Zentralafrikanische Republik : « Man muss die Menschen wieder aufrichten »

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Besorgnis vor den bevorstehenden Wahlen

In einem Interview mit « Kirche in Not » hat der Koadjutor von Alindao, Bischof Cyr-Nestor Yapaupa, seine Befürchtungen angesichts der Wahlen, die am 18. Oktober stattfinden sollen, zum Ausdruck gebracht. Er unterstrich dabei jedoch die Zeichen der Hoffnung auf ein Herauskommen aus der Krise angesichts des Papstbesuches Ende November.

Zentralafrikanische Republik. 16.09.2015

Der Koadjutor von Alindao, Bischof Cyr- Nestor Yapaupa

Der Koadjutor von
Alindao, Bischof Cyr-
Nestor Yapaupa

Wie sieht heute die Sicherheitslage in der Zentralafrikanischen Republik aus ?

In der Hauptstadt und einigen großen Städten ist die Sicherheit dank der Anwesenheit der UNO-Truppen wieder gewährleistet. In den anderen Städten oder auf dem Land ist die Situation für die Bevölkerung schwieriger. Es gibt weiterhin bewaffnete Gruppierungen, und die Raubüberfälle und die Übergriffe durch die Anhänger der Anti-Balaka gehen weiter. In meiner Diözese haben wir es erlebt, dass vor weniger als einem Monat ein Dorf niedergebrannt wurde.

Wir Bischöfe fordern weiterhin die Entwaffnung, aber weder die Regierung noch die UNO-Truppen haben darauf viel Energie verwendet. Die Dinge können sich jedoch nicht entwickeln, wenn die Entwaffnung nicht durchgeführt wird.

Die Wahlen sollen am 18. Oktober stattfinden. Was denken Sie darüber?

Wir befinden uns zur Zeit noch immer unter einer Übergangsregierung und erwarten die Wahlen, die für den 18. Oktober angesetzt worden sind. Wir fragen uns jedoch, ob die Bedingungen günstig dafür sind. Ist es wirklich der richtige Zeitpunkt, um Wahlen abzuhalten, wenn es noch Bewaffnete gibt, die in die besetzten Gebiete gehen werden, um die Wählerlisten auszuzählen? Können wir die Wahlen unter normalen Bedingungen stattfinden lassen? Das ist die Frage, die sich jetzt alle stellen. Die Minusca (NB: Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in der Zentralafrikanischen Republik) und die Regierung müssen ihrer Verantwortung nachkommen.

Wie geht es heute den Christen?

Das hängt davon ab, wo sie leben, aber allgemein gesagt haben sie Hoffnung. Auf der Glaubensebene lässt die Situation, die wir erleben, sie wachsen und gibt ihnen viel Mut. Man hört, dass die Christen eifriger und engagierter sind als zuvor. Ich sage ihnen oft: „Wir haben alles verloren, man hat uns materielle Dinge gestohlen, aber wir haben nicht unseren Glauben verloren.“

Was ist mit dem Verhältnis zu den Muslimen ? Haben Sie Veränderungen in der Einstellung festgestellt?

In der Diözese in ihrer Gesamtheit hat es niemals Konfrontationen zwischen Christen und Muslimen gegeben. Gewiss, man spürt, dass es unter den Leuten gewisse Vorbehalte gibt, aber sie versuchen, trotz allem zusammenzuleben. Und auch wir halten weiterhin unsere Plattformen mit dem Imam und den Protestanten ab, das heißt, wir treffen uns und diskutieren. Dies bringt viele Früchte, denn sogar die Behörden bitten unsere Plattformen um Rat. Dass wir zusammen sind, verleiht uns mehr Glaubwürdigkeit.

Das sind keine Christen!

Das sind keine Christen!

Im Westen gibt es die Tendenz, dass uns der Konflikt als Krieg zwischen Christen und Muslimen präsentiert wird. Wie regieren Sie darauf?

Ich bedauere das, denn es gibt an diesem Konflikt nichts Religiöses- Man missversteht die Anti-Balaka als christliche Milizen, aber wenn ich diese Milizen mit ihren Talismanen sehe, dann sind das keine Christen. Ich als Christ trage mein Kreuz, keinen Talisman. Genauso sind auch die Séléka nicht alle Muslime. Es ist kein religiöser Konflikt, sondern ein politischer.

