichnung eines Konkordates zwischen dem weißrussischen Staat und der Katholischen Kirche, das zwar seit vielen Jahren in Vorbereitung sei, aber noch immer nicht unterzeichnet wurde. „Ohne ein solches Konkordat kann die Kirche in der Weißrussischen Republik ihre Aufgaben nicht vollständig erfüllen, wie sie es in anderen Ländern kann“, beklagte er.

Die Kirche verlange „keine Privilegien, sondern die Anerkennung ihrer Rechte, um ihre Tätigkeit in angemessener Weise ausüben zu können“.

Besonders problematisch sei die Situation hinsichtlich des Wirkens ausländischer Priester im Land. Zwar sei im Laufe der vergangenen 25 Jahre die Zahl der weißrussischen Priester von 60 auf 400 „bedeutend” gestiegen, dennoch sei die Tätigkeit ausländischer Priester noch immer „unentbehrlich”, betonte Erzbischof Kondrusiewicz. Diese Priester, die mehrheitlich – aber nicht nur – aus Polen kommen, hätten oft Probleme, eine längere Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. „Oft erhalten sie nur ein Visum für drei oder sechs Monate. Das ist für ein richtiges priesterliches Wirken nicht förderlich, und darunter leidet die seelsorgliche Arbeit mit den Gläubigen und die Formung der Jugend. Wir bemühen uns um einheimische Berufungen, aber das braucht Zeit. Dazu kommt auch die demographische Krise, die einen negativen Einfluss auf die Zahl der Berufungen hat.“

Der Erzbischof beklagte gegenüber Kirche in Not zudem, dass ausländischen Priester in der jüngeren Vergangenheit vermehrt unter dem Vorwand kleiner Ordnungswidrigkeiten, beispielsweise einer Geschwindigkeitsüberschreitung im Straßenverkehr, selbst nach einem langjährigen Tätigkeit in Weißrussland die Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis verweigert werde und sie ausgewiesen würden.

„Aus irgendwelchen unbekannten Gründen fürchtet sich Weißrussland vor den ausländischen Priestern. Aber wie viele kirchliche Objekte, die den Gläubigen in Weißrussland dienen, wurden und werden dank ihnen gebaut! Diese Priester verkünden das Wort Gottes dort, wo die einheimischen Priester fehlen. Wie viele pastorale und soziale Programme wurden von ihnen ins Leben gerufen! Sie lernen die weißrussische Kultur kennen, und Weißrussland wird zu ihrem Zuhause. Außerdem bringen sie neue Seelsorgeerfahrungen mit. In der heutigen Welt gibt es nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine kulturelle und religiöse Globalisierung, und wir müssen daran teilnehmen, um nicht am Bahnhof zu stehen und den Zug ohne uns abfahren zu sehen“, sagte Erzbischof Kondrusiewicz.

Auch diejenigen ausländischen Priester, die sich nur zu einem kurzen Besuch in Weißrussland aufhielten, benötigten eine Genehmigung der Behörden, um die Heilige Messe feiern zu dürfen. Dies sei in der Kürze der Zeit in der Regel nicht zu bewerkstelligen. Es habe sich eine „paradoxe Situation entwickelt, in der ein ausländischer Priester der Messe unter den Gläubigen beiwohnen darf, aber wenn er auf der anderen Seite des Altares steht und der Heiligen Messe vorsteht, wird er zu einem Verbrecher“, beklagte der Erzbischof.

Probleme gebe es auch bei der Rückerstattung zu Sowjetzeiten enteigneter Kirchengebäude. Erzbischof Kondrusiewicz betonte den Wert dieser Gebäude nicht nur für die Kirche selbst, sondern auch für das Land:  „Sie sind unser kulturelles Erbe. Touristen und Pilger werden eher diese Kirchen besuchen als die oft geschmacklosen modernen Architekturobjekte.“ Es gebe in seiner Erzdiözese jedoch beispielsweise den Fall einer aus dem 18. Jahrhundert stammenden Kirche, die zu Sowjetzeiten enteignet wurde und nach der politischen Wende auf Kosten der Katholischen Kirche restauriert worden sei. Das Gotteshaus sei jedoch nicht der Pfarrei übertragen worden, sondern die Katholische Kirche müsse Miete zahlen, um sie nutzen zu dürfen, berichtete der Erzbischof. „Wo bleibt die Gerechtigkeit?“, fragte er und forderte Restitutionsgesetze, wie sie in einigen anderen osteuropäischen Ländern existieren.

Es gebe auch keine Bauvorschriften, die sich speziell auf Kirchen beziehen, sondern für Gotteshäuser würden die gleichen Vorschriften gelten wie beispielsweise für Kulturzentren. „Die Kirchen werden jedoch von den Spenden der Gläubigen errichtet, nicht aus öffentlichen Mitteln, wie es bei den Kulturzentren der Fall ist. Nach den Vorgaben soll eine Kirche binnen eines Jahres oder sogar in noch kürzerer Zeit errichtet werden. Wie soll das gehen?“ So müsse im Verlauf der Bauarbeiten mehrfach die Genehmigung für eine Verlängerung eingeholt werden, was jeweils Kosten mit sich bringe.

Eine „große Sorge” bereitet dem Erzbischof auch der Versuch der staatlichen Einflussnahme auf die Inhalte der Unterrichtsmaterialien der Katechese, die in Weißrussland in den kirchlichen Sonntagsschulen stattfindet. „Dabei geht es um nichts anderes als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Kirche und ist nicht vereinbar mit der Religionsfreiheit und der Freiheit des Gewissens und der religiösen Organisationen“.

Von den 9,5 Millionen Einwohnern Weißrusslands sind rund 7 Prozent katholisch.

Kirche in Not hat im vergangenen Jahr die katholische Kirche in Weißrussland mit mehr als 830.000 Euro unterstützt.

Von Eva-Maria Kolmann

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