„Wir Armenier, egal ob katholisch oder orthodox, lieben den Papst“

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Die armenisch-katholische Kirche erwartet Papst Franziskus Ende Juni  in Armenien – „Kirche in Not“ hilft ihr dabei 

Der katholische Erzbischof Raphael Minassian

Der katholische Erzbischof
Raphael Minassian

Königstein, 03.06.2016. Vor dem Besuch von Papst Franziskus in Armenien sind die Erwartungen in dem Land hoch. „Der Heilige Vater kommt, um uns Armenier im Glauben zu stärken. Wir Armenier, egal ob katholisch oder orthodox, lieben ihn. Schließlich hat er den Genozid an unserem Volk anerkannt. Das werden wir ihm nie vergessen“, so der für Osteuropa zuständige armenisch-katholische Erzbischof Raphael Minassian gegenüber dem internationalen Hilfswerk „Kirche in Not“ am Dienstag. Papst Franziskus wird die Kaukasusrepublik vom 24. bis 26. Juni besuchen. „Der Papst hat im vergangenen Jahr moralische Führungsstärke gezeigt, als er den an unserem Volk hundert Jahre zuvor begonnenen Völkermord beim Namen nannte und als ersten Genozid des 20. Jahrhunderts anerkannte. Das ist für uns Armenier enorm wichtig.“ Man müsse dafür die Psychologie der Armenier verstehen, betonte der Erzbischof. „Hundert Jahre lang haben wir uns quasi erfolglos um die Anerkennung unseres Leids bemüht. Wir haben von Staaten und Politkern leere Versprechungen bekommen und wurden zum Spielball der Interessen. Der Papst aber ist kein Politiker. Er ist der Stellvertreter Christ auf Erden, dem es um die Wahrheit und die Rechte des Menschen geht“, so der Erzbischof. Er erklärte weiter, dass Armenien trotz seiner Randlage eine große Bedeutung für die weltweite Christenheit habe. „Armenien hat als erstes Land der Erde das Christentum angenommen. Das war vor über 1700 Jahren. Bis heute ist unser Volk vom Glauben geprägt. Wir haben der Christenheit zudem in den Jahrhunderten Millionen von Märtyrern geschenkt. Ich sage immer: Das jüdische Volk hat das erste Kommen Christi vorbereitet. Wir Armenier mit unseren Märtyrern bereiten dem zweiten Kommen Christi den Weg. Wir geben ein Christuszeugnis für die ganze Welt.“

Genozid-Denkmal in der Nähe von Yerevan

Genozid-Denkmal
in der Nähe von Yerevan

Die große Mehrheit der Bevölkerung Armeniens gehört der armenisch-apostolischen Kirche an. Die aus ihr hervorgegangene, mit Rom unierte armenisch-katholische Kirche hat etwa 160000 Mitglieder. Erzbischof Minassian bezeichnete die ökumenischen Beziehungen zwischen Katholiken und der orthodoxen Mehrheit derweil als ausgezeichnet. „Ich bin seit sechs Jahren in Armenien Bischof. In dieser Zeit hatte ich nicht einen Augenblick das Gefühl der Trennung zwischen uns Katholiken und der Armenischen Apostolischen Kirche. Im Gegenteil: Stets habe ich Zusammenarbeit und Sympathie erfahren. Als jetzt feststand, dass der Papst kommen würde, sagte das Oberhaupt der armenisch-orthodoxen Kirche zu mir, dass er sein Bestes für den Besuch geben werde. Die Beziehungen zwischen unseren Kirchen würden noch stärker werden. Davon bin auch ich überzeugt.“ Die Unterschiede zwischen der armenisch-orthodoxen und der armenisch-katholischen Kirche seien ohnehin marginal. „Wir haben denselben Glauben, feiern dieselben Sakramente und haben die gleiche Liturgie. Der einzige Unterschied besteht in der Anerkennung des Papstes in Rom. Aber davon abgesehen gibt es keine Unterschiede. Und die Armenier, egal ob orthodox oder katholisch, fühlen sich ohnehin als ein Volk und eine Kirche.“

Das Organisationsteam von den Besuch des Papstes

Das Organisationsteam von
den Besuch des Papstes

Innerhalb der armenisch-katholischen Kirche sei die Vorfreude auf den Papst derweil groß, so der Erzbischof. „Wir haben schon jetzt viel mehr Anmeldungen für die öffentliche Messe mit dem Papst, als der Platz Menschen fassen kann. Wir werden deshalb den Gottesdienst auch per Leinwand auf einen zweiten Platz übertragen, den der Heilige Vater nach der Messe besuchen wird. Insgesamt erwarten wir über 50000 Teilnehmer an dem großen Gottesdienst.“ Mehr als 300 Freiwillige würden für einen geordneten Ablauf der Feier sorgen. „Sie bereiten sich schon jetzt mit Messen und Treffen darauf vor. Unsere ganze Kirche mit ihren vierzig Pfarreien spürt eine große Vorfreude. Wir erhoffen uns eine echte Vertiefung unseres Glaubens.“ Erzbischof Minassian zufolge sei die Lage der Kirche in Armenien ganz anders als in Teilen Westeuropas. „Wir haben hier keinen Säkularismus. Die Armenier sind ein religiöses Volk. Die Menschen glauben. Das gehört fest dazu. Und unsere Kirche ist lebendig, wenn wir auch nicht viele sind. Dafür haben wir viele caritative Projekte für arme, alte und behinderte Menschen. Aber wir haben als Kirche eben nur begrenzte Mittel. Deshalb sind wir „Kirche in Not“ und den Wohltätern umso dankbarer, dass sie uns so großzügig unterstützen. Ich bedanke mich ausdrücklich dafür. Besonders aber bitte ich jetzt um das Gebet für das gute Gelingen des Papstbesuchs.“

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„Kirche in Not“ unterstützt die Christen Armeniens seit Jahren. Besonders werden pastorale Projekte wie die Ausbildung von Seminaristen und Priestern sowie Sommerkurse für Kinder und Jugendliche gefördert. Das Hilfswerk unterstützt die Ortskirche jetzt auch finanziell bei der Vorbereitung und Durchführung des Papstbesuchs.

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

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