Die Kirche in Kongo-Brazzaville tankt Hoffnung und Kraft, um ihre Probleme zu überwinden

05/04/2018 Löwen – Weil sie lange Zeit unter kommunistischem Regime lebte, unterdrückte die Republik Kongo viele Jahre lang den Glauben. Nun tankt die Kirche in dem afrikanischen Land neue Kraft, um ihre – nicht wenigen – Probleme zu überwinden und voranzukommen. Kinga von Poschinger, Projektleiterin für Kongo-Brazzaville beim Päpstlichen Hilfswerk Kirche in Not, hat das zentralafrikanische Land besucht, um die Lage aus erster Hand kennenzulernen. Monica Zorita befragt sie in einem Interview nach den Herausforderungen, denen die Kongolesen zurzeit begegnen, sowie nach anstehenden Projekten von Kirche in Not in diesem Land.

Was waren die Hauptgründe für Ihre Reise? 

Der Besuch in Kongo-Brazzaville hatte aus verschiedenen Gründen Vorrang für Kirche in Not. Weil das Land viele Jahre lang von einem kommunistischen Regime regiert wurde, stand der Glaube seines Volkes weit im Hintergrund. Es soll zu einer Rückkehr zum Glauben kommen. Es geht darum, den Glauben aus der Isolation herauszuholen und ihn zu fördern. Kirche in Not reiste zuletzt 2002 in das Land. Durch den jetzigen Besuch und die neuen Projekte erwarten wir einen großen Antrieb für die Kirche und die Gesellschaft.

Wie ist die jetzige Lage in dem Land, das auch als „kleines Kongo“ bekannt ist?

Wie viele andere Länder Afrikas befindet sich das Land in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage. Die Menschen leben in Armut in Ländern, in denen sie reich sein könnten. Die Region, in der sich das Bistum Impfondo befindet, liegt im Norden des Landes mitten im Urwald. Viele Häuser sind aus Lehm. In der Gegend gibt es zahlreiche Flüsse und eine üppige Vegetation, die die Mobilität erschwert. Meistens kann man sich nur auf Kanus fortbewegen, manchmal auch im Auto, wenn der Straßenzustand es erlaubt. Dies ist eine der ärmsten Regionen. Der Süden, insbesondere Point Noire ist reich an Erdöl. Die Senkung des  Ölpreises und die Korruption haben jedoch das afrikanische Land in eine tiefe Krise gestürzt, von deren Folgen alle betroffen sind. Es liegt auf der Hand, dass dies Unruhe schafft. Sie wird aber von der für das kongolesische Volk typischen Hoffnung überwunden. Dies trifft besonders für die katholischen Gemeinden zu, wo die Familie und die gegenseitige Hilfe eine wichtige Rolle spielen.

Welche Religionen sind in Kongo-Brazzaville am meisten verbreitet?

Obwohl die Republik Kongo offiziell ein säkulares Land ist, praktiziert ein großer Teil der Bevölkerung die christliche Religion. Ein weiterer bedeutender Teil hängt lokalen animistischen Religionen an, während eine Minderheit muslimisch ist. Innerhalb der christlichen Bevölkerung hingegen, gehören die meisten Menschen evangelischen Pfingstgemeinden an. Nur etwa 30 bis 35% sind katholisch. Die kongolesischen Katholiken haben einen sehr lebendigen, frohen Glauben. Im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern sind die religiösen Feiern hier ruhiger. Darauf legt Bischof Bienvenu Manamika Bafouakouahou aus der jungen Diözese Dolisie viel Wert, weil er dem innerlichen Gebet und der Stille große Bedeutung beimisst.

Die Kirche von Kongo-Brazzaville besteht zurzeit aus neun Diözesen, von denen zwei im Jahre 2013 eingerichtet wurden. Zudem  ist es vorgesehen, in den nächsten Jahren weitere Bistümer zu gründen. Denn ihre Ausdehnung ist sehr groß und daher nur schwer zugänglich für so wenige Bischöfe.

Welchen besonderen Herausforderungen begegnet die kongolesische Kirche?

Das sind nicht wenige:  Armut, der starke Zuwachs in den Pfingstgemeinden, das Freimaurertum, der Exorzismus, die Missachtung des katholischen Glaubens durch die lokalen animistischen Religionen… Dazu muss hinzugefügt werden, dass die Pfarreien teils sehr weit voneinander entfernt sind, so dass sich viele Priester allein fühlen, und daher manchmal den ursprünglichen Sinn ihrer Berufung und Mission aus den Augen verlieren können. Deshalb möchte Kirche in Not, unter anderem, mit geistlichen Einkehrtagen oder Fortbildungsprojekten für jüngere und ältere Priester helfen. Sie sollen so geistig wieder auftanken und die erforderliche Kraft erhalten.

Was für andere Projekte haben Sie nach dem Kongobesuch ins Auge gefasst?

Im Kongo gibt es nur ein Seminar. Wir würden gerne, zusammen mit den dortigen Lehrern, den Fokus auf ein Erkennen der wahren Berufung legen. Dies, unter anderem, durch eine bessere Ausbildung der dort lehrenden Priester.

Außerdem haben wir festgestellt, dass es an Mitteln für die Evangelisierung mangelt. Dabei handelt es sich sowohl um religiöse Literatur, etwa Messbücher, als auch um Boote, um zu manchen Dörfern zu gelangen. Darüber hinaus müssen einige Wohnungen von Priestern und Ordensfrauen renoviert werden. Viele von ihnen leben unter bedauernswerden Umständen, oder sie verfügen über kein Trinkwasser.

Im Kirchenjahr haben wir gerade die Auferstehung Christi gefeiert. Was für eine Oster- oder Hoffnungsbotschaft nehmen Sie von der Reise mit?

Kinga Poschinger und Msgr Bienvenu Manamika

Uns haben vor allem die Arbeit, das Licht, die Güte und die Hoffnung solcher Menschen wie Bischof Manamika Bafouakouahou beeindruckt. Er ist voller Kraft, um dem Land zu helfen voranzukommen, um alle Probleme nacheinander zu lösen, mit denen sich die Menschen auseinandersetzen müssen. Er hat einen tiefen Glauben und sehr klare Vorstellungen. Der Bischof geht auf die Straße, um mit den Menschen zu reden. Er veranstaltet auch „Evangelisierungswochen“, die Tausende in Bewegung setzen, die ihn hören wollen.

Welche Augenblicke der Reise waren besonders emotional oder bewegend?

Wir hatten ein sehr schönes Erlebnis in der Diözese Impfondo. Dort wurde die Primiz von drei neuen Priestern gefeiert, die bereits am 6. Januar zum Priester geweiht worden waren. Es handelte sich um eine traditionellen Tanz. Den Geistlichen wurden Ketten aus Pflanzen um den Hals und die Taille gebunden. Die restlichen Gläubigen kamen in traditionellen Kleidern. Sie tanzten mit einem aus Zweigen gefertigten Besen als Symbol der Einheit, Flexibilität und Widerstandskraft. Es beeindruckten uns die Freude und der Stolz des Volkes auf die drei neu geweihten Priester und das trotz der Leiden, die es durchgemacht hat.

Von Monica Zorita

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