Ein katholischer Priester in Syrien ermordet

18/11/2019 Leuven – „Der Krieg in Syrien ist noch nicht vorüber, und der ISIS tritt noch in Erscheinung.“ Dies erklärte der armenisch-katholische Erzbischof von Aleppo, Boutros Marayati, nach dem Angriff auf Pfarrer Hovsep Hanna Bedoyan telefonisch gegenüber Kirche in Not. Der Pfarrer der armenisch-katholischen Pfarrei St. Josef in Kamischli war dabei am 11. November 2019 ums Leben gekommen.

Nach Angaben des Erzbischofs befand sich Pfarrer Hovsep auf dem Weg nach Deir ez-Zor, um die Arbeiten an der Kirche der Märtyrer zu kontrollieren. „Wir versuchen, die Kirche und die Häuser der Christen wiederaufzubauen, so dass die Gläubigen wieder in die Stadt zurückkehren können“, erklärte er. Im Auto des 43jährigen Priesters hätten sich außerdem sein Vater, der Diakon der Kirche von Hassaké sowie ein Laie befunden. „Kurz vor Deir ez-Zor näherten sich zwei Bewaffnete auf einem Motorrad dem Auto seitlich und überholten es dann, während sie das Feuer eröffneten. Der Vater des Priesters (Ibrahim Hanna Beyodan) war sofort tot, während Pfarrer Hovsep Hanna erst bei seiner Ankunft vor dem Krankenhaus von Hassaké starb.“

Pfarrer Hovsep Hanna Bedoyan in seiner armenisch-katholischen Pfarrei St. Josef in Kamischli

Die Untersuchungen seien noch im Gange. „Wir wissen noch nicht, wer ihn getötet hat, auch wenn sich offenbar der ISIS zu dem Anschlag bekannt hat. Sicher ist, dass Pfarrer Hovsep den Priesterkragen trug und daher erkennbar war, ebenso wie auch sein Auto, das auf dem Kofferraum die große Aufschrift trug: ‚Armenisch-Katholische Kirche‘.“ Daher könne man davon ausgehen, dass Pfarrer Hovsep wegen seines Priestertums und aufgrund seines Beitrags zur Wiederherstellung der christlichen Präsenz in Deir ez-Zor getötet worden sei. „Die Stadt ist sehr wichtig für uns“, erklärte Erzbischof Marayati, „weil dort viele unserer christlichen Märtyrer getötet wurden, die 1915 vor dem Völkermord geflohen sind. Heute ist kein armenischer Katholik mehr dort, und die Türken wollen sicherlich nicht, dass wir dorthin zurückkehren. Unsere Präsenz würde an den Völkermord an den Armeniern erinnern.“

Am nächsten Tag um 12 Uhr Ortszeit wurde in Kamischli das Begräbnis für Pfarrer Hovsep Hanna abgehalten. Der Erzbischof sagte vor dieser Feier: „Die ganze Gemeinde wird kommen, auch die Muslime, um die Einheit und die Solidarität der ganzen Stadt zu zeigen.“ Es sei eine Stadt, die aufgrund der Kämpfe zwischen Türken und Kurden schwere Spannungen erlebe. „Die Situation ist chaotisch. Es sind Türken, Kurden, Amerikaner, Russen da. Allein gestern gab es drei Explosionen. Die Christen haben große Angst, und bei jedem Gewaltausbruch entscheiden sich viele Familien dazu, auszuwandern.“ Vor dem Krieg hätten fünftausend armenische Katholiken in der Stadt gelebt. Es habe fünf Kirchen gegeben. Heute seien es nur noch zweitausend Gläubige, und nur zwei Kirchen seien noch geöffnet.

Über Kirche in Not richtete Erzbischof Marayato einen Appell an die Internationale Gemeinschaft: „Wir bitten nur darum, dass dieser Krieg aufhört! Aber das kann nicht geschehen, wenn Sie weiterhin den Terroristen helfen und Waffen nach Syrien schicken!“ Dann wandte er sich an die Christen in aller Welt: „Ich bitte Sie, beten Sie für uns und unser Volk. Wir durchleben extrem schwierige Momente.“

Von Marta Petrosillo

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