Burkina Faso: „Zwischen zwei Fronten gefangen“

Die Lage in der Sahelzone ist besorgniserregend. Von den Grenzgebieten der Sahelzone bis ins Landesinnere haben sich Terroranschläge ausgebreitet. Insbesondere in Burkina Faso hatte sich die Sicherheitslage seit 2015 verschlechtert. In einem von Maria Lozano vom Hilfswerk Kirche in Not geführten Interview mit Bischof Laurent B. DABIRE von Dori, im Norden Burkina Fasos gelegen, versichert der Bischof, dass es zwar Verbesserungen in der Sicherheitslage gibt, der Terrorismus sei jedoch weit davon entfernt, unter Kontrolle gebracht, geschweige denn besiegt zu sein. Er habe weiterhin einen starken Einfluss auf das Leben der Menschen und der Kirche. Eine Situation, die durch die Pandemie noch erschwert werde, die sich als hartnäckig und wechselhaft erweise. „Wir sind zwischen zwei Fronten gefangen“, erklärt Bischof Dabire. Trotzdem blieben die Gläubigen ihrem Glauben treu und besuchten die Messe in großer Zahl. „Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen“ (Röm 5,5), ruft der Bischof von Dori in Erinnerung.

Wie ist die allgemeine Lage im Land?
Die Gesamtsituation im Land ist düster, weil die Sicherheitskrise und die Corona-Pandemie die Bevölkerung schwer getroffen haben. Wir sind zwischen zwei Fronten gefangen. Glücklicherweise ist die Corona-Inzidenz in Afrika noch gering, aber die Zunahme der Fälle ist besorgniserregend. Eine direkte Folge dieser beiden Miseren ist die humanitäre Krise, sowohl für die Vertriebenen als auch für die aufnehmende Bevölkerung. Trotz der Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung ist die Situation für die armen Menschen sehr hart, die von Tag zu Tag leben und ihre Lebensgrundlage verloren haben.

Wie ist die Lage im Bistum Dori? Ist wieder Ruhe eingekehrt? Gibt es immer noch gewaltsame Übergriffe?
Nach einigen Monaten Waffenruhe (April-September 2020) hat das Gebiet der Diözese, das den in Burkina Faso gelegenen Teil der Sahelzone umfasst, seit dem 10. September 2020 bis zum heutigen Tag mindestens zehn Terroranschläge erlebt. Die Bevölkerung flieht entweder aus eigenem Antrieb vor Angriffen oder folgt der unter Androhung von Massakern erteilten Aufforderung, das Gebiet zu verlassen. Die Angriffe haben jedoch abgenommen und führen zu weniger Todesfällen. Man kann sagen, dass sich das Sicherheitsklima verbessert hat, obwohl es immer noch unmöglich ist, sich in bestimmten Gebieten aufzuhalten, die aufgrund der Anwesenheit oder der Aktivität von Terrorgruppen gefährlich bleiben.

Kann die Kirche, können Priester, Katecheten und Ordensschwestern in der Diözese arbeiten?
Die Pfarrgebiete Aribinda und Gorgadji sind vollständig geschlossen, dort findet zurzeit keine pastorale Arbeit statt. Die Pfarrzentren in diesen beiden Pfarreien wurden von den Christen geräumt, und die Dörfer, die zu diesen Pfarreien gehören und in denen noch einige Christen leben, sind wegen der gefährlichen Straßen unzugänglich. Die Gemeinde von Djibo funktioniert dank der Anwesenheit eines Katecheten weiter, aber auf ein Minimum reduziert. In den weiteren, offen gebliebenen Pfarreien – Dori, Sebba und Gorom-Gorom – beschränkt sich die Seelsorge auf das Pfarrzentrum. Dort werden alle Tätigkeiten regelmäßig, teilweise mit wechselndem Zeitplan und unter Beachtung der Präventionsmaßnahmen gegen das Coronavirus durchgeführt.

Fünf Jahre voller Unsicherheit: Wie haben sich die Gemeinden an diese Situation angepasst?
Die Diözese Dori arbeitet weiter. Sie sichert die katholische Präsenz in der Sahelzone, wenn auch auf kleinem Raum und unter Schwierigkeiten. Die Priester organisieren täglich Messen, Katechese, Sakramentenspendung und pastorale Treffen. Mit Ausnahme von zwei Gemeinden, die geschlossen wurden, leiten die Ordensschwestern die Arbeit der Diözese: die Grundschule in Dori, die Mädchenschule in Dori, das Aufnahmezentrum der Missionare vom Guten Hirten in Dori und das Zentrum „Las Dunas“ in Gorom-Gorom, das ein Waisenhaus, eine Entbindungsklinik, eine Apotheke, ein pharmazeutisches Lager und mehrere Unterkünfte umfasst. Darüber hinaus beteiligen sich die Schwestern an den Aktivitäten der Pfarrei in den Bereichen Katechese und Liturgie. Die Katecheten, die über die Hauptstädte der aktiven Pfarreien verteilt sind, engagieren sich auch in der Liturgie und geben Katechesen in den Landessprachen. Durch die Teilnahme an nationalen Treffen unterhält das Bistum auch Kontakt zu den anderen Diözesen des Landes.

Wie ist die Stimmung der Katholiken in dieser so schwierigen Lage?
Unsere Gläubigen zeichnen sich durch Beharrlichkeit und Widerstandskraft aus. Für sie gilt: Den Glauben leben, was es auch kostet. Seit 2015 haben wir nie erlebt, dass jemand seinen Glauben aufgegeben oder verleugnet hätte oder abtrünnig geworden wäre. Die Gläubigen fliehen vor dem Terrorismus, dem sie sich nicht widersetzen können. Ihren Glauben bewahren sie jedoch. Selbst wenn Terroristen Menschen bedroht haben, damit sie konvertieren, ist ihnen das nicht gelungen. Die Menschen haben sich und ihren Glauben in Sicherheit gebracht. In Gorom-Gorom und Sebba kommen einigen Gläubigen aus Angst vor Angriffen nicht mehr zu den sonntäglichen Versammlungen. Das Engagement leidet ebenfalls bei anderen Gemeindeaktivitäten. Die Seelsorger müssen Strategien finden, um diese geschwächten Gläubigen zu ermutigen und zu unterstützen. „Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen“ (Röm 5,5), ruft der Bischof von Dori in Erinnerung.

Dies bezeugt auch Pater Victor Ouedraogo von der Diözese Ouahigouza in Burkina Faso:

 

Dieses Video ist Teil der internationalen Fastenkampagne 2021 von Kirche in Not über religiösen Extremismus in Afrika, von dem die Kirche das Opfer ist, aber vor allem eine wichtige Kraft der Unterstützung, Versöhnung und Heilung für alle, die unter der Gewalt leiden. Diese Aktion trägt den Titel „Helfen Sie uns, die Wunden des religiösen Extremismus in Afrika zu heilen“.

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