Katholiken in Osteuropa: stark gefragt, wenn Staat und Gesellschaft wenig Perspektiven aufzeigen

30/01/2018 Löwen – Über die katholische Kirche in Osteuropa wird heutzutage kaum noch berichtet. Dabei ist deren Lage in einigen Ländern weiterhin schwierig, zuweilen beklemmend und deren Engagement für das Zusammenleben oft entscheidend. Das kam beim 23. Treffen der katholischen Hilfswerke für Osteuropa am Hauptsitz des internationalen Hilfswerkes Kirche in Not bei Frankfurt am Main erneut zum Ausdruck. Im Fokus der Begegnung standen Berichte aus  Südosteuropa, Kasachstan, Russland, aus der Ukraine sowie der Tschechischen Republik.

Die größte Not trifft nach wie vor den umkämpften Osten der Ukraine, wo täglich weiterhin Menschen infolge des Krieges sterben. Bemerkenswerterweise hat dies die Solidarität von Katholiken, Protestanten und Orthodoxen in den notleidenden Gebieten verstärkt, wie die Leiterin des Osteuropa-Hilfsbüros der US-Bischofskonferenz Tetiana Stawnychy am Rande schilderte.

Zu den ärmsten katholischen Ortskirchen in Osteuropa zählen vor allem die in Albanien und im Kosovo. Eine schwierige Situation erleben darüber hinaus Katholiken in Bosnien und Serbien: Die Erfahrung einer Existenz als Minderheit kennzeichnet den Alltag der Gläubigen. Für jüngere Gemeindemitglieder sind besonders pastorale Angebote wichtig, auch da  die Ereignisse aus den Kriegsjahren in den 1990er Jahre auf dem Balkan nach wie vor kaum aufgearbeitet wurden. Das sind neben den wirtschaftlichen Problemen zusätzliche Gründe, warum Tausende weiterhin aus diesen Regionen Jahr für Jahr auswandern.

Lichtblick in einer belasteten Atmosphäre

Wo die öffentliche und staatliche Unterstützung für die Versöhnungsarbeit fehlt, sind Initiativen der Kirchen umso mehr gefragt. Manchmal sind sie der einzige Lichtblick in einer belasteten Atmosphäre. „Wir müssen den missionarischen Einsatz, der den interreligiösen Dialog, die Versöhnung unter den Völkern und die soziokulturelle Bildung einschließt,  deshalb vor Ort weiterhin stärken, auch damit ein radikaler Islam sich nicht ausbreitet,“ betonte der geistliche Assistent des internationalen Hilfswerkes Kirche in Not, Pater Martin Barta, mit Blick auf die ex-sowjetischen Länder in Zentralasien.

Ein Schrumpfungsprozess gehe manchmal mit einer neuen Qualität der kirchlichen Existenz einher, berichtete Dr. Gerhard Albert. Der Geschäftsführer von Renovabis war im letzten Jahr durch Papst Franziskus mit dem Gregoriusorden ausgezeichnet worden. Damit wurde auch die Arbeit von Renovabis zugunsten der Menschen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa gewürdigt.

Besonders  in den Balkanstaaten, wo die Katholische Kirche eine Minderheit bildet, ist die materielle Absicherung von Priestern und Ordensleuten im Alter ein wichtiges Thema.  Lösungen dazu im Rahmen der von den Bischöfen dieser Region ausgehenden Initiative „Piccolo Gregge“ besprachen Vertreter aus Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo, Serbien, Mazedonien, Montenegro und Albanien, um Priestern und Ordensleuten eine minimale Kranken- und Pensionsversicherung garantieren zu können.

Neben den erwähnten Hilfsorganisationen waren beim Austausch auch Teilnehmer der italienischen, polnischen und US-amerikanischen Bischofskonferenz sowie der Stiftung Porticus vertreten. Alle erhoffen sich von einem eventuellen Papstbesuch im Baltikum zusätzliche Impulse für die Kirchen in Osteuropa.

Von Karla Sponar

 

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