Indien: Eine Kirche, die zu den Ärmsten geht

20/03/2018 Löwen – Bita wohnt in einem Lehmhaus auf einem Erdboden. Genau genommen sind es nur Lehmwände  mit einer Plastikplane. Das alte Haus ist vor einem Jahr abgebrannt. „Das war ein großes Unglück.“ Eines der Kinder sah das Feuer rechtzeitig aufkommen und zog die jüngere Schwester heraus, schildert die dreifache Mutter. Dann half ihr die Kirchengemeinde, einen kleinen Kredit zu organisieren. Damit konnte sie vorübergehend in eine benachbarte Behausung umziehen: Es ist nicht viel mehr als ein notdürftig zusammengehaltener Unterschlupf aus Lehm und Stroh, ein Raum zum Schlafen, einer zum Kochen und Wohnen, beide kaum drei mal drei Meter groß.

Die meisten der Dalits leben extrem beengt. Ihr Platz ist zusätzlich eingeschränkt: „Dalits dürfen vieles nicht berühren, nicht berührt werden und ihre Dinge nicht überall hinstellen“, erklärt Pater John. Aus Sicherheitsgründen wurde sein Name geändert. Er arbeitet seit Jahrzehnten mit Dalits, den Angehörigen der untersten indischen Kaste. „Der Bereich der Kochstelle ist beispielsweise ein heiliger Platz. Einmal habe ich einen Trinkbecher an einer falschen Stelle abgestellt. Das war ein großes Drama,“ erinnert sich der Pater. Für den Hausherrn, wo er zu Gast war, war das ein Angriff, der „unheilig“ macht. Für Dalits ist es wie ein Bann. Wer ihn nicht befolgt, erlebt großes Unheil, glauben sie.

Auch Bita war früher davon überzeugt: „Ich hatte viel Angst und fürchtete schlechte Geister.“ Es war eine Vorstellungswelt, die sie immer mehr bedrängte: „Ich hatte sogar Angst aufzustehen und zu laufen. Ich wurde krank.“

Dann lernte sie eine Christin kennen, die ihr von der Bibel erzählte. Die Botschaft, dass es einen Gott gibt, der sich ganz besonders den Armen und Niedrigsten in der Gesellschaft zuwendet, sie in seine Gemeinschaft einlädt, sprengt alles, was sich Dalits vorstellen können. Diese christliche Einladung begann auch in Bita zu wirken. Heute steht sie unter Druck ihrer Nachbarn. Die meisten im Dorf sind Angehörige anderer Religionen und beobachten misstrauisch, wie sich Bita mehr und mehr zur katholischen Kirchengemeinschaft hingezogen fühlte. „Ich fürchte, sie sind auch etwas neidisch, dass ich jetzt Teil einer Gemeinschaft bin, die zu mir steht. Dass ich mich wieder besser fühle, seit ich in die Kirche gehe.“

Wer Bita besucht, kann etwas von der Beklemmung spüren, die in der Luft liegt: Bita und eine kleine Handvoll Personen gehören inzwischen zu den Christen. Sie sind eine Minderheit unter Nachbarn, die versuchen, Bita von der Kirche wieder abzubringen. Doch sie steht zu ihrem Glauben. „Ich habe auch meinen Ehemann davon überzeugt. Er hält jetzt zu mir. Wir leben mit mehr Freude, verdienen auch ein wenig mehr. Wir haben wieder Hoffnung. Wir hoffen auf Gott und die Kirche.“

Bei der Frage, welche Stelle ihr in der Bibel besonders gefällt, denkt sie kurz nach. „Jesus sagte, liebe Deinen Nächsten. Das gibt mir Kraft.“

Kirche in Not hat die diesjährige Fastenkampagne auf die Christen in Indien ausgerichtet. Von nationalistischen Gruppen werden sie als Feinde der indischen Gesellschaft gebrandmarkt. Kirche in Not stellt Projekte vor, die den Ärmsten Rückhalt geben, damit sie ihren Glauben leben und sich selbst in Würde entfalten können: india.acninternational.org

Die päpstliche Stiftung Kirche in Not organisiert Entgegnungstage vom 22. bis zum 27. Mai 2018 über Indien. Wir laden Sie herzlich ein zuhören zu kommen und die Realität der Situation der Christen in Indien dank Augenzeugen, die auch da werden sein, zu entdecken.

Von Karla Sponar

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