COVID-19 in Afrika: Katholische Radiosender bringen Hoffnung

In Afrika wurden bisher über 14 500 Menschen positiv auf Covid-19 getestet. Das Virus hat dort bereits fast 800 Menschenleben gefordert. In zahlreichen Ländern des Kontinentes ist es zur Schließung von öffentlichen Gebäuden wie Kirchen und Schulen gekommen. Viele Afrikaner haben weder Zugang zum Internet noch zum Fernsehen, und das Radio bleibt die beste Möglichkeit, die der Kirche zur Verfügung steht, um ihre Gläubigen zu erreichen und zu begleiten. Dabei nimmt sie ihre Aufgabe der „Kirche im Aufbruch“ ernst.

„In diesen Zeiten der Kontakt- und Ausgangssperren ist das Radio ein Medium, das viele Menschen brauchen.“ Pater Apollinaire Cibaka Cikongo äußert sich gegenüber Kirche in Not International zur Situation, wie er sie in der Demokratischen Republik Kongo erlebt, die ebenfalls von der Coronavirus-Pandemie betroffen ist. Der Priester aus der Diözese Mbujimayi ist der Gründer von Radio Ditunga mit Standort in der Stadt Ngandajika, die in seiner Diözese im Zentrum des Landes liegt. Der Radiosender wurde vor zehn Jahren mit Unterstützung der päpstlichen Stiftung gegründet.

„Seitdem die Kirchen aus den uns bekannten gesundheitlichen Gründen geschlossen sind, hat Radio Ditunga sein Programm angepasst, um mehr Sendezeiten für die Feier der Eucharistie, das Gebet und die von den Priestern aus Ngandajika begleiteten Exerzitien zu bieten“, erklärt Pater Cibaka Cikongo. Er hebt außerdem hervor, dass alle geistlichen Exerzitien und alle liturgischen Feiern live übertragen werden. So auch das Ostertriduum.

Der Sender deckt einen Sendebereich mit ungefähr fünf Millionen Einwohnern ab. Pater Cikongo erklärt, warum bei den Übertragungen dieses Jahr nicht der traditionelle Tag des Schweigens am Karsamstag eingehalten wurde: „In Angesichts der Konkurrenz durch die übrigen Glaubensgemeinschaften, die andere Radiosender vor Ort nutzen und unwahre Botschaften verbreiten, so zum Beispiel die Nachricht, dass der Papst und die katholische Kirche die spirituelle Verantwortung für die Coronavirus-Pandemie tragen, haben wir uns überlegt“, so der Pater, „dass eine Zeit des Schweigens unsere Hörer dazu bringen könnte, sich Konkurrenzsendern zuzuwenden, mit all den Risiken der Manipulation, die das beinhaltet“.

Eine neue Herausforderung: Schulunterricht live im Radio
Aufgrund der Schließung der Schulen seit dem 19. März hat der Sender ebenfalls beschlossen, Schulunterricht live zu überragen, um die Verbindung zwischen den Lehrern und den Schülern aufrechtzuerhalten. „In unserem Bereich ist das eine absolut neuartige Erfahrung“, räumt der Priester ein. „Wir haben angefangen, mit dem katholischen Ausbildungszentrum La Robertanna (Centre éducatif catholique La Robertanna) zusammenzuarbeiten. Da wir bei uns in der Nähe 153 Familien mit Kindern haben, haben wir für jede dieser Familien ein kleines Transistorradio gekauft und es ihnen gegeben. Andere Familien sind daran interessiert und werden an dem Experiment teilnehmen können, weil das Radio für alle zugänglich ist. Täglich werden zwei Stunden Unterricht organisiert“.

Die Lehrer kommen in den Sender und es ist vorgesehen, während der abendlichen Unterrichtsstunden 30 Minuten lang live Fragen und Antworten zu senden. “Eine der Herausforderungen wird darin bestehen, sich der Beteiligung der Eltern zu versichern, insbesondere der Analphabeten, während die andere Herausforderung finanzieller Art sein wird“, erklärt der Geistliche weiter, „denn durch die Schließung der Schulen wird es schwerig sein, spontane Zahlungen seitens der Eltern zu erhalten“.

Botschafter der Hoffnung
Das Medium Radio erweist sich als entscheidender Knotenpunkt für die Christen in dieser Zeit der gesundheitlichen Krise, und das nicht nur in der Demokratischen Republik Kongo. Auch zahlreiche andere Projektpartner von Kirche in Not nutzen gegenwärtig die Radiosender immer intensiver.

So beispielsweise Radio Sol Mansi in Guinea-Bissau, das seine Programme ebenfalls verstärkt hat. Dabei geht es nicht nur um die Sensibilisierung der Bevölkerung bezüglich der Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Coronavirus-Epidemie, sondern auch darum, mehr denn je die Evangelisierungsaufgabe des Radiosenders zu erfüllen, indem Gottesdienste, Katechesen und die verschiedenen Gebetsstunden übertragen werden, erklärt Schwester Alessandra Bonfanti, stellvertretende Leiterin des portugiesischsprachigen Radiosenders, gegenüber Kirche in Not und führt fort: „In der gegenwärtigen Zeit liegt unsere Aufgabe darin, Botschafter der Hoffnung für eine Gesellschaft zu sein, die sich vor der Pandemie fürchtet. Wir müssen dazu beitragen, die Flamme des Glaubens an die Hoffnung zu bewahren – die Hoffnung, dass die Welt zur Normalität zurückkehren kann, wenn jeder das Seine dazu beiträgt.“

Kirche in Not unterstützt mehrere Radiosender in Afrika. Im Laufe der letzten fünf Jahre hat die päpstliche Stiftung nicht nur Sendern in Guinea-Bissau und der Demokratischen Republik Kongo geholfen, sondern auch in Angola, Burkina Faso, Kamerun, Kenia, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mosambik, Uganda, in der Zentralafrikanischen Republik, Tansania, Togo und Sambia. Kirche in Not hat die Finanzierung von 35 Projekten zur Beschaffung neuer technischer Ausrüstung und von fünf Projekten für die Produktion neuer Radioprogramme unterstützt.

Von Christophe Lafontaine

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