Nicaragua : „Die Lüge ist fast so gefährlich wie Schüsse, weil sie eine Kriegspsychose schafft“

02/08/2018 Leuven – Der Kirche in Nicaragua nahestehende Quellen beklagen die mangelnde Neutralität der Medien. Die Informationen über die schwere Krise, die das Land seit einigen Monaten durchmache, seien mit Vorsicht zu behandeln. Dies gelte besonders für die Berichte über soziale Netzwerke, denn vieles seien sogenannte Fake News. Letzte Woche sei beispielsweise eine solche Falschmeldung über die Ermordung von Bischof von Estelí, Abelardo Mata, verbreitet worden.

„Der Krieg, den wir zurzeit hier erleben, findet auch in den Medien statt. In ihnen wird der Konflikt größtenteils ausgefochten“, versichern im Gespräch mit „Kirche in Not“ die oben erwähnten Quellen. Aus Angst vor Repressalien möchten sie anonym bleiben. Sie beklagen, dass „die Lüge, die Verwirrung und der Obskurantismus, die wir erleben, so gefährlich sind wie die Schüsse, die abgefeuert werden. Denn sie schaffen eine Kriegspsychose, eine Angstpsychose.“

Die mangelnde Unparteilichkeit betreffe beide Seiten der Auseinandersetzung im zentralamerikanischen Land. „Die regierungsnahen Medien berichten nicht darüber, wenn die Polizei oder paramilitärische Kräfte das Feuer eröffnen. Wenn sie es aber tun, dann heißt es, das ginge auf das Konto der sogenannten Maras“. Die gegen die Regierung eingestellten Medien erfinden Falschmeldungen. „Sie berichten ebenfalls nicht, wenn Polizisten oder mit dem Regime in Verbindung Stehende getötet werden, oder etwa Büros eines Bürgermeisteramts in Brand gesetzt werden.“ Ein Beispiel: Am vergangenen Sonntag seien drei Bauern deshalb getötet worden, weil sie den Sandinisten nahe standen. Darüber sei  in denjenigen Medien, die nicht zur sandinistischen Front gehören, nicht berichtet worden.

Nach der genannten Quelle ist eine der größten Sorgen die Radikalisierung beider Seiten seit dem Konfliktbeginn am 18. April. Damals wurden die Bürger über die sozialen Netzwerke dazu aufgerufen, gegen die Reformen des Sozialversicherungsträgers Instituto Nicaragüense de Seguridad Social zu protestieren. Nach dieser Reform sollte der Beitrag der nicaraguanischen Arbeitnehmer angehoben, die Renten und Pensionen herabgesetzt werden. Die Konfrontation begann, als Anhänger der Regierung von Präsident Daniel Ortega ebenfalls auf die Straße gingen, um die Reform zu unterstützen. Seitdem sind die Unterdrückung und die Gewalt seitens der regierungsnahen paramilitärischen Kräfte gegen die Protestierenden schärfer geworden.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass vor 30 Jahren in Nicaragua ein Krieg tobte. Nun haben sich die Wunden wieder geöffnet, ja sie sind noch tiefer geworden. Es ist Hass.“ Aus diesem Grund ist das vordringliche Ziel zurzeit, „Versöhnungsprozesse in Gang zu setzen. Die wahren Apostel sprechen von Vergebung, Vergebung, Vergebung.“

Auf den Aufruf der nicaraguanischen Bischöfe in ihrer letzten Stellungnahme vom 14. Juli unterstreicht Kardinal Mauro Piacenza, internationaler Präsident von „Kirche in Not“, die Bedeutung der Gebetskampagnen für Nicaragua, die von der Päpstlichen Stiftung Kirche in Not in mehreren Ländern ins Leben gerufen wurden. „In schwierigen Zeiten wie den jetzigen in Nicaragua sehen die Menschen in der Kirche eine moralische Unterstützung. Deshalb ist es sehr wichtig, der Kirche in ihrer schwierigen Aufgabe zu helfen. Die Hauptaufgabe von Kirche in Not besteht darin, die seelsorgliche Hilfe mit Information zu begleiten. Dadurch sollen die gesamte christliche Gemeinschaft sowie die ganze Welt auf die schmerzlichen, gewalttätigen Dramen aufmerksam gemacht und um Gebet gebeten werden, denn das Gebet ist der Motor und die Kraft für jegliche Veränderung“, sagt Kardinal Piacenza.

Von Maria Lozano

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