Welches sind heute die Herausforderungen für die Kirche in der Zentralafrikanischen Republik ? 

Die wichtigste Herausforderung für die Kirche ist es, die Menschen wieder aufzurichten, insbesondere durch die Ausbildung der Jugendlichen. Die Jugend ist die Zukunft des Landes, sie macht 70 Prozent der Bevölkerung aus. Man muss ihrem Leben einen Sinn geben. Dadurch wird man viel gewinnen, denn sie sind es, mit denen  man das Land aufbauen können wird. Wir möchten auf der Ausbildung der Laien bestehen, die bereits eine große Verantwortung tragen und denen man viel mehr zuhören müsste. Des weiteren muss man sich mit dem Wiederaufbau der Infrastruktur befassen, aber vor allem muss man den Menschen selbst wiederaufbauen.

Was sind die konkreten Hoffnungszeichen für die Zukunft ?151006 car_dorp

Ich denke, wir sind dabei, aus der Krise herauszukommen. Das Leben kehrt mehr und mehr zurück. Manche Dörfer, die verlassen waren, sind wieder bewohnt, in anderen gab es eine Trennung zwischen muslimischen und christlichen Stadtvierteln, aber in manchen bewegt sich wieder etwas. Dies sind Zeichen der Hoffnung. Manche Flüchtlinge kehren wieder ins Land zurück, und es ist zu hoffen, dass sich für die, die noch im Ausland geblieben sind, etwas verbessern wird. Es ist die Aufgabe der Regierung, die Dinge so zu organisieren, dass diejenigen, die sich noch außerhalb des Landes befinden, wieder zurückkehren können.

Was erwarten Sie vom Besuch des Papstes vom 27.-29. November?

Dass er uns ein bisschen Atem bringt und die Spannungen lindert, um der Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik die Zuversicht zurückzugeben. Die Gläubigen erwarten ihn mit großer Freude, alle werden aktiv, um den Besuch vorzubereiten. Er ist ein großes Zeichen der Hoffnung für uns, denn er zeigt uns inmitten der Schwierigkeiten, dass der Papst an uns denkt.

Transport in der Zentralafrikanischen Republik

Transport in der
Zentralafrikanischen Republik

Die Hilfe von KIN :

« Kirche in Not » hat 5 Lastwagen finanziert, die dazu dienen werden, die Pilger aus den neun Diözesen zum Besuch des Papstes nach Bangui zu bringen (auf jedem haben 50 Personen Platz). Die Lastwagen werden anschließend in den Diözesen bleiben, wo sie für verschiedene Aktivitäten genutzt werden sollen. Der Bevölkerung aus den weiter entfernt gelegenen Landesteilen wird damit dazu verholfen, dass sie am 27., 28. und 29. November an dem Besuch des Papstes in Bangui teilnehmen können. Bischof Cyr-Nestor Yapaupa dankt allen Wohltätern von KIN : « Ein großes Dankeschön im Namen der christlichen Einwohner der Zentralafrikanischen Republik, denn dank Ihnen haben wir gespürt, dass wir nicht verlassen sind! Sie haben uns moralisch, geistlich und finanziell unterstützt. Dies ist für mich ein Zeichen des Teilens, ein Zeichen der Kirche, dass wir in schwierigen Momenten unterstützt worden sind !“

Zusammen mit Ihnen möchten wir Menschen in Not eine helfende Hand leisten. Dank Ihnen unterstützt Kirche in Not verfolgte, bedrängte oder Not leidende Christen weltweit durch Information, Gebet und Aktion.

Sie können:

  • für ein pastorales Projekt spenden:
    • Belgien: IBAN: BE85 4176 0483 7106 und BIC: KREDBEBB (Kirche in Not V.o.G. – ohne Steuerbescheinigung). Pastorale Projekte kommen nach belgischer Gesetzgebung nicht infrage für eine Steuerbescheinigung.
    • Luxemburg: IBAN: LU66 1111 0261 9404 0000 und BIC: CCPLLULL

       

  • für ein soziales Projekt spenden: IBAN: BE11 4176 0100 0148 und BIC: KREDBEBB (Hilfe und Hoffnung V.o.G. – mit Steuerbescheinigung ab € 40,00). Diejenigen, die im Laufe des Jahres € 40,00 oder mehr spenden für ein soziales Projekt, bekommen das nächste Jahr automatisch eine Steuerbescheinigung.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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