Katholisch-Orthodoxes Gipfeltreffen in Wien: „Ein weiterer Meilenstein im katholisch-orthodoxen Dialog“

16/02/2018 Löwen – Am zweiten Jahrestag des historischen Treffens zwischen Papst Franziskus und dem Moskauer Patriarchen Kirill trafen sich am Montag (12.02.) in Wien der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch, und der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchates, Metropolit Hilarion von Volokolamsk. Die Päpstliche Stiftung Kirche in Not, die sich bereits seit 25 Jahren für den Dialog der Katholischen mit der Russisch-Orthodoxen Kirche einsetzt, war mit einer Delegation vertreten und stellte eine in katholisch-orthodoxer Zusammenarbeit entstandene Dokumentation über das Ausmaß der Schäden und Opfer von Christen in Syrien vor.

Wien 14.02.2018 – Als einen „weiteren Meilenstein“ im Dialog zwischen der Römisch-Katholischen und der Russisch-Orthodoxen Kirche wertet Johannes Freiherr Heereman, der geschäftsführende Präsident der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not, das Treffen zwischen Kardinal Koch und Metropolit Hilarion in Wien. Es fand am zweiten Jahrestags des historischen Treffens zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kirill statt. Kirche in Not war mit einer Delegation bei diesem Treffen vertreten.  Das Hauptthema war die Lage der Christen im Nahen Osten und die gemeinsame Antwort der Katholischen und der Orthodoxen Kirche auf die Christenverfolgung in dieser Region und in anderen Teilen der Welt.

Kirche in Not setzt sich bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert für den Dialog zwischen der Katholischen und der Russisch-Orthodoxen Kirche ein. „Für uns ist dieser Jahrestag nicht die Feier eines historischen Ereignisses, sondern eine Etappe auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft“, kommentierte Heereman das Ereignis.  Beeindruckt zeigte er sich davon, dass sowohl Metropolit Hilarion als auch Kardinal Koch ausgeführt hatten: Christen werden heute nicht verfolgt, weil sie einer bestimmten Konfession angehören, „sondern einfach deshalb, weil sie Christen sind. In diesem gemeinsamen Leid sind die Kirchen nicht getrennt.“ Kardinal Koch betonte, in den Heiligen sei die Einheit der Kirche bereits verwirklicht. Der Kardinal sprach von dem „alarmierenden Phänomen“, dass Christen den Nahen Osten verlassen. Es sei deshalb notwendig, den Christen zu helfen, in ihrer Heimat zu bleiben.

Christen helfen, in ihrer Heimat zu bleiben

Johannes Freiherr Heereman

„Dies ist auch ein großes Anliegen von Kirche in Not“, erklärte Heereman. Der Kardinal hatte in seiner Ansprache die Hilfe hervorgehoben, die Kirche in Not im Nahen Osten leistet: Im Irak half Kirche in Not zwischen 2011 und 2017 mit 35,7 Mio, in Syrien mit insgesamt über 21 Millionen Euro.  Metropolit Hilarion betonte, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche im vergangenen Jahrhundert selbst Opfer von Verfolgung geworden sei und nun in Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche verfolgten Christen helfen wolle. Der Metropolit sieht die Christenverfolgung als „wichtigste Herausforderung“ für die Kirchen der heutigen Zeit.

Metropolit Hilarion lobte die  effektive Zusammenarbeit beider Kirchen auf diesem Gebiet. Dies habe dazu beigetragen, dass in nie dagewesener Intensität die heutige Christenverfolgung in den Medien thematisiert werde und dass beim Treffen zwischen Papst und Patriarch zum ersten Mal das Wort „Genozid“ für das, was Christen im Nahen Osten erleiden, verwendet wurde.

Bei der Konferenz vorgestellt wurden auch neue Wege, die Kirche in Not in der Zusammenarbeit mit der Russisch-Orthodoxen Kirche geht.  Inspiriert durch die vor zwei Jahren von Papst Franziskus und Patriarch Kirill gemeinsam unterzeichnete Erklärung wurde eine Arbeitsgruppe gegründet. Sie besteht aus Vertretern der Katholischen und der Russisch-Orthodoxen Kirche sowie Fachleuten  des internationalen Hilfswerkes Kirche in Not. In Wien trat diese ökumenische Arbeitsgruppe jetzt zum ersten Mal offiziell in Erscheinung.

„Die Zusammenarbeit betrifft zum einen die Hilfe für die Christen im Nahen Osten und zum anderen den Einsatz für die gemeinsamen christlichen Werte, besonders für den Schutz des menschlichen Lebens und der traditionellen christlichen Familie – beides brennende Probleme der Gegenwart,“ sagte Peter Humeniuk, der Russlandverantwortliche von Kirche in Not. Beide Kirchen seien sich auf diesen Gebieten einig: „Viele Initiativen zeugen von der Fruchtbarkeit dieser Tätigkeit.“   Kirche in Not-Präsident Heereman stellte jetzt die Arbeit der ökumenischen Gruppe  vor und sprach von „einem hoffnungsvollen Zeichen der Intensivierung und Stabilisierung der Zusammenarbeit“.

Als ein weiteres Ergebnis wurde in Wien eine von Kirche in Not herausgegebene Broschüre vorgestellt, die zum einen die Syrienhilfe von Kirche in Not abbildet, zum anderen eine erste Übersicht der in Syrien durch den Krieg zerstörten Gotteshäuser vorstellt. Sowohl Kardinal Koch als auch Metropolit Hilarion, die jeweils ein Vorwort für die Publikation verfasst haben, dankten Kirche in Not dafür. An dieser Dokumentation haben alle christlichen Kirchen vor Ort mitgearbeitet. Zudem informiert die Broschüre auch über die Zahl entführter sowie getöteter Christen und zerstörter christlicher Privathäuser. Laut Kirche in Not-Präsident Heereman besteht die Besonderheit darin, dass es sich um „ein Resultat der Zusammenarbeit zwischen Katholiken, Orthodoxen und Kirche in Not handelt. In dieser gemeinsamen Sorge um die Zukunft des Christentums im Nahen Osten verwirklicht sich die Ökumene der Märtyrer.“

Diese Broschüre ist Teil einer großangelegten Untersuchung, die in Syrien Kriegsschäden an kirchlichen Gebäuden aller vor Ort vertretenen Konfessionen dokumentiert. Diese Dokumentation wird weiter vervollständigt, um so den Wiederaufbau vorzubereiten.

Von Eva-Maria Kolmann

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