Wo befinden Sie und Ihre Gemeindemitglieder sich, und wie kommen Sie zurecht?
Alle Bewohner der Gemeinde und des Dorfes mussten Aalma el Chaab am 10. März verlassen. Sie sind über das ganze Land verstreut. Nur wenige Familien haben Notunterkünfte erreicht. Gemeinsam mit unserem Gemeinderat, der Stadtverwaltung von Aalma el Chaab und dem Krisenteam konnten wir sie ausfindig machen. Wir versuchen, mit ihnen in Kontakt zu bleiben und ihnen mit unseren sehr begrenzten Mitteln zu helfen. Doch Gott verlässt seine Kinder nicht. Er, der die Vögel des Himmels nährt und die Blumen des Feldes kleidet, sorgt durch seine Vorsehung auch für uns, seine Kinder.
Ich selbst befinde mich in Aaraya, östlich von Beirut. Nachdem ich meinen Bruder vor meinen Augen verloren habe, versuche ich, auf allen Ebenen Kraft zu schöpfen. Ich bin Priester und Diener der mir anvertrauten Gemeinde, aber ich bin auch ein Mensch: Ich freue mich mit den Fröhlichen und weine mit den Trauernden. Heute, in der Karwoche, wiederhole ich: „Meine Seele ist betrübt“, in Anlehnung an die Worte des Herrn Jesus im Garten Gethsemane. Jesus selbst weinte am Grab seines Freundes Lazarus, tief bewegt… so geht es mir heute.
Wie erleben wir die bevorstehende Osterzeit?
Seit dem Krieg von 2023 teile ich jeden Morgen eine Meditation über das Wort Gottes in den sozialen Medien. Ich setze dies fort und betone dabei die spirituellen, sozialen und moralischen Dimensionen. Darüber hinaus sind wir weiterhin auf die Bedürfnisse aller bedacht: Manche zögern, sich zu melden, andere tun es spontan. Bezüglich der Karwoche haben wir gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat beschlossen, dass die Gläubigen an den Feierlichkeiten in ihren jeweiligen Wohnorten teilnehmen. Letztes Jahr war die Kirche in Aalma el Chaab trotz der Zerstörungen voll besetzt. Dieses Jahr beschränkt sich die Zusammenkunft auf Samstagabend in der Kirche des Heiligen Antonius des Großen in Jdeideh el-Metn (am Stadtrand der Hauptstadt). Unsere Situation ähnelt der der Gläubigen im Alten Testament. Uns bleibt nur noch, mit dem Psalmisten zu singen: „Wie lieblich sind deine Wohnstätten, Herr, du Allmächtiger! Meine Seele sehnt sich, ja, sie verlangt nach den Vorhöfen des Herrn.“
Welche Botschaft haben Sie an die Wohltäter von Kirche in Not?
Vielen Dank an Kirche in Not für Ihre Aufmerksamkeit für unsere Situation und für uns als Vertriebene. Wir alle halten an der Hoffnung fest, dass das Kreuz, das wir tragen, eine Brücke zur Auferstehung sein wird, deren Zeitpunkt wir nicht kennen. Aber die Auferstehung wird kommen. Wir haben ein Zeugnis zu geben: Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.