Katholische Schule in Gaza öffnet nach fast drei Jahren Krieg wieder ihre Türen für 1.000 Schüler

Der Pfarrer von Gaza sagt, die Wiedereröffnung einer katholischen Schule in dem verwüsteten Gebiet sei ein „Zeichen der Hoffnung“ für Menschen, die nur wenig Grund zur Hoffnung haben.

Die Schule der Heiligen Familie in der Altstadt von Gaza hat heute Morgen für rund 1.000 Schülerinnen und Schüler wieder geöffnet. Sie dient der katholischen Pfarrei der Heiligen Familie, steht aber auch der gesamten lokalen Bevölkerung offen, wobei die Mehrheit der Schüler Muslime sind.

Pfarrer Gabriel Romanelli sagte, er hoffe, dass die Wiedereröffnung der Schule nach fast drei Jahren Krieg seit den Hamas-Angriffen vom 7. Oktober 2023 „wie ein Licht in der Dunkelheit für die örtliche Gemeinschaft sein wird, die so viel Leid erfahren hat“.

Gegenüber einer Delegation des päpstlichen Hilfswerks Kirche in Not (ACN / Aid to the Church in Need), die das Heilige Land besuchte, um die Bedürfnisse der Ortskirche zu ermitteln und sich vor Ort über die Lage zu informieren, erklärte Pfarrer Romanelli, dass „die Not in Gaza enorm ist“.

„Für die Schüler und ihre Familien wird die Wiedereröffnung der Schule ein Stück Normalität zurückbringen. Wir haben hart daran gearbeitet, eine sichere Umgebung zu schaffen. Es gibt praktisch keinen Ort in Gaza, der nicht zerstört wurde; die Verwüstung ist überall. Aber wir haben alles darangesetzt, die Schule zu einem sauberen Ort zu machen, an dem sich die Kinder, die bereits so viel durchgemacht haben, sicher fühlen können“, sagte Pfarrer Romanelli der Delegation von Kirche in Not.

Acn 20260916 210655

© Pfarrer Gabriel Romanelli, Gaza, Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Acn 20260916 210656

© Pfarrer Gabriel Romanelli, Gaza, Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Vor dem Krieg gab es in Gaza fünf christliche Schulen: drei katholische, eine orthodoxe und eine evangelische. Die christlichen Schülerinnen und Schüler waren auf diese Einrichtungen verteilt. Nun werden zum ersten Mal alle christlichen Schüler gemeinsam dieselbe Schule besuchen: die Schule der Heiligen Familie.

George Akroush, Direktor des Projektentwicklungsbüros des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, erklärte gegenüber Kirche in Not, dass etwa 130 christliche Schülerinnen und Schüler die Schule besuchen werden. Das entspricht rund 13 Prozent der gesamten Schülerschaft.

„Zum ersten Mal werden alle christlichen Schüler Gazas gemeinsam eine christliche Schule besuchen“, sagte Akroush. „Das schafft ein starkes Gemeinschaftsgefühl und zeigt, dass die Kirche ihnen nahe bleibt und sie mitten in all ihren Prüfungen begleitet.“

Die Schule öffnet ihre Türen wieder, nachdem viele der durch den Krieg Binnenvertriebenen in ihre Häuser zurückkehren konnten. Bis vor Kurzem hatten mehr als 450 Menschen in dem Schulgebäude Schutz vor den israelischen Bombardierungen gesucht, die auf die Angriffe der Hamas folgten.

Pfarrer Romanelli betonte, dass die Pfarrei alles daransetze, den Menschen zumindest ein wenig Normalität zurückzugeben, „auch wenn in Gaza nichts normal ist“. Jeden Sonntag, so erklärte er, nehme er die Gemeindemitglieder nach der Sonntagsmesse mit an den Strand von Gaza-Stadt. „Obwohl der Strand voller Trümmer ist – wie ganz Gaza voller Trümmer ist –, möchten wir den Familien etwas Zeit zur Erholung und Entspannung ermöglichen.“

Der Krieg habe in Gaza alles verändert, sagte Pfarrer Romanelli der Delegation, und die Menschen seien weiterhin tief traumatisiert. „Auch für die Lehrkräfte ist die Wiedereröffnung der Schule wichtig“, erklärte er. „Viele von ihnen sind so schwer traumatisiert, dass sie fast nicht mehr dieselben Menschen sind wie vor Beginn des Krieges.“

Acn 20260916 210653

© Pfarrer Gabriel Romanelli, Gaza, Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Acn 20260916 210660

© Pfarrer Gabriel Romanelli, Gaza, Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Besondere Aufmerksamkeit sei deshalb der Gestaltung des Schulprogramms gewidmet worden, um den Erfahrungen aller Beteiligten Rechnung zu tragen.
„Früher gehörte psychosoziale Betreuung nicht zu unserem Schulprogramm. Heute wird sie ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit mit den Kindern und den Lehrkräften sein“, sagte er.

„Jeder in Gaza trägt schwere Traumata mit sich“, fügte er hinzu. Die Schule der Heiligen Familie wird außerdem eine wichtige Rolle für außerschulische Aktivitäten spielen. Viele Kinder hätten ihn bereits gebeten: „Bitte halten Sie die Schule auch nach dem Unterricht offen, Pfarrer. Wir haben nichts zu tun und keinen Ort, an den wir gehen können.“

Für Pfarrer Romanelli ist die Schule weit mehr als nur ein Bildungszentrum: „Für mich ist die Schule ein Licht in der Dunkelheit. Sie bedeutet den Menschen sehr viel. Wenn sie die 1.000 Schülerinnen und Schüler in ihren Uniformen zur Schule kommen sehen, zeigt ihnen das, dass es eine Zukunft gibt.“

Kirche in Not, dessen besondere Aufgabe darin besteht, der leidenden und verfolgten Kirche beizustehen, unterstützt das Heilige Land, einschließlich Gaza, seit vielen Jahren mit finanzieller und anderer Hilfe.

Teilen Sie diese Nachricht in den sozialen Medien oder per E-Mail:

Instagram
LinkedIn
WhatsApp

Weitere Nachrichten

Flyer 1mk de e1789995275469

Papst Leo XIV betet gemeinsam mit Hunderten von Kindern im Vatikan den Rosenkranz für den Frieden

Am 1. Oktober wird Papst Leo XIV. gemeinsam mit Hunderten von Kindern in den Vatikanischen Gärten den Rosenkranz für den Frieden beten. Damit eröffnet er die weltweite Aktion „Eine Million Kinder beten den Rosenkranz“, an der sich Kinder und Familien auf allen Kontinenten beteiligen. Von Rom bis zum Amazonas und vom Sudan bis nach Simbabwe werden sich Kinder vom 1. bis zum 7. Oktober im Gebet für Frieden und Einheit in einer von Krieg und Ungewissheit geprägten Welt vereinen.

Lesen Sie mehr
Acn 20260914 210620

Kardinal Koch ruft Kirche in Not dazu auf, die Wahrheit und Schönheit des Evangeliums zu bezeugen

Während eines Treffens der kirchlichen Assistenten von Kirche in Not in Rom ermutigte Kardinal Kurt Koch die päpstliche Stiftung, ihre Mission mit Freude, Mut und Treue zum Evangelium fortzusetzen. Im Hinblick auf das missionarische Wesen der Kirche hob er die Bedeutung des persönlichen Zeugnisses und das kraftvolle Vorbild der heutigen Märtyrer hervor, deren Opfer die Christen verschiedener Konfessionen in einem von ihm als „Ökumene der Märtyrer“ bezeichneten Sinne vereint.

Lesen Sie mehr
Doe een gift Faire un don Spenden