Sie waren Bischof von Mossul während einer der schmerzhaftesten Phasen der jüngeren Geschichte des Irak: der Besetzung durch den Islamischen Staat. Sie haben den Exodus Ihrer Bevölkerung und die Gewalt, die so viele Menschen dazu zwang, ihre Heimat zu verlassen, hautnah miterlebt. Inwiefern hat diese leidvolle Erfahrung Ihre Sicht als Patriarch geprägt?
Es war eine sehr schwierige, aber auch prägende Zeit. Bischof in einer Stadt zu sein, die ständiger Gefahr ausgesetzt war, in der jede Woche oder jeden Monat jemand getötet wurde, hinterlässt tiefe Spuren. Zugleich hat mich diese Erfahrung gelehrt, dass der Glaube unseres Volkes sein wahrer Anker ist. Trotz allem haben die Menschen ihre Hoffnung bewahrt. Das Leiden, das mit dem Leben als gläubiger Christ verbunden ist, vertieft den Blick auf das Leben. Genau daran besteht das Zeugnis unseres Volkes: Es hat unermesslich gelitten und dennoch einen tiefen, unerschütterlichen Glauben bewahrt – die Überzeugung, dass das Leben vom Glauben und von christlichen Prinzipien geprägt sein muss. Diese Hoffnung nehme ich in meine neue Mission mit.