Sarajevo: Je mehr der Mensch gibt, desto zufriedener ist er

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09/03/2018 Löwen – „Sie ist stärker als Tito,“ sagt ein Arzt auf in der Unfallchirurgie des Klinischen Zentrums an der Universität Sajarevo. Und die Angesprochene antwortet prompt: „Natürlich. Staatspräsident Tito ist längst tot und ich bin – Gott sei Dank – ziemlich lebendig.“ Marija Bešker ist Kind einer 14-köpfigen Familie. Ihr Leben hat sie auf der Klinik verbracht, nachdem sie den ersten Beruf bereits gewählt hatte. Das kam unvermittelt: „Meine Tante war bereits eine Ordensschwester. Als ich klein war, meinte mein Onkel zu mir, ich könnte ihre Oberin werden. Das habe ich ganz klar abgelehnt. Doch als ich einmal meine Tante in Bijelo Polje besuchte, sah ich überall herrliche Blumen. Die ganze Gartenanlage hatte mich eingenommen. Damals musste ich mir eingestehen; vielleicht könnte ich tatsächlich Ordensschwester werden.“

Mit 14 Jahren hatte sie dann ihren Entschluss gefasst und trat ein bei den Franziskanerinnen des Christ Königs der bosnisch-kroatischen Provinz bei Mostar, in der Herzegowina. Kirche in Not hat diese Ordensgemeinschaft mehrfach unterstützt. Zwar galt die Hauptaufgabe dieser Kongregation den Waisenkindern. Doch im damals kommunistischen Regime Jugoslawiens war es den Schwestern nicht möglich, einen Kindergarten oder ein Waisenhaus zu führen, geschweige denn, in der Schule zu arbeiten. So musste sie einen anderen Beruf wählen und wurde Krankenschwester.

Durchgehalten in Sarajevo, auch im Krieg

„Wahres Ansehen kann man sich weder kaufen, noch kann man es lernen. Es hat mit einer ehrlichen Lebenseinstellung zu tun, mit einer professionellen Haltung zur Arbeit und vor allem: mit Menschenliebe,“ ist die 61-Jährige überzeugt. 1980 legte sie die ewigen Gelübde ab, Drei Jahre bevor der Eiserne Vorhang verschwand, kam Schwester Marija in die Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas, nach Sarajewo. Sie hatte ein Angebot, in das malerische Dubrovnik zu gehen, in die Stadt der Künste und Dichter an der kroatischen Küste. Doch sie blieb in Bosnien, auch als der Krieg kurze Zeit später die Region überzog. Es galt, die „Realität des Bösen“ aushalten, erinnert sie sich. „Etwas Positives habe ich dennoch aus der Kriegszeit mitgenommen: Auch in den schlimmsten Kämpfen hat unser Medizinpersonal nie einen Unterschied gemacht, ob es um die Rettung eines Kroaten, Serben oder Moslem ging.“

Ein Weg, die Zeit richtig zu verwenden

Wenn es um ihre Arbeit geht, betont sie: „Es reicht nicht, die medizinische Ausbildung abgeschlossen zu haben. Man braucht die richtige Einstellung, muss es als eine Berufung begreifen.“ Diese Haltung hat sie aufsteigen lassen – heute ist sie Oberschwester auf der vierten Abteilung in der Unfallchirurgie. Dass sie einem katholischen Orden angehört, hat ihr nie Probleme bei der Arbeit gemacht. „Alle Kollegen behandeln mich sehr respektvoll.“ Das allein reicht jedoch nicht aus. „Wenn ich zu einem Arzt gehe und ihn um etwas bitten muss, dann bete ich still für mich: `Denk an mich barmherzige Mutter Gottes, dass er gut aufgelegt ist und mir den Gefallen tut.“ Solche Bittgänge sind für Menschen, die ihr von anderen anempfohlen werden, die Vermittler brauchen, einen guten Geist, der helfen wird, ohne Gegenleistung. So macht Schwester Marija nach Dienstschluss Krankenbesuche bei Menschen, die es schwer haben in einer Gesellschaft, die das Kriegstrauma noch verarbeitet – sozial, wirtschaftlich und psychologisch.

Der Wunsch, einen schönen Garten zu haben, wie damals beim Besuch ihrer Tante, wurde erfüllt: „Wenn die Blumen darin aufblühen, dann spüre ich keine Müdigkeit,“ beschreibt Schwester Marija. Für sie ist das Gebet im Ordensleben das Wichtigste, das gemeinsame wie das persönliche. „Von meinen älteren Mitschwestern habe ich gelernt, dass wir für die verlorene Zeit einmal haften werden“. Schwester Marija lächelt, es wirkt schelmisch. Sie strahlt aus, was sie sagt: „Je mehr sich der Mensch anderen widmet, desto zufriedener und glücklicher ist er.“

Kirche in Not hat für verschiedene Schwersterngemeinschaften insgesamt für Existenzhilfe, pastorale Arbeit oder Transport verschiedener der Schwestern in Bosnien-Herzegowina rund 80.000 Euro im Jahr 2017 aus.

Von Josip Vajdner & Karla Sponar

